Der Waldweg ist voll von ihnen; der schwarze Glanz ihrer Flügeldecken fällt ins Auge. Zumeist kreuzen sie den Weg, aber noch viel öfter liegen sie tot auf dem Rücken und zeigen ihre schillerndblaue Unterseite. Hübsch sieht das aus, wie zersprungene Edelsteine.

Beugt man sich zu einem solchen schwarzen Pilger hinab, kann man …
Postkarte aus der Ex-Hauptstadt

Bonn ist wie ein in die Jahre gekommener Herr im eleganten Dreiteiler; proper, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Bonn untertreibt gewaltig mit seiner Größe: von der Stadt geht ein unmißverständlicher Kleinstadtgeruch aus; ich erwarte ständig, jemanden zu erkennen. Dabei ist Bonn eine richtig große Stadt.
Ich habe mich natürlich auf der Rheinpromenade herumgetrieben; hängengenlieben bin ich in einer Ausstellung über Exzentriker. Unter dem Titel hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber das heißt ja auch nur, daß ich überrascht war. Der Graubereich zwischen Kult und Kunst wirft viele Fragen auf. Als ich nach viereinhalb Stunden ging, lobte mich der Mann an der Garderobe für meine Ausdauer.

Die Stadt draußen hat der September im Griff; Kastanien klatschen auf die Gehwege, und Spinnweben liegen über trockenem Grün. Vielleicht herrscht hier wirklich ewiger Sonntag. Ich werde es nicht herausfinden.
Rheinsteig
Auf der Strecke das Aufatmen, das In-Tritt-Kommen. Der Weg ist gut; seine Beschilderung läßt nichts zu wünschen übrig, und doch muß man ihm Aufmerksamkeit schenken. Die Gedanken fliegen nicht mehr so und bleiben in Sichtweite.
Septemberlicht. Brombeeren und Haselnüsse. Trauben sind noch nicht reif. Und mehr Eichhörnchen, als ich zählen kann. Ich habe es nicht geschafft, keinen Fotoapparat mitzunehmen, aber ich habe ihn kaum benutzt. Wege lassen sich nicht festhalten. Wie ich weiß, eigentlich.
Ich gehe allein. Das habe ich lange nicht gemacht, und ich genieße es, weder Rücksicht nehmen noch mich getrieben fühlen zu müssen. Außerdem bin es so nicht ich, die man kilometerweit durch den Wald hört: »… dabei war dat reiner Zufall, dat ich dem begechnet bin, und dann sacht der doch tatsächlich zu mir, is denn dat die Möchlichkeit, sacht der …«
Begegnungen sind allerdings selten; einige Goretex-Gruppen, wenige Paare und nur eine Einzelne ohne Rad oder Hund. Sie steht an einem Aussichtspunkt, reglos, die Hände auf den Hüften, und schaut still in die Ferne. Wir nicken uns kurz zu. Wie schön, denke ich und meine dabei ihre Versenkung und nur ein bißchen die Aussicht.
Ein paar Kilometer lang drehe ich Käfer wieder auf die Beine. (Weil ich erwachsen bin, nur die, die noch zappeln.)
Zwei-, dreimal der Punkt, an dem ich nach nicht enden wollendem Aufstieg erwäge, mich auf dem Weg fallen und vom nächsten Radler überfahren zu lassen. Gut, daß es so viele Radfahrer hier nicht gibt; das Brennen in den Lungen läßt bald nach, und weiter geht’s.
Wenn vor mir in der Senke ein Kirchturm auftaucht und ich durch Wiesen und Felder allmählich den Ort erreiche, muß sich das anfühlen wie zu Seumes Zeiten.
Auch das wie bei Seume, Eichendorff & Co.: die frischen Gesichter, das Lächeln der Kellnerinnen in Cafés und auf Terrassen, wohlgestalt und freundlich allesamt, und jedes stille Wasser eine Offenbarung. Man kann sich die Welt schöngehen.
Doch ach!
Einen Tag nur und einen halben Weg, dann muß ich dem Regen mit dem Zug davonfahren. In der Bahn schon packt mich das Wanderweh. Die Stubenluft fühlt sich verkehrt an. Ich bin noch lange, längst nicht sattgelaufen.
Immerhin.
Kommt kein Schiff
Keine Gaffelketsch. Keine Kajüte, keine Koje, keine Kombüse. Kein Toppsegelsetzen, kein Wegducken unterm Mastbaum. Nicht Zwiebeln schneiden bei Seegang und keine nächtliche Wache an Deck. Keine Ankerwinde, kein Landgang, kein Seewind, kein Südwester und nicht an der Reling winken. Nicht in diesem Jahr.
Jetzt einen Tag lang die Enttäuschung kleinreden und dann eine Woche lang … ja, was?
Jedenfalls, das steht fest, nichts von Nutzen.
Schöne Sachen XXVI
…bildung verboten

Und wie sich der Schilderdesigner an seinem Schreibtisch den Kopf zerbrochen haben muß (danke, D., für diese hübsche Vorstellung!):
»Rauchen verboten — gebongt, offenes Feuer verboten — jawoll, Funken verboten … nee, das geht nicht. Funken machen verboten? Nää, klingt doof … Funken verursachen? Auch nicht … Alles, was Funken … nach sich zieht? — Och, jetzt reicht’s aber. Jürgen, wie heißt das noch mal, wenn das Funken gibt? Funkenbildung! Genau! Danke! Is auch viel kürzer … ah, schon Mittag? Jürgen! Kantine!«
Nachtmahl
Zwei Welten

(Lesen war nur draußen möglich – die Hitze; die Lektüre zum Abend: ein Krimi von Janwillem van de Wetering, dessen Amsterdam-Serie mit den Kriminalbeamten Grijpstra und de Gier ab 1975 erschien. Eine Wohltat in Zeiten der schnellen Serienkillerei; und man wundert sich über nicht mehr viel.)
Saarbrücker Schnipsel

Es ist nicht cool, es ist nicht mondän, aber es ist auch nicht eingebildet. In Saarbrückens schräge Idyllen kann man sich zutiefst verlieben. (Ach, schaut doch einfach selbst.)








Ausdrücklich empfehle ich das Buch arbeitsraum von Axl Klein mit wunderbaren Porträts in Wort und Bild: Menschen in ihren Werkstätten. Für Saarbrücker lauter alte Bekannte.



