Postkarte aus dem Winterwald

Ein-, zwei-, dreimal im Jahr muß es sein, dann fetten wir die Wanderschuhe und gehen in den Wald. Mehrere Tage am liebsten. Und so zu Fuß wie nur möglich. Wir nehmen Wege durch viel Landkartengrün und meiden Siedlungen, als gehörten wir dort nicht hin.

Ganz besonders liebe ich die Touren im Winter. Im Schnee der Wege (und abseits davon) zeigt sich, wie viele Beine vor uns hier gelaufen sind, auf Wanderschaft, auf der Suche oder auf der Flucht. Strecken, auf denen man sich in der Sommersonne von einem Schatten zum nächsten drückt, schnurren in der Kälte zusammen; jeder Tritt klingt appetitlich nach Zwieback. Die Bisse des Frühfrosts sind vergessen, sobald sich glitzernde Hügel vor uns ausbreiten oder doch wenigstens alle Bäume Eisnadeln tragen vom Nebel. Schlechtes Wetter haben wir nie; höchstens mal die Handschuhe vergessen.

Winterweg

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Postkarte aus der Drôme

Das Land nordöstlich der berühmteren Provence hat zu bieten: Singvögel am Morgen, Ziegen, Lavendel, Kreuzritterburgen, gleißendes Licht, Steineichen, einen dickschädeligen Menschenschlag, zwei warme und mehrgängige Mahlzeiten am Tag, weißen Nougat. Ob es das Land ist oder die Leute, mit denen ich es besucht habe — in die Drôme würde ich wieder reisen.

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In die Sonne blinzeln ...

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Postkarte von der Ostsee

Woraus Ferien bestehen: aus dem weißesten, weichesten Sand, Sonne auf den Schultern, dem vornehmen Rauschen der Ostsee und Nadelbaumduft. Alles Wichtige ist woanders. Wo komme ich gleich noch her? Muß ich da je wieder hin?

Und ein Stück weiter links die See.
Und ein Stückchen weiter links die See.

Der Nordosten hat mich überrascht, Usedom war wunderschön. Über die mehreren Millionen Marienkäfer konnte ich hinwegsehen — so ein Hut ist eine feine Sache. Ich habe Räucherfisch gegessen, Sterne beobachtet und für alle Fälle die Adressen notiert. Vielleicht sind ja irgendwann mal wieder Ferien.

Nicht sehr rauh, dieses Meer
Ein braver Strand (nicht die Nordsee)

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Postkarte aus Hamburg

Architektenträume
Architektenträume in der Hafencity

Nachts am Hafen

Hamburg ist schick, sieht bei jeder Beleuchtung toll aus. Hambug hat Kultur, Geld, Lebensart. Eine gute Partie.

Wenn diese Stadt lächelt, sieht man ihr gepflegtes Gebiß, o ja, noch das eigene; hier und da sorgfältig wieder hergerichtet. Den Familienschmuck trägt sie gut sichtbar, ist aber auch Modernem nicht abgeneigt. Nur stimmen muß es. So putzt sie sich vor jedem Spiegel, ganz ohne Scheu. Hamburg achtet auf sich.

Auch das Untendrunter kann sich sehen lassen: Fliesen oder Kunst, hell, sauber, unmißverständlich beschildert. Es riecht frisch, nach Effizienz, nicht nach Abenteuer.

Sie muß einen festen Händedruck haben und ein lautes Lachen, womöglich einen Appetit auf deftige Kost. Hat ja viel gearbeitet in ihrem langen Leben. Vielleicht wird man auch mal, wenn man sie gut kennt, an ihre weiche Brust gedrückt und kriegt einen Grog gegen die Kälte.

Aber sicher nicht beim ersten Mal. Eineinhalb Tage sind ja auch keine Zeit.

Dann man auf Wiedersehen, Hamburg.

Planten und Blomen ist nicht dasselbe,
Regenpause in Planten un Blomen
wenn man über die Hecken gucken kann
Der Fernsehturm: Restaurant geschlossen