
Postkarte quer durch Frankreich

Reisen, so sagt man, bildet. Nach meiner Tour durch Frankreich weiß ich, daß der Rhône ein Mann ist wie der Rhein, daß man in der Franche-Comté die Innenstädte beschallt und daß das Elsaß gleich fünf der schönsten Dörfer, der plus beaux villages de France, besitzt. Ich weiß, daß es Ortsschilder mit einem, zwei oder drei Blümchen gibt, je nach Qualität des lokalen Blumenschmucks. Außerdem habe ich interessant gegessen, gelernt, daß man beim Weinmachen auch nur mit Wasser kocht, und bin wunderbaren, lustigen und erstaunlichen Menschen begegnet. Ob das unter »Bildung« fällt, weiß ich nicht; ziemlich sicher jedoch fällt es unter »Glück«.
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Geistige Abwesenheit
Wie ich es auch dreh und wende: nichts fällt ab für mein Blog, gar nichts. Ausstellungsbesuche und Herbstwanderungen gehen spurlos vorüber; gelesene Bücher, gesehene Filme und gegessenes Essen bleiben irgendwie nicht hängen.
Das kommt zum einen sicher daher, daß das Leben gelebt sein will, ehe es zu Berichten taugt, und daß an manchen Tagen einfach nicht das Licht da ist, um Erlebtes schön und klar zu beleuchten.
Aber vor allem ist es die Unruhe angesichts der aktuellen Ereignisse, die mich immer wieder vom Schreibtisch wegtreibt mit der Frage: Wozu das Ganze? Es gibt Wichtigeres. Daß die deutsche Regierung den beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft hinauszögert, wo noch nicht einmal ein Endlager für den Müll in Sicht ist. Daß Staaten, die geheime Verhandlungen, geheime Gutachten und geheime Absprachen als Entscheidungsgrundlage nehmen (oder eben nicht), auf der anderen Seite ihre Bürger möglichst gläsern wollen (nicht nur im Netz). Daß mein Staat gegen seine Bürger mit Willkür vorgeht — und daß mein Staat noch einer von den besseren ist … So viele Dinge, die mich wütend machen — und wenn ich wütend bin, weiß ich nichts zu sagen.
Also, hier gibt es nichts zu sehen. Gehen Sie weiter. Zum Beispiel zu vera, die in der Tagespolitik den Überblick behält und ihn engagiert weitergibt. Zu Hoeps&Toes, mal einen Blick über den Tellerrand werfen. Zu Wassily und seiner höchst subjektiven Stuttgart21-Berichterstattung. Zum Magister Kraska für den gepflegten Wutausbruch zwischendurch. Oder, wenn sonst gar nichts mehr hilft, gleich zum Ufoport Glufenteich, einem schönen Paralleluniversum voller Kaugummiautomaten, Blechplattenfassaden und Bahnhofsromantik.
Ich melde mich wieder, wenn ich mich beruhigt habe.
Musik drin
Zieh dich aus!
Um Facebook und den damit verbundenen Ärger hatte ich mich bislang nicht weiter bekümmert. Nun sind allerdings ein paar Online-Bekannte dorthin abgewandert. Um sie nicht ganz vom Schirm zu verlieren, entschied mich für den Biß in den sauren Apfel und klickte auf »Registrieren«.
»Facebook ist kostenlos und wird es auch immer bleiben«, steht da zur Begrüßung. Und darunter einzutragen: Vorname, Nachname, eMail, Geschlecht und Geburtstag. »Warum muß ich das angeben?«, dachte ich und klickte auf den gleichlautenden Link am Seitenende. Antwort: »Du mußt dich anmelden, um diese Seite sehen zu können.« Soso. Mach dich hier erstmal nackig, und dann erklären wir dir, wieso. Gaaanz schlechter Einstieg.
Noch schlechter ging es weiter. Schon beim ersten Einloggen auf meinem wenig auskunftsfreudigen Profil (man ist ja nicht gänzlich blauäugig) verlangte Facebook Einsicht in mein Adreßbuch. »Freunde finden« nennt sich das und läßt sich anstandslos überspringen — fürs erste. Software ist hartnäckig, die Frage kommt wieder. Und wieder.
Aber so weit kam es dann gar nicht mehr. Beim zweiten Besuch verlangte Facebook meine Mobiltelefonnummer: »This quick security check helps keep Facebook a community of real people who connect and share using their real identities.« Um zu beweisen, daß ich ich bin, soll ich meine Nummer angeben. Und wenn ich sie nicht hergeben möchte (weil ich keine Werbe-SMS bekommen will)? Wenn ich vielleicht gar keine habe? Der Link »(Or use a different verification method)« ist keiner; der führt nirgends hin.
Also: Tschüß, Facebook. Leg mich zu deinen Karteileichen. Es geht mir nicht nur darum, daß ich meine persönlichen Daten, Informationen über meine Interessen, meine Kontakte und mein Surfverhalten nicht gern frei Haus an einen Konzern liefere, der sein Geld mit Werbung und Datenhandel verdient — Facebook posaunt meine Angaben, wenn ich nicht höllisch aufpasse, auch noch hemmungslos in die Welt.
Sollte ich jemals ein Steckbriefbuch im Netz brauchen, werde ich mir Diaspora anschauen. Dieses Projekt von vier New Yorker Informatik- und Mathematikstudenten könnte eine brauchbare Alternative werden. Noch ist es ziemlich karg — erst seit dem 15. September arbeitet die Open Source-Community daran –, aber es ist einfach Zeit für ein soziales Netzwerk ohne Aufgabe der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten.
Jetzt kommt der Herbst.
Schöne Sachen V
Postkarte aus dem Sommerwald
Es gibt keine schönste Jahreszeit. Auf dem Weg sind sie alle wunderbar, immer wieder.

Die Strecken, die wir im Winter strammen Schritts zurückgelegt haben, tragen uns im Sommer durch verlockenderes Gelände; Wälder stecken voller Rastplätze, zu jedem Bach führt ein Abweg.
Postkarte aus der Hauptstadt
Also bin ich von einem Rand der Republik fast bis zum anderen gereist und war Berlin, ein paar Tage lang. Berlin macht bescheiden — man kann nicht alle treffen, die man treffen möchte, und nicht alles sehen, was es zu sehen gibt. Ich hab noch einen Koffer Ungetanes in Berlin und muß daher gar kein Kupfer in die Spree werfen, um sicher zu sein: Ich komme wieder.
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