Um den Pudding

Es klingt harmlos: Spaziergang. Nicht so weit, nicht so anstrengend, und zum Kaffee wieder zurück. Aber dann sind da zwei Wasserläufe, die überquert sein wollen, und schon wird alles kompliziert.
Autofahrer kennen das ja kaum noch mit den natürlichen Grenzen. Autos sind auf Strecken unterwegs, deren Ausbau bestimmt, wie groß die Welt ist. Die Autoreisenden-Welt besteht aus Anfangs- und Endpunkt, Tankstelle und Rastplatz; jenseits der Leitplanke existiert eigentlich nichts. In diesem Nichts aber verlaufen Wege und Pfade derer, die sich Schritt für Schritt fortbewegen.
Die asphaltierten Zubringer zu den Brücken, schwungvoll und glatt zu fahren, die sind zu Fuß eine halbe Weltreise und ermüden Beine und Blick. Moderne Verkehrsplanung kennt keine Trampelpfade. Ich hingegen kenne sie jetzt.

Jugend(t/f/r/b)ummelplatz.

Dafür mußte ich erst fragen (»einfacher wär’s an der Straße entlang …«) und mich dann doch verlaufen, in einer Schrebergartenkolonie, ausgerechnet. Staunende Extra-Runden zwischen Rosen, Quitten und Gartenzwergen.
Dann endlich wieder mein Fluß, wegen dem ich die ganze Sache ja mache.
Da sitze ich auf einer Uferbank, als ein radfahrender Herr hält, sein Butterbrot auspackt und sich zu mir setzt. (Seinen Helm hat er gegen einen Hut getauscht – den gleichen, wie ich ihn trage.) Er mache ja sonst immer Urlaub mit dem Auto, habe aber den Führerschein über den Sommer abgeben müssen, und nun eben Radwandern. Ich erzähle, wie ich jetzt eigentlich auf einem Schiff sein sollte. Und nun Rheinblick. Wir lachen, lüpfen unsere Hüte (meiner sieht ein bißchen mitgenommener aus) und ziehen unserer Wege, Radweg und Spazierweg, Schulter an Schulter mit dem Fluß.
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