Ein Kuchen für H.

Wo er auch war auf der Welt: Immer, wenn er seinen Geburtstag feierte, mußte es diesen Kuchen geben; selbst da, wo eingemachte Aprikosen unbekannt und gemahlene Mandeln nicht zu haben sind. Er paßte eine christliche Zeit ab und rief bei seiner Großmutter, Oberhaupt der zahlreichen Familie, an: Oma, wie ging noch mal der Aprikosenkuchen?
Und verläßlich diktierte sie ihm das Rezept, aus dem Kopf, in Pfund und Gramm und »so lange, bis der Teig vom Löffel fällt«. Das Rezept, wie alle guten Familientraditionen, läßt viele Möglichkeiten offen: Man kann auch Pfirsiche nehmen. Statt Mandeln gehen Haselnüsse; sogar Kokosflocken. Je nach Ofen, je nach Backform länger oder kürzer oder heißer. Es wird doch immer derselbe Kuchen.
Dieses Jahr habe ich angerufen.

Aprikosen-Mandel-Kuchen

Vernissage

Im Kreis stehen und Sekt trinken, mit Leuten, die man vielleicht noch nie gesehen hat, aber schon ewig kennt, und dann noch zusammensitzen. Einen Zug verpassen, einen anderen schönen finden. Darüber und dahinter die Bilder, wegen derer man ja auch hier ist, die gemalten natürlich, kleine Fenster, jedes in eine andere Welt, und die eingefangenen, die möglichen, frisch geknipst; und werweiß, womöglich halten sie ja.
Schön war das.
Dank und Gruß an dm & mb, Philea, Sofasophia & Irgendlink! Wir lesen uns.

Die Oder aber:

Ein Fluß, wie ich sonst keinen kenne. Sie hat kein gebautes Bett und nimmt keinen braven Lauf; sie schmiegt sich und mäandert, sie verzweigt sich, versandet hier und reißt dort mit. Zwischen breiten Schilfgürteln strömt und stockt sie und spiegelt den Zug der Wolken und Wolken von Kranichen. Mit offenen Armen nimmt sie Schönheit vom Himmel und von der goldengrünen Weite um sie herum, fügt ihnen die eigene, silbrige hinzu und macht eine Landschaft daraus, die den Horizont weiter spannt und das Herz öffnet.
Links und rechts halten Deiche respektvoll Abstand; hinter ihnen ducken sich die Dörfer. Sie wissen wohl, warum. Aber an Tagen wie diesem ist die Oder ein Lied, eine funkelnde Lockung zwischen Weiden, und man möchte sie über den Bug eines Kahns oder im Wintereis sehen, um ihr nur ein bißchen näher zu kommen.

Reicht nicht: Blick vom Deich.

Kleinanzeige

Biete: ein »Enzyklopädisches Wörterbuch — Handausgabe« (Band 2: Deutsch-Englisch) von Muret-Sanders, Ausgabe von 1910, dunkelgrün, knapp 1100 Seiten; Erhaltungszustand: keine Schönheit, aber brauchbar. Es stehen wunderhübsche Wörter drin wie Chausseefloh: road hog, Wischstrick (zum Reinigen des Gewehrlaufs): pull-through und verinnigen: intensify.

Klick vergrößert.

Da es nur der halbe ist (der erste Band, Englisch-Deutsch, fehlt), verschenke ich ihn. Fragen beantworte ich gern. Interessenten bitte Nachricht an mich.
Nachtrag Januar 2013: Jetzt ist er weg!
Es hat gedauert (und ich hatte bereits erwogen, ihn in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen), aber nun hat der Muret-Sanders eine freundliche Bleibe gefunden. Möge er nie mehr Regalplatz kosten, als er Freude schenkt!

Im Wald mit D.

Mit D. hatte ich wenig gemeinsam außer einer Pfadfindervergangenheit (an verschiedenen Enden der Republik), kaum Geld und der sich daraus ergebenden Rauhbauzigkeit bei der Freizeitgestaltung.
Wir hatten so lange darüber geredet, daß eine Wanderung unausweichlich schien. Kartenmaterial besaß ich schon: in den Kellerwald sollte es gehen. Zwei Tage, vielleicht drei; notfalls am Montag die Vorlesung schwänzen.
Als D. am Samstagmorgen auftauchte …