
Auch wenn’s …
Vermessen
Auweia: Ich hatte noch nie einen passenden Badeanzug. Einen, der nirgends geschlabbert oder gekniffen, der sich nicht an den falschen Stellen gerafft oder gebeult hätte. Noch niemals in meinem Leben.
Und dann lernte ich eine Schneiderin und Designerin kennen, die tatsächlich und ausgerechnet Badeanzüge macht. Vor allem Unterwäsche, und Kleider, ja, aber … Badeanzüge! Wink des Schicksals. Und Gelegenheit beim Schopfe: jetzt, endlich, nach so vielen Jahren –!
Erster Schritt: Maßnehmen …
Einfache Freuden

Unterwegs sind es dann gar nicht die rasanten Panoramen, die üppigen Tableaus, die Sehenswürdigkeiten, die mich dazu bewegen, die Kamera hervorzukramen. Eine Linie zwischen Land und Himmel ist es meist, gar keine lange. Die Farbe des Landes und dessen, was übers Jahr darauf wächst; der Himmel voller Wetter. Die Geborgenheit im Kreis des Horizonts und all seine Versprechen.
Immer wieder versuche ich dieses Bild zu machen. Es ist wohl das, was in seiner Schlichtheit am ehesten zeigt, was für mich Heimat ist.
Tal, ganz still
Und dann bin ich ausgestiegen, in Bacharach am Rhein. Aus dem Zugfenster hatte ich Radfahrer auf der B9 gesehen, ungeniert mitten auf der Fahrbahn. Und was war? Tal total war.
Einmal im Jahr, am letzten Junisonntag, ist der Autoverkehr am Mittelrhein stillgelegt. Zwischen 10 und 18 Uhr (früher war’s mal 9 bis 19:00) sind hier motorisierte Fahrzeuge verboten. Die vielbefahrenen Straßen beiderseits des Rheins sind einmal wirklich belebt: zwischen Koblenz und Bingen bzw. Rüdesheim ist man per Rad, skatend oder per pedes unterwegs.
In den Ortschaften haben alle Sehenswürdigkeiten und die Gaststätten geöffnet; an Ständen am Straßenrand gibt es Erfrischungen, und manches Fest wird eigens auf diesen Tag gelegt. Und drumherum die immer noch atemberaubende Landschaft mit Felsen, Wein und aus Seitentälern purzelnden Dörfern.
Aber die wirkliche Sensation ist die Stille. Natürlich gibt es die Bahn (irgendwie müssen die Radler von weiter her ja anreisen), Frachtschiffe und, Geißel dieses Landstrichs, Güterzüge; aber davon abgesehen: Ruhe.
Und die Wahrnehmung verändert sich. Der Blick wird weit und bekommt mehr Richtungen. Kleine Geräusche überall, die sonst von einem Teppich aus Lärm zugedeckt sind. Der Wind fühlt sich an wie eine sachte Berührung. Und auf Straßen kann man gehen, bis man müde wird.
Ich habe ein Würstchen gegessen, bin auf dem Mittelstreifen spaziert, habe fröhlichen Radfahrern zugewinkt; einen Platzregen lang saß ich im Bacharacher Posthof unterm Schirm, und um halb sechs ging ich dann ans Rheinufer und ließ flache Schiefersteine springen. Und, oh, der Fluß scheint noch breiter, und er rauscht. Im Vogelkonzert fuhr ein Kind lauthals singend Schlangenlinien auf dem Fahrrad. Jeder Stein plitschte vernehmlich. Dann schlug es Sechs; ins Abendläuten mischten sich schon die ersten Motoren, und eine Minute später war der Zauber vorbei.
Eine kurze Zeit ließen sich die Autos noch zählen; dann war das Tal wieder angefüllt mit dem Summen und Dröhnen, das uns nur dann nicht normal erscheint, wenn es einmal ausgesetzt hat.
Tal total, die (schlecht gepflegte) Webseite des Ereignisses
an jedem letzten Juni-Sonntag im Welterbe Oberes Mittelrheintal
Rechnen
Vor etwas mehr als zwölf Jahren haben wir Dir nicht gesagt, daß alles gut wird. Aber geglaubt haben wir es; was sonst. Dann ging alles entsetzlich schnell. Vor beinah vierundzwanzig Jahren gingen wir zwei an einem Bahnhof auseinander und dachten nicht, daß wir uns noch einmal begegnen würden.
All die Geschichten dazwischen.
Jahr für Jahr weiß ich ohne Überlegen, seit wann, wie lang, wieviel älter. Manchmal denke ich, wenn wieder so ein Zeitraum durchmessen ist, daß man das doch sehen, daß die Welt andere Farben tragen müßte.
(Ausgerechnet ich und Zahlen. Du würdest lachen.)
Das rheine Vergnügen

Besuch beim Fluß: legt ab, nehmt Platz! Weicher Sand, bißchen Schatten, Uferwellenglucksen — alles da für einen Nachmittag in Weidenblattsilber.
Die Stelle am Strom …
Zu schnell
Das Auto hinter mir fährt dicht auf, drängelt an der roten Ampel, obwohl die Straßen leer sind zu dieser nachtschlafenden Zeit. Na, denke ich, der hat’s aber wichtig. Dann überholt mich der Wagen mit aufbrüllendem Motor; Idiot. Als ich aber sehe, wohin er ohne zu blinken abbiegt, schlägt mein Ärger um. Es ist das Gelände der Uniklinik; diese Einfahrt führt zu den Pavillons der Intensivstation mit ihren ewig heruntergelassenen Jalousien, und Parken ist hier streng verboten.
Ich wünsche dem Drängler von ganzem, heißem Herzen, daß er schnell genug ist.
Sommertage

Gras im Rücken und Himmel vor der Nase, der Horizont ein Rund über der Stirn, wie eine gewaltige Hutkrempe, und so viele Stunden im Tag wie nie — besser wird es nicht. Vielleicht noch ein Eis, vielleicht eine Amsel und ein Wind, mit dem alle Widrigkeiten und Kümmernisse auf segeln und davon.
Über die sieben Berge

Das Siebengebirge wurde zur Zeit der Rheinromantik entdeckt und entweder in der Steinzeit von Sauriern oder aber in der Märchenzeit von Zwergen hergestellt. Heute ist es mit Bäumen bewachsen und bietet dem Wanderer einen schönen Anblick.
Dümmer

Es ist nicht die See, sondern der, an dem der Wind so weht und die Möwen kreischen. 23 Kilometer würde man gehen müssen, um einmal herum wieder zum Parkplatz zu kommen, vorbei an Spielplätzen mit Piratenthemen, Parkbänken, Vatertagstrüppchen mit verschieden professioneller Ausstattung. Vor jeder Gaststätte liegt ein Anker. In der Ferne lehnen Segel im Wind; doch nicht vorm Horizont, sondern vorm Waldrand auf der anderen Seite.