Vernissage

Im Kreis stehen und Sekt trinken, mit Leuten, die man vielleicht noch nie gesehen hat, aber schon ewig kennt, und dann noch zusammensitzen. Einen Zug verpassen, einen anderen schönen finden. Darüber und dahinter die Bilder, wegen derer man ja auch hier ist, die gemalten natürlich, kleine Fenster, jedes in eine andere Welt, und die eingefangenen, die möglichen, frisch geknipst; und werweiß, womöglich halten sie ja.
Schön war das.
Dank und Gruß an dm & mb, Philea, Sofasophia & Irgendlink! Wir lesen uns.

Die Oder aber:

Ein Fluß, wie ich sonst keinen kenne. Sie hat kein gebautes Bett und nimmt keinen braven Lauf; sie schmiegt sich und mäandert, sie verzweigt sich, versandet hier und reißt dort mit. Zwischen breiten Schilfgürteln strömt und stockt sie und spiegelt den Zug der Wolken und Wolken von Kranichen. Mit offenen Armen nimmt sie Schönheit vom Himmel und von der goldengrünen Weite um sie herum, fügt ihnen die eigene, silbrige hinzu und macht eine Landschaft daraus, die den Horizont weiter spannt und das Herz öffnet.
Links und rechts halten Deiche respektvoll Abstand; hinter ihnen ducken sich die Dörfer. Sie wissen wohl, warum. Aber an Tagen wie diesem ist die Oder ein Lied, eine funkelnde Lockung zwischen Weiden, und man möchte sie über den Bug eines Kahns oder im Wintereis sehen, um ihr nur ein bißchen näher zu kommen.

Reicht nicht: Blick vom Deich.

Kleinanzeige

Biete: ein »Enzyklopädisches Wörterbuch — Handausgabe« (Band 2: Deutsch-Englisch) von Muret-Sanders, Ausgabe von 1910, dunkelgrün, knapp 1100 Seiten; Erhaltungszustand: keine Schönheit, aber brauchbar. Es stehen wunderhübsche Wörter drin wie Chausseefloh: road hog, Wischstrick (zum Reinigen des Gewehrlaufs): pull-through und verinnigen: intensify.

Klick vergrößert.

Da es nur der halbe ist (der erste Band, Englisch-Deutsch, fehlt), verschenke ich ihn. Fragen beantworte ich gern. Interessenten bitte Nachricht an mich.
Nachtrag Januar 2013: Jetzt ist er weg!
Es hat gedauert (und ich hatte bereits erwogen, ihn in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen), aber nun hat der Muret-Sanders eine freundliche Bleibe gefunden. Möge er nie mehr Regalplatz kosten, als er Freude schenkt!

Im Wald mit D.

Mit D. hatte ich wenig gemeinsam außer einer Pfadfindervergangenheit (an verschiedenen Enden der Republik), kaum Geld und der sich daraus ergebenden Rauhbauzigkeit bei der Freizeitgestaltung.
Wir hatten so lange darüber geredet, daß eine Wanderung unausweichlich schien. Kartenmaterial besaß ich schon: in den Kellerwald sollte es gehen. Zwei Tage, vielleicht drei; notfalls am Montag die Vorlesung schwänzen.
Als D. am Samstagmorgen auftauchte …

Um den Pudding

Es klingt harmlos: Spaziergang. Nicht so weit, nicht so anstrengend, und zum Kaffee wieder zurück. Aber dann sind da zwei Wasserläufe, die überquert sein wollen, und schon wird alles kompliziert.
Autofahrer kennen das ja kaum noch mit den natürlichen Grenzen. Autos sind auf Strecken unterwegs, deren Ausbau bestimmt, wie groß die Welt ist. Die Autoreisenden-Welt besteht aus Anfangs- und Endpunkt, Tankstelle und Rastplatz; jenseits der Leitplanke existiert eigentlich nichts. In diesem Nichts aber verlaufen Wege und Pfade derer, die sich Schritt für Schritt fortbewegen.
Die asphaltierten Zubringer zu den Brücken, schwungvoll und glatt zu fahren, die sind zu Fuß eine halbe Weltreise und ermüden Beine und Blick. Moderne Verkehrsplanung kennt keine Trampelpfade. Ich hingegen kenne sie jetzt.

Jugend(t/f/r/b)ummelplatz.

Dafür mußte ich erst fragen (»einfacher wär’s an der Straße entlang …«) und mich dann doch verlaufen, in einer Schrebergartenkolonie, ausgerechnet. Staunende Extra-Runden zwischen Rosen, Quitten und Gartenzwergen.
Dann endlich wieder mein Fluß, wegen dem ich die ganze Sache ja mache.
Da sitze ich auf einer Uferbank, als ein radfahrender Herr hält, sein Butterbrot auspackt und sich zu mir setzt. (Seinen Helm hat er gegen einen Hut getauscht – den gleichen, wie ich ihn trage.) Er mache ja sonst immer Urlaub mit dem Auto, habe aber den Führerschein über den Sommer abgeben müssen, und nun eben Radwandern. Ich erzähle, wie ich jetzt eigentlich auf einem Schiff sein sollte. Und nun Rheinblick. Wir lachen, lüpfen unsere Hüte (meiner sieht ein bißchen mitgenommener aus) und ziehen unserer Wege, Radweg und Spazierweg, Schulter an Schulter mit dem Fluß.
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