Die Wissenschaft vom Glücklichsein

Nachtrag 12.08.09: Hier geht es zu den ersten Ergebnissen! Am glücklichsten unter den Versuchsgruppen war die, die jeden Tag einige Minuten lang an ein gutes Ereignis des Vortages dachte.

»The Science of Happiness«, so nennt sich das jüngste Online-Projekt des Psychologieprofessors Richard Wiseman. Vier Tage lang konnte man an einem Experiment teilnehmen, das dazu dienen sollte, glücklicher zu werden. Die Versuchspersonen wurden zufällig Gruppen zugeordnet, die verschiedene Aufgaben zu erledigen hatten; die Instruktion erfolgte über einen kurzen Videoausschnitt (Richard Wiseman im atemberaubend lila Hemd).

Am Anfang und am Ende des Experiments wurde der »Grad des Glücklichseins« erhoben. Wie mißt man »Happiness«? Simpel und elegant: Man fragt Personen, wie »happy« sie sich fühlen. Dadurch, daß der Begriff nicht näher definiert wird, kann jeder selbst entscheiden, was er darunter versteht; bei der enormen Teilnehmerzahl (ich habe etwas von 15000 gelesen es waren 26000) mitteln sich seltsame Vorstellungen von »happy« höchstwahrscheinlich aus. (Vorsicht: auf diese Weise haben es die Bengalen mal zum »glücklichsten Volk der Welt« gebracht … Wiseman beschränkt seine Analyse wohl auf Großbritannien.)

Meine Aufgabe war: Jeden Tag einmal anderen Leuten etwas Nettes tun. Jemandem ein Kompliment machen oder ein kleines Geschenk; einen Gefallen tun, notfalls etwas spenden.

Was ich gemacht habe: Den Nachbarn den Schlüssel abgenommen und ihn abends wieder zurückgebracht. Mit den Handwerkern geplaudert. Den Gemüsefrauen endlich mal wieder Gläser vorbeigetragen. Dem Manne um den Bart gegangen. Für eine Freundin etwas organisiert, eine andere überraschend besucht.

Und was soll ich sagen: Ich mußte (oder: durfte) feststellen, daß es gar nicht so leicht ist, etwas Nettes zu finden, was aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Anders ausgedrückt: Ich bin auch unter nicht-experimentellen Bedingungen schon ganz schön nett.

Das Experiment hatte aber auch seine Schattenseiten. Es gelang es mir nämlich nicht, einfach etwas Gutes zu tun — jede Freundlichkeit schlug sofort zurück: Die Nachbarn schenkten mir Kuchen. Der Handwerker reparierte was außer der Reihe. Die Gemüsefrauen nannten mich »Schätzchen«, der Mann machte mir Essen, und bei den Freundinnen bekam ich Blaubeerkuchen und ein wunderbares Lagerfeuer.

Wenn es darum geht, den Effekt von uneigennützigen Nettigkeiten zu messen, dann war das so vermutlich nicht gedacht.

Es ist zum Verzweifeln.

Für positive Nebenwirkungen

Es gibt ein neues Web-Experiment — von 3. bis zum 7. August 2009 führt Richard Wiseman einen Versuch zum Mitmachen durch. Diesmal geht es um nichts Geringeres als darum, glücklicher zu werden und ganz nebenbei die Welt glücklicher zu machen.

The Science of Happiness
The Science of Happiness

Ob das funktioniert? Ich mache mit — in einer Woche kann ich Näheres sagen.

(Und ja, die Seite ist sehr, sehr blau.)

Visuelle Enthauptung, virtueller Haarschnitt

Praktische Lektion in Sinnesphysiologie gefällig?

Dieses Video von Richard Wiseman demonstriert in 59 Sekunden den berühmten blinden Fleck und zeigt eindrucksvoll, wie das Hirn damit umgeht.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=O7jpJ12lBjg]

(hier im Vollbildmodus)

Und mit Flashplayer und Kopfhörern (ohne klappt’s nicht) kommt man online zu einem Haarschnitt:

vbarb

[Hier funktioniert es noch.]

Luigi, der virtuelle Friseur, erledigt das schnell und kompetent — und verdeutlicht auf unterhaltsame Weise die Rechenleistung des Gehirns.

Ich empfehle unbedingt das anschließende Fönen!

Twitter-Experiment

Der britische Psychologieprofessor, Autor und ausgebildete Zauberer Richard Wiseman will in seinen Experimenten dem Paranormalen auf die Spur kommen — notfalls mit ungewöhnlichen Mitteln. Ab morgen nachmittag um 16:00 Uhr wird er, zusammen mit dem New Scientist, das erste wissenschaftliche Twitter-Experiment durchführen:

»Remote Viewing« (Fernwahrnehmung) heißt, durch außersinnliche Kanäle Informationen über einen entfernten Ort zu sammeln. Prof. Wiseman will in einem Massenversuch überprüfen, ob es diese Fähigkeit wirklich gibt. Als Versuchspersonen können alle mitmachen, die Wiseman auf Twitter folgen.

Am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird das Experiment jeweils um drei Uhr nachmittags (16:00 Uhr unserer Zeit) stattfinden — Details gibt es hier (auf Englisch). Heute um 16:00 Uhr wird es schon mal einen Testlauf geben.

Sollten die Twitterer bei dem Experiment überzufällig gut abschneiden, dann könnte das bedeuten, daß doch was dran ist an all den amerikanischen Krimis, in denen ein Medium den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib des gekidnappten Opfers gibt. Wenn nicht — nunja.

Also, mitmachen und Richard Wiseman followen!

Ein Foto des Professors gibt es auf seinem Blog. Wie übrigens auch noch eine ganze Menge anderer spannender, witziger und erstaunlicher Experimente, Rätsel, Informationen … Viel Spaß!

— 15. Juni 2009 —

Ich bin nicht völlig vergeßlich, nur etwas spät dran:

Hier finden sich, knapp zusammengefaßt, die Ergebnisse des Experiments. Ich verrate an dieser Stelle, daß — tut mir leid, Anhänger der Parapsychologie — »nichts rausgekommen« ist. Von vier Versuchen, unter jeweils fünf Bildern den richtigen Aufenthaltsort von Prof. Wiseman zu identifizieren, hat die Gruppe der Twitterer in keinem einzigen nennenswerten Erfolg gehabt. Aber wozu brauchen wir auch Telepathie, wenn wir Twitter haben …

(Wobei: die Telekinese, also die käme mir schon manchmal sehr zupaß. Vielleicht beim nächsten Upgrade?)