Januargrün

Apfelfeld in der Januarsonne.
Apfelfeld in der Januarsonne.

Ein Fluß mit breitem Kreuz und voller alter Geschichten, der tröstlich strömt — vorbei, vorbei; dazu ein frischer Wind und Wolkentheater bis zum Horizont: Traditionen soll man pflegen, und Ausbüxen mit Frau Amsel hat Tradition. Was könnte man auch besseres machen mit einem Januartag bei vierzehn Grad?
rh_gold rh-altarm rh-stroemung rh-abend rh-loewenz
Die Wege sind gepflügt von Treckerreifen; Schlamm steht knöcheltief, und natürlich hat kein Ausflugslokal geöffnet, aber Aussicht gibt’s und Sonne. Der Winter ist ausgefallen, piepen die Meisen, und es sieht aus, als hätten sie recht. Eine Tanne schwirrt von Staren, Wiesenkräuter wagen sich ins Licht, der erste Löwenzahn leuchtet.
Ob’s wohl noch mal friert?

Eine Kerze.

Wieder eine. Niemand bleibt, und wenn man ihn zwanzig Jahre kannte.
Uns bleibt: eine Kerze anzuzünden, ein Fünkchen, ein Zeichen; man kann ja nichts ändern, nur erinnern kann man sich. Und wünschen, daß es den Traurigen nicht so schwer wird.
Noch nicht jetzt, aber irgendwann werden die Geschichten kommen, ein Schwarm Vögel, so farbig, wie dieses Leben einmal war.

Geschmacksfragen

Auf dem Wochenmarkt, am Stand des Biometzgers.
  Wieso ist denn bei Ihnen die Fleischwurst so grau?
  Wir nehmen keine Nitritpökelsalze.
  Wie, Fleischwurst ohne Salz?!
  Ohne Nitritpökelsalz. Das macht die Fleischwurst rosa.
  Also Salz ist da schon dran?
  Ja, Salz ist dran, Meersalz.
  Meersalz? Das hat meine Schwägerin auch, und bei der schmeckt’s mir immer nicht.
(Ohne Fleischwurst ab.)