Sieben Wochen ohne

Karneval ist mein Fest nicht; ich mag nicht nach Kalender fröhlich sein. Köln, Mainz, Düsseldorf und Aachen sind in dieser Zeit für mich No-go-Gebiete. Sehr fasziniert mich zwar die alemannische Fasnet, aber das ist eher ethnologisch motiviert.

Der heidnische Hintergrund der tollen Tage ist mir durchaus sympathisch — Winter austreiben? Böse Geister fernhalten? Nur zu! Bloß ist das für mich nicht zwangsläufig mit Humba-humba-täterä und Alkoholexzessen verbunden. Ich schaffe ein Töpfchen Frühlingsblumen an und wärme mich ein paar Tage lang am Krokusgelb. Naja, lieber doch an gutem Essen. Jedenfalls gönne ich jedem seinen Spaß am Karneval — solange ich nicht mitmachen muß.

Was ich dann aber mitmache, das ist die anschließende Fastenzeit.

Jedes Jahr suche ich mir zwei, drei Dinge aus, auf die ich verzichte: Alkohol vielleicht oder Kaffee, Süßkram, das tägliche Stück Torte; Fernsehen war auch mal dabei, als ich noch ferngesehen habe. Und dann sieben Wochen lang immer schön Nein, danke sagen.

Ich bin beileibe keine Asketin, und mich treibt auch keine Sündenangst. Ich will einfach wieder wissen, wie gut es mir geht.

Zwischendurch ist es manchmal anstrengend: Wenn der Zuckerhunger zuschlägt oder wenn es einfach so schön aussieht, was da auf dem Tisch steht. Bis die Koffeinentzugskopfschmerzen abgeklungen sind. Oder wenn ständig andere Leute fragen: Und du willst wirklich nichts? und mich für meine Entscheidung bedauern zu müssen glauben.

Aber am Ende steht ein gutes Gefühl: Siehste, es geht doch noch ohne! Habe ich dem inneren Schweinehund (Resi heißt meiner) eins ausgewischt. Frei sein von. Und dann wieder voller Freude frei sein zu.

Dieses Jahr steht übermäßiges Surfen im Internet auf meiner Liste. Also, ihr Lieben, wenn ihr weniger von mir lest, dann finde ich vermutlich gerade Zeit für Dinge, die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sind.

Gehabt euch wohl!