30 bunte Tassen — die dritte

Prilblume vor der Abreise
Prilblume vor der Abreise

Diese Tasse wird heute verreisen.

Ihre Anfänge liegen im Dunkeln. Gefunden habe ich sie 1996 bei einem Trödler in Marburg, direkt am Lahnufer. Ich fand sie so schön, daß sie gleich zwei Mark teurer wurde. Ich war trotzdem glücklich; den Trödler hingegen gibt es heute nicht mehr.

Ich weiß nicht, wie viele Liter Kaffee sie intus hatte, wieviel Fencheltee und wieviel Rotwein. Sie hat viele geküßt, ist ein bißchen angekratzt, aber noch ganz unternehmungslustig.

Die Luftveränderung wird ihr guttun.

30 bunte Tassen — die erste

Zwar ist der April schon halb um, und ich werde sicher nicht ein Bild pro Tag schaffen, aber Frau Elises Aktion ist einfach unwiderstehlich. 30 Tassen habe ich jedenfalls.

Das ist die erste:

Blaues Wunder
Blaues Wunder

Ein ganz altes Bild, sicher sieben, acht Jahre her. In meiner dritten (oder war’s die vierte?) WG: Immer, wenn ich’s mir leisten konnte, bin ich losgezogen und habe eine dieser Tassen gekauft. Nur die blauesten. Handgetöpfert auf Hof Fleckenbühl; jede sieht ein bißchen anders aus als alle anderen. Daraus haben wir nachts Tee getrunken oder früh Milchkaffee, und nichts weckte so wie dieses Blau im Morgenlicht.

Sechs Stück habe ich heute. Schön sind sie immer noch, und am schönsten: auch spülmaschinenfest. Wie praktisch.

Post! Eine Frühlingslaune

Wer hätte gerne Post?

Laß mir Deine Adresse zukommen, und ich schicke Dir etwas. Was es ist, weiß ich noch nicht. Vielleicht eine Postkarte, vielleicht etwas anderes. Im Zweifel wird es eine Gebrauchsanleitung haben. Ich garantiere weder für Schönheit noch für Wert oder Nützlichkeit; wahrscheinlich kenne ich Dich ja nicht besonders gut. Ich werde die Sendungen jedenfalls dokumentieren und, werweiß, irgendwann hier veröffentlichen.

Versprechen kann ich nichts — sollten zu viele Adressen eintrudeln, schaffe ich’s vielleicht einfach nicht. Das würde ich dann aber hier bekanntmachen.

Achso, doch ein Versprechen: Mit Deiner Adresse werde ich selbstverständlich sonst NICHTS anfangen. Finde ich sie in der Blog-Kommentarspalte, werde ich sie dort schnellstmöglich löschen. Wie ich mich kenne, schreibe ich sie mir auf einen Zettel, den ich dann irgendwann mit vielen anderen durch den Reißwolf jage … Also, keine weiteren Risiken, soweit ich das in der Hand habe.

So. Und jetzt bin ich sehr, sehr gespannt, was passiert.

Mal ehrlich

Als ich heute der Metzgerin im Bioladen sagte, daß sie mir zwar Schwein und Rind in die Tüte gelegt, aber nur Rind abgezogen hätte, war sie baff. So ehrlich, meinte sie, seien aber nicht viele.

Ich habe nachgedacht. Ich würde mich nicht als außergewöhnlich ehrlich einstufen. Aber einen Bioladen betuppen, das fiele mir im Traum nicht ein. Wäre für mich unterste Schublade. Die gleiche Kategorie wie Säuglingen den Schnuller klauen oder blinden Bettlern den Hut ausräumen.

Oder bin ich da übermäßig skrupulös?

Quer zu schlucken: Das neue Qype

Jetzt ist es gut drei Wochen her, daß den überraschten Qype-Nutzern ihre Plattform im neuen Gewand präsentiert wurde. Ich habe lange damit gewartet, mein Urteil zu notieren; zu viel ist immer noch im Umbau, über zu viel ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Allmählich lassen sich aber die echten Neuerungen von den Bugs unterscheiden.

Das ist das eine: eine offensichtlich unerprobte Version (da können sich die Betreiber noch so laut auf „ausführliche Testläufe“ berufen) hinzustellen und dann erst („unter Hochdruck“) die übelsten Fehler zu beheben. Unprofessionell. Ergebnis: verärgerte Nutzer, für die plötzlich einfachste Sachen nicht mehr funktionieren, gestreßte Programmierer, die nicht sachlichen Bug-Reports, sondern Stürmen der Entrüstung gegenüberstehen.

Das andere ist die Art, wie der Neustart geschehen ist. Die verblüfften Qyper wurden plötzlich (donnerstags! Vor dem Wochenende!) von den neuen Farben angestrahlt. Die Ankündigung waren vage gewesen, einiges konnte man in Pressemitteilungen anderswo lesen. Nutzerwünsche wurden so offensichtlich nicht berücksichtigt, daß sich alle, die mit Engagement Verbesserungsvorschläge gemacht haben, grundlegend veräppelt fühlen. Auf die (verständlich) heftigen Reaktionen wurde nicht, vertröstend oder beleidigt reagiert. Scharen von Qypern hopsen winkend und rufend in die Höhe, fühlen sich aber nicht gesehen. Das werden sie dem Hauptquartier nicht so schnell verzeihen.

Qype, das war: eigene Kontakte und neue Gesichter, alte Reviere und neues Land besuchen. Artikel schreiben, lesen und kommentieren. Mt anderen darüber (oder über anderes) diskutieren, hier und da eine gute Empfehlung mitnehmen. Leute kennenlernen, das vor allem. Und zwar auf eine Art, wie ich sie eigentlich nur hier gefunden habe: durch Empfehlungen, durch Schreibstil, durch Scherz und Streit. Das war klasse.

Und jetzt?

Die vielbeschworene „Usability“ des Portals hat abgenommen. Deutlich. Suchmöglichkeiten sind eingeschränkt, lokale Zuordnungen himmelschreiend verkehrt; es ist nur ärgerlich. Gut, daran wird gearbeitet, aber das kann dauern. Das Surfen auf Qype macht jedenfalls kaum noch Spaß.

Auch die angemeldeten Nutzer müssen viele kleine Einschränkungen in Kauf nehmen — zur Genüge angemerkt, beklagt und diskutiert in den einschlägigen Qype-Gruppen.

Es ist beispielsweise komplizierter und zeitaufwendiger geworden, in den Gruppen auf dem neuesten Stand zu bleiben — auf Neuigkeiten etwa wird nicht mehr hingewiesen. Vielleicht soll so etwas den Fokus von Qype weg von der Community hin zu den Beiträgen (und nichts als den Beiträgen) lenken –? Das schmeckt mir nicht; es hat so etwas von pädagogischer Maßnahme: Schön bei dem bleiben, was den Marktwert steigert. — Mein Qype aber ist die Community.

Schlimmer als das: Das Textfeld zum Eintragen der Beiträge ist nur noch halb so breit wie vorher. Faß dich gefälligst kurz! Schließlich sollen die Texte auch auf iPhone-Bildschirmchen passen! — Die schönen, nicht immer sachlichen, auch mal weitschweifigen Artikel sind offensichtlich nicht mehr erwünscht — dabei waren sie es oft, die mir am meisten Spaß gemacht haben.

Wenn ich dann die neue Oberfläche in ihren gesichtslosen Knallfarben anschaue, die Verlosungsaktionen von fragwürdigem Effekt und schließlich das neue Foto auf dem Qype-Blog, dann habe ich vollends das Gefühl, daß man mir hier die Tür aufhält. Ich bin — wie die meisten der präsenteren Qyper — den „goldenen Zwanzigern“ lange entwachsen. Ich rechne mich nicht zur „Generation Fun“, und glatte Marketingnasen grausen mich mindestens so wie Business-Denglisch. Nö, hier passe ich nicht mehr.

Klar, ich könnte mich an die Äußerlichkeiten gewöhnen, die sicher noch befeilt und verbessert werden — wenn, ja, wenn die netten Leute, die interessanten Köpfe blieben. Es werden aber immer mehr, die nach Jahren in der Community ihre Beiträge löschen, die Zelte abbrechen und eine neue Heimat suchen. Das alles geht zulasten des ollen Qype, dessen Marktwert vielleicht steigt, dessen Niveau aber sinkt.

Noch hoffe ich, daß das Qype-Management die Warnzeichen sieht und entsprechend handelt. Wenn nicht, werde ich mich dort auch zurückziehen und zuschauen, wie aus einer richtig netten Sache ein x-beliebiges Bewertungsportal wird.

Wir sehen uns dann in der Neuen Heymat.
Kommt alle! Schreibt! Kommentiert! Habt Spaß!

Sieben Wochen ohne

Karneval ist mein Fest nicht; ich mag nicht nach Kalender fröhlich sein. Köln, Mainz, Düsseldorf und Aachen sind in dieser Zeit für mich No-go-Gebiete. Sehr fasziniert mich zwar die alemannische Fasnet, aber das ist eher ethnologisch motiviert.

Der heidnische Hintergrund der tollen Tage ist mir durchaus sympathisch — Winter austreiben? Böse Geister fernhalten? Nur zu! Bloß ist das für mich nicht zwangsläufig mit Humba-humba-täterä und Alkoholexzessen verbunden. Ich schaffe ein Töpfchen Frühlingsblumen an und wärme mich ein paar Tage lang am Krokusgelb. Naja, lieber doch an gutem Essen. Jedenfalls gönne ich jedem seinen Spaß am Karneval — solange ich nicht mitmachen muß.

Was ich dann aber mitmache, das ist die anschließende Fastenzeit.

Jedes Jahr suche ich mir zwei, drei Dinge aus, auf die ich verzichte: Alkohol vielleicht oder Kaffee, Süßkram, das tägliche Stück Torte; Fernsehen war auch mal dabei, als ich noch ferngesehen habe. Und dann sieben Wochen lang immer schön Nein, danke sagen.

Ich bin beileibe keine Asketin, und mich treibt auch keine Sündenangst. Ich will einfach wieder wissen, wie gut es mir geht.

Zwischendurch ist es manchmal anstrengend: Wenn der Zuckerhunger zuschlägt oder wenn es einfach so schön aussieht, was da auf dem Tisch steht. Bis die Koffeinentzugskopfschmerzen abgeklungen sind. Oder wenn ständig andere Leute fragen: Und du willst wirklich nichts? und mich für meine Entscheidung bedauern zu müssen glauben.

Aber am Ende steht ein gutes Gefühl: Siehste, es geht doch noch ohne! Habe ich dem inneren Schweinehund (Resi heißt meiner) eins ausgewischt. Frei sein von. Und dann wieder voller Freude frei sein zu.

Dieses Jahr steht übermäßiges Surfen im Internet auf meiner Liste. Also, ihr Lieben, wenn ihr weniger von mir lest, dann finde ich vermutlich gerade Zeit für Dinge, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind.

Gehabt euch wohl!

Mehr Sicherheit auf unseren Straßen

Liebe Autofahrer,

es gibt da eine Vorrichtung, die die Übertragung von Gedanken (nicht nur an andere Autofahrer, auch an Radfahrer und sogar an Fußgänger!) ermöglicht. Sie nennt sich Blinker, sie steht in jedem Modell aller Automarken serienmäßig zur Verfügung, und ihre Benutzung hat keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen.

Gell, das war Ihnen neu?

Blinken!
Bitte ausdrucken und aufs Armaturenbrett kleben.

Nur mal angenommen …

Ich hätte da eine medizinische Frage.

Also. Wenn eine Dame im Schnürkorsett (keine „Corsage“ — ich meine so ein richtiges von vor hundert Jahren, mit Metallstäben und -ösen und bebendem Busen) von einem Dolch oder Degen, von mir aus auch einem Federhalter oder was eben ihr eifersüchtiger Liebhaber so zur Hand hat, wenn er sie mit ihrer Affäre — der vermeintlichen oder echten, was weiß denn ich — erwischt, wenn sie also, wohlverschnürt und robust verpackt, von einem Dolch getroffen wird, und zwar (nein, die Dolchspitze ist nicht an einem der Metallstäbchen der Unterwäsche abgerutscht, sondern hat zielsicher ihren Weg gefunden) direkt in die Gegend des Herzens, müßte man dann besagte Dame, wenn man ihr Leben retten wollte, was ja vielleicht der unbedachte Angreifer selbst inzwischen möchte, müßte man sie aus ihrem Korsett befreien, auf dem sich inzwischen ein rasch größer werdender Blutfleck zeigt, oder müßte man gerade dann das Korsett an Ort und Stelle lassen (der Stabilität halber? um die verwundete Stelle nicht in weitere Unordnung zu bringen?), bis der Arzt eingetroffen ist?

Hm?