»Ausbüxen«, so nennt eine liebe Freundin das, was ich jetzt mache: alles stehen und liegen lassen, ans Meer fahren und Wellen gucken. (Hoffentlich nicht die ganze Zeit im Regenmantel.)
Eine Woche frei!
Euch allen schöne Tage, mit oder ohne Wetter.
Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.
»Ausbüxen«, so nennt eine liebe Freundin das, was ich jetzt mache: alles stehen und liegen lassen, ans Meer fahren und Wellen gucken. (Hoffentlich nicht die ganze Zeit im Regenmantel.)
Eine Woche frei!
Euch allen schöne Tage, mit oder ohne Wetter.
Ich habe mich ein bißchen verliebt. Es ist eine Fernbeziehung, übers Internet, sehr voyeuristisch und vollkommen einseitig: Sie heißt One and other von Antony Gormley.

Auf dem Trafalgar Square, 1820–45 angelegt, gruppieren sich um die berühmte Bildsäule Admiral Nelsons vier Sockel. Mit drei Reiterstandbildern — das vierte wurde zunächst aus Geldgründen nicht errichtet; später konnten sich die Stadtväter nicht einigen, wer auf den Sockel darf.
In einer Reihe zeitgenössischer Kunstprojekte hat nun Antony Gormley den Sockel für 100 Tage belegt. Bei ihm dürfen alle nach oben: 2400 gewöhnliche Briten, jeder eine Stunde lang, 24 Stunden am Tag. Das Ganze wird von mehreren Kameras aufgezeichnet und live per Internet übertragen.
Frauen und Männer sind gleich stark vertreten und aus jeder Region Großbritanniens so viele, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Regeln sind einfach: Feuer und Waffen sind verboten, Betrunkene nicht erwünscht. Gesetz ist Gesetz. Man muß seine Stunde auf dem Sockel allein verbringen, darf sich aber kostümieren und alles an Gegenständen mitbringen, was man tragen kann.
Ein lebendiges Porträt der Menschen des Vereinten Königreichs will Gormley dort auf dem vierten Sockel erschaffen, durch ganz normale Leute, die einfach sie selbst sind. Er macht keine Vorgaben für die Stunde auf dem Präsentierteller. Nunja, »normal« ist naturgemäß etwas schwer zu fassen, und ob sich wirklich ein repräsentativer Querschnitt der britischen Bevölkerung auf diesen Sockel hieven läßt, wage ich zu bezweifeln.
Ich schaue jedenfalls jeden Tag nach, was die Briten da oben treiben. Und, oh, da gibt es was zu sehen: die Profi-Harfenistin, den Elvis-Imitator, Engels- und Tierkostüme aus Plüsch und Draht, Transparente, Luftballons und Sportgeräte. Manche nutzen ihre Stunde, um für einen guten Zweck zu werben oder für ihre Seifenfabrik; andere machen Bilder, zeichnen, fotografieren, filmen. Viele begeben sich in den Dialog mit den Zuschauern, die unten stehen, oder posieren für die Kameras. Und einige wenige machen nichts. Sie stehen oben, wie sie unten stehen würden: Statuen betrachten ihre Betrachter.
Dabei sind die »Figuren« nur ein kleiner Teil dessen, was hier passiert: Die Zuschauer auf dem Platz rufen, lachen, pfeifen, sie fangen Papierflieger, Bonbons, T-Shirts, abgeschnittene Haarsträhnen auf. Die Medien berichten unterschiedlich angetan; von Euphorie über Parodie bis hin zum Totalverriß ist alles dabei. »To plinth« ist inzwischen ein reguläres englisches Verb. Und dann sind da noch die heimlichen Beobachter im Netz, jeder mit seinen ganz persönlichen Reaktionen.
Warum schaue ich mir das an? Das, was mich an Richensas, Garganos, Hykes Blicken in fremde Fenster fasziniert, das habe ich hier in anderem Rahmen; ohne die Kontinuität, dafür mit Einwilligung derjenigen, die ich beobachte: scheinbare Intimität; ein endloses Entstehen von Geschichten in meinem Kopf, in anderen Köpfen. Menschen, emporgehoben.
Gleichzeitig kann ich das Rauschen im Netz wahrnehmen, das Echo der Präsenzen, der Aktivitäten, der Biographien auf dem Sockel: »– Großartig! — Ich bewundere Gormleys Werk! — Und das soll Kunst sein? Langweilig! — Der Mann von heute nacht um Drei sollte wirklich kein Latex tragen. — Schon wieder einer mit Mobiltelefon! — Wenn ich auf den Sockel käme, ICH würde etwas Kreatives tun … — Ihr Idioten: das ist doch alles nur ein Marketing-Gag! –«
Letztendlich sind es aber wohl doch Bilder, die mich anziehen. Die junge Frau, die unter ihrem Regenschirm wartet, daß ihre Stunde verstreicht. Der Herr im Maßanzug, der unbeweglich naß wird. Die Bibliothekarin, der ihre Aufregung ins Gesicht geschrieben steht. Der Tod auf dem weißen Fahrrad.
Und irgendwo muß es ihn doch geben, den Durchschnitt? Vielleicht kommt er hier zustande, in einer unscheinbaren Stunde auf dem vierten Sockel auf dem Trafalgar Square in London. Ich werde es mir anschauen.
Nichts geht über selbstgemachte Nudeln. Punkt. Kurz gekocht, mit Butter und Parmesan oder ein paar Blättern Basilikum: perfekt. Sie machen Arbeit, aber der Aufwand lohnt sich — so sehr, daß ich keine Nudeln aus der Tüte mehr mag.
Man braucht dazu sechs Eier, etwas über 500 Gramm Hartweizengrieß, eine Handvoll Mehl, etwa eine Stunde Zeit und gute Nerven. Kein Salz, kein Öl, kein Wasser!

Erst werden Eier und ein Teil des Grießes zusammengerührt. Wenn die Masse allmählich fest wird, geht es ans Kneten — echte Handarbeit; keine mir bekannte Küchenmaschine bekommt das hin. Zwischendurch erinnert der Teig in seiner Bappigkeit an etwas aus der Baustoffhandlung — egal, weiterkneten. Bis er nicht mehr klebt und sich glatt durchbrechen läßt.
Dann mit feuchtem Küchentuch abdecken und eine halbe Stunde warten.









Handtellergroße Kugeln dünn ausrollen, großzügig mit Mehl bestreuen, längs zusammenrollen und in schmale Streifen schneiden. Sofort entwirren und zum Trocknen ausbreiten. Nach einer halben Stunde kann man die Nudeln zusammenräumen; ich packe sie in eine Salatschleuder, damit sie nicht in der Schüssel festkleben. Im Kühlschrank halten sie sich zwei, drei Tage.

(Nach dem Nudelmachen sieht es in der Küche leider aus, als sei ein Mehllaster explodiert. Und die Kunst an dieser Anleitung besteht darin, Fotos zu machen, ohne den Fotoapparat zu ruinieren.)
So, das war meine Vorlage für den Hausgebrauch. Nudeln in elf Bildern.
Spektakuläre Anleitungen gibt es bei Karu: Wie werden lebensgroße Gipsfiguren gemacht? Wie funktioniert Bronzeguß? Und wem das noch zu leichtgewichtig ist, dem empfehle ich BerndBs Fotos auf flickr: Maximale Schwerlast auf vielen, vielen Rädern.
Viel Spaß!
Superstars brauche ich nicht.
So viele Menschen verfügen über so nützliche, witzige, erstaunliche Fertigkeiten, die die Welt ein bißchen besser oder wenigstens ein bißchen bunter machen. Ich kenne Leute, die können Glasperlen machen, Servietten für Festtafeln falten, Säuglinge einarmig wickeln. Ein Freund weiß, wie man Türschlösser mit Kreditkarten knackt, eine Bekannte häkelt kunstvolle Topflappen, F. holt aus Gimp das Letzte heraus. Die beste Holzhacktechnik habe ich bei einer Freundin auf dem Lande beobachtet. Ich würde einiges dafür geben, könnte ich so eine gute Kartoffelsuppe kochen wie K. Und wie R. seinen Hauscocktail hinkriegt, ist mir ein Rätsel.
Was sind eure versteckten Talente? Und wollt Ihr sie nicht zeigen? Mit detaillierter Anleitung, mit Zeichnungen, mit Fotos vielleicht? Ich möchte sie alle lesen.

(Nein, das ist keine uneigennützige Idee. Ich hoffe, ich kriege auf diese Weise endlich heraus, wie man richtige, sahnige Salzkaramelbonbons macht.)
Praktische Lektion in Sinnesphysiologie gefällig?
Dieses Video von Richard Wiseman demonstriert in 59 Sekunden den berühmten blinden Fleck und zeigt eindrucksvoll, wie das Hirn damit umgeht.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=O7jpJ12lBjg]
Und mit Flashplayer und Kopfhörern (ohne klappt’s nicht) kommt man online zu einem Haarschnitt:
[Hier funktioniert es noch.]
Luigi, der virtuelle Friseur, erledigt das schnell und kompetent — und verdeutlicht auf unterhaltsame Weise die Rechenleistung des Gehirns.
Ich empfehle unbedingt das anschließende Fönen!


Hamburg ist schick, sieht bei jeder Beleuchtung toll aus. Hambug hat Kultur, Geld, Lebensart. Eine gute Partie.
Wenn diese Stadt lächelt, sieht man ihr gepflegtes Gebiß, o ja, noch das eigene; hier und da sorgfältig wieder hergerichtet. Den Familienschmuck trägt sie gut sichtbar, ist aber auch Modernem nicht abgeneigt. Nur stimmen muß es. So putzt sie sich vor jedem Spiegel, ganz ohne Scheu. Hamburg achtet auf sich.
Auch das Untendrunter kann sich sehen lassen: Fliesen oder Kunst, hell, sauber, unmißverständlich beschildert. Es riecht frisch, nach Effizienz, nicht nach Abenteuer.
Sie muß einen festen Händedruck haben und ein lautes Lachen, womöglich einen Appetit auf deftige Kost. Hat ja viel gearbeitet in ihrem langen Leben. Vielleicht wird man auch mal, wenn man sie gut kennt, an ihre weiche Brust gedrückt und kriegt einen Grog gegen die Kälte.
Aber sicher nicht beim ersten Mal. Eineinhalb Tage sind ja auch keine Zeit.
Dann man auf Wiedersehen, Hamburg.


Mein Computer ist tragbar, und das will mir was bedeuten. Nun hat er lang genug gequengelt — also mal hopp den Rechner umgeschnallt und hin zu Leuten, die ich sonst nur schriftlich sehe. Die Gelegenheit ist günstig, darauf warte ich schon lang.
Man liest sich dann später wieder, ja? Habt’s gut und bleibt mir gewogen!
Nicht umsonst hieß es einmal »weißes Gold«: Porzellan ist der Stoff, aus dem Christine Schönau ihren Schmuck macht. Und zwar Omas gute Sammeltasse, edle Rosenthal-Teller, Geschirr mit Struktur, Goldrand oder Blümchen. Teller und Gefäße werden gnadenlos und fachkundig zersägt, poliert und gefaßt und können dann um den Hals, am Ohr oder Handgelenk spazierengetragen werden.
Ich spiele mit dem Gedanken, die ein oder andere meiner 30 bunten Tassen »in Urlaub« zu schicken …
Der britische Psychologieprofessor, Autor und ausgebildete Zauberer Richard Wiseman will in seinen Experimenten dem Paranormalen auf die Spur kommen — notfalls mit ungewöhnlichen Mitteln. Ab morgen nachmittag um 16:00 Uhr wird er, zusammen mit dem New Scientist, das erste wissenschaftliche Twitter-Experiment durchführen:
»Remote Viewing« (Fernwahrnehmung) heißt, durch außersinnliche Kanäle Informationen über einen entfernten Ort zu sammeln. Prof. Wiseman will in einem Massenversuch überprüfen, ob es diese Fähigkeit wirklich gibt. Als Versuchspersonen können alle mitmachen, die Wiseman auf Twitter folgen.
Am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird das Experiment jeweils um drei Uhr nachmittags (16:00 Uhr unserer Zeit) stattfinden — Details gibt es hier (auf Englisch). Heute um 16:00 Uhr wird es schon mal einen Testlauf geben.
Sollten die Twitterer bei dem Experiment überzufällig gut abschneiden, dann könnte das bedeuten, daß doch was dran ist an all den amerikanischen Krimis, in denen ein Medium den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib des gekidnappten Opfers gibt. Wenn nicht — nunja.
Also, mitmachen und Richard Wiseman followen!
Ein Foto des Professors gibt es auf seinem Blog. Wie übrigens auch noch eine ganze Menge anderer spannender, witziger und erstaunlicher Experimente, Rätsel, Informationen … Viel Spaß!
— 15. Juni 2009 —
Ich bin nicht völlig vergeßlich, nur etwas spät dran:
Hier finden sich, knapp zusammengefaßt, die Ergebnisse des Experiments. Ich verrate an dieser Stelle, daß — tut mir leid, Anhänger der Parapsychologie — »nichts rausgekommen« ist. Von vier Versuchen, unter jeweils fünf Bildern den richtigen Aufenthaltsort von Prof. Wiseman zu identifizieren, hat die Gruppe der Twitterer in keinem einzigen nennenswerten Erfolg gehabt. Aber wozu brauchen wir auch Telepathie, wenn wir Twitter haben …
(Wobei: die Telekinese, also die käme mir schon manchmal sehr zupaß. Vielleicht beim nächsten Upgrade?)
Gerade habe ich irgendwo gelesen, die sperrigen Drahtkleiderbügel aus den Reinigungen sollen durch umweltfreundliche aus Wellpappe abgelöst werden. Daraufhin habe ich mal nach »Kleiderbügel mit Wäschereiaufdruck« gegoogelt — und anscheinend bin ich der einzige Mensch im ganzen wilden, weiten Web, der sich für sowas interessiert.

Nein, ich sammele sie nicht — sie sammeln sich bei mir. Aus der eigenen und ein paar anderen Familien, aus Haushaltsauflösungen und ererbten Kleidungsstücken. Einmal konnte ich auf einer Wanderung dem Sperrmüll nicht widerstehen und habe dann sieben Exemplare zwölf Kilometer durch den Wald getragen.
Da hängen sie an meiner Garderobe, mit ihren Werbesprüchen von Wäschereien und Schneidermeistern. Bieder, honett und entwaffnend optimistisch. So, als würde es Betriebe ewig geben, als seien Adressen gottgegeben und unveränderlich, die Maßschneiderei ein bombensicheres Geschäft. Als würden Kleiderbügel niemals weggeworfen werden.
Diese Relikte einer Zeit, der »Made in China« oder das Internet nicht im Traum eingefallen wären, rühren mich. Eigentlich ist es nur passend, daß Google so gar nichts zu diesen Bügeln weiß … Das allerdings dürfte sich mit diesem Blogeintrag ändern.
PS (Januar 2010): Hier findet sich noch mehr über Kleiderbügel.
PPS (November 2013): Hier ein eindrucksvolles Bild: So sieht es bei einem echten Sammler aus.