Freizeit

Wenn ich einen wunderschönen Tag haben möchte, dann ziehe ich die dicken Schuhe an, nehme meinen Rucksack und in aller Herrgottsfrühe die Bahn und fahre an einen Ort auf meiner Wanderkarte, von wo es nicht weit ist in den Wald. Und dann verschwinde ich ein für paar Stunden vom Radar.
Was mitkommt, muß verläßlich sein und darf keine Ansprüche stellen. Wasser, Brote, eine Decke vielleicht und ein Buch; wenn’s regnet, was zum Trockenbleiben. Die Karte. Im Winter eine Zeitung, auf die kann man sich setzen und hat was zum Lesen. Ein Telefon ist nicht dabei. (Und wenn ich sehr unerschrocken bin, auch keine Kamera.)
Was ich da tue, ist ganz und gar meine Sache. Mir gemäß. Und das möchte ich alleine tun, ungestört und unbeobachtet. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, angerufen zu werden. Ich will nicht einmal die Möglichkeit haben, jemanden anzurufen: ganz und gar ohne Leine.
Das alles habe ich schon so gehalten, bevor die Telefone in den Taschen der Bürger politisch wurden. Ganz für sich zu sein, ist ein Grundbedürfnis. Wer erwachsen, mündig ist, will unabgemeldet gehen, unangemeldet kommen können, keine Rechenschaft ablegen müssen und niemanden haben, der ihm über die Schulter schaut. Auch nicht zur Sicherheit.
Freiheit, das ist so ein Schlagwort. Immer toll, und wild, und wie fliegen. (Dabei liegt vogelfrei gar nicht so fern, und Freiwild.) Wer wollte das nicht, frei sein? Ich will das auch. Auch wenn’s was kostet.
(Hier ein Text dazu; hier ein Bild.)

Nachtrag: Und hier ein Grund, auch im Wald mal nach oben zu schauen. Die Rechtslage legt zwar nahe, Bilder von Personen umgehend zu löschen, aber macht’s das angenehmer?

Weitermachen

Das Telefonat aufschieben, bis der Tag hinreichend sonnig ist und die Vögel laut genug singen, denn schlimmer hätte es ja, machen wir uns nichts vor, kaum kommen können; sie dann so gefaßt vorfinden, es gibt kein Wort dafür als: tapfer; natürlich traurig, aber den Blick nach vorn, die Jahre noch nehmen, hätte sonst ja keiner was von, weitermachen, was sonst, und wie’s denn zuhause ginge, doch hoffentlich gut; am Ende versprechen, sich selbst am meisten, bald vorbeizuschauen; und dann, in Sonnenschein und Vogelgezwitscher, heulen müssen wie ein Schloßhund.
 
 
 
 
 
 

Schwebend

Wiesenweg im Gegenlicht
Taggeschenk.

Im lichtgrünen Teich hängt geblendet ein Frosch, reckt die Arme der Wasseroberfläche entgegen, im Schwimmzug erstarrt; dann sinkt er sacht in die Tiefe und macht sich davon, zurück ins Dunkle, in Sicherheit.
Später steigt ein Fetzen Malerfolie aus dem Park in die Höhe, windet sich in der stillen Luft; wie aus Freude oder als ob es etwas wolle, schwebt es in Vogelhöhen hinauf. Irgendwann zieht die Wärme ihre Hand zurück: da taumelt das durchsichtige Gebilde, trudelt hinab aufs weiche Gras und fängt noch einmal, ehe es zu liegen kommt, hellauf das Sonnenlicht.
Noch später wünsche ich, sehr, daß ich etwas halten kann. Nicht die Seele, aber doch zumindest die Erinnerung.