Ich fahre Auto nur, wenn ich muß. Ich hasse es, schon beim Ankommen gestreßt zu sein, und an Streß führt mit dem Auto kein Weg vorbei. Im Ernst, lieber als eine Stunde auf der A5 sitze ich zwei Stunden in einem verspäteten Zug — das ist entspannter.
Kürzlich mußte ich eine längere Strecke durch Frankreich fahren, anderthalbtausend Kilometer vorwiegend Autobahn. Seitdem weiß ich, daß Autofahren auch anders geht: ganz gemütlich bei Tempo 130.
Kein kilometerlanges Festhängen hinter LKWs, weil auf der Überholspur ein Raser den nächsten jagt. Keine Manöver mit panischem Rückspiegelblick: huch, eben noch am Horizont, jetzt schon an meiner Stoßstange. Stunden fahren, ohne daß die Laune leidet; sogar für Sehenswertes am Wegesrand sind noch Kapazitäten. Da fängt Urlaub tatsächlich schon auf der Reise an und nicht erst, wenn man den Autoschlüssel gut verkramt hat.
Das Tempolimit hätte ich gern als Souvenir mit nach Hause genommen, aber leider, leider gibt es in Deutschland eine zu starke Lobby für die Raser. Das Recht, ungedrosselt Treibstoff verbrennen zu können, wird gerne zum Menschenrecht hochstilisiert; da sind sich Politiker und Industrievertreter für nichts zu schade. (Hübsch übrigens: Auf der Wikipedia-Seite zum Thema sind die Länder, die kein generelles Tempolimit haben, aufgelistet. Da steht Deutschland zwischen Staaten wie Afghanistan, Libanon, Nordkorea, Somalia, dem indischen Bundesstaat Uttar Pradesh und Vanuatu.)
Der Trostpreis war immerhin ein finanzieller: Im Frankreich-Urlaub hat mein Auto, voll beladen und gut besetzt, im Schnitt einen Liter weniger auf hundert Kilometer getrunken. Bemerkenswert fand ich das, weil ich auch auf den heimischen Autobahnen nur 130 fahre — offenbar macht sich schon die ruhigere, glattere Fahrweise im Verbrauch bemerkbar.
Mein Wunsch: Tempo 130 auf deutschen Autobahnen, bitte! Und wer trotzdem rast, soll zahlen. Das hat sich in anderen Ländern bestens bewährt. Wieso zeigt sich Deutschland auf diesem Gebiet so rückständig?
