Zieh dich aus!

Um Facebook und den damit verbundenen Ärger hatte ich mich bislang nicht weiter bekümmert. Nun sind allerdings ein paar Online-Bekannte dorthin abgewandert. Um sie nicht ganz vom Schirm zu verlieren, entschied mich für den Biß in den sauren Apfel und klickte auf »Registrieren«.

»Facebook ist kostenlos und wird es auch immer bleiben«, steht da zur Begrüßung. Und darunter einzutragen: Vorname, Nachname, eMail, Geschlecht und Geburtstag. »Warum muß ich das angeben?«, dachte ich und klickte auf den gleichlautenden Link am Seitenende. Antwort: »Du mußt dich anmelden, um diese Seite sehen zu können.« Soso. Mach dich hier erstmal nackig, und dann erklären wir dir, wieso. Gaaanz schlechter Einstieg.

Noch schlechter ging es weiter. Schon beim ersten Einloggen auf meinem wenig auskunftsfreudigen Profil (man ist ja nicht gänzlich blauäugig) verlangte Facebook Einsicht in mein Adreßbuch. »Freunde finden« nennt sich das und läßt sich anstandslos überspringen — fürs erste. Software ist hartnäckig, die Frage kommt wieder. Und wieder.

Aber so weit kam es dann gar nicht mehr. Beim zweiten Besuch verlangte Facebook meine Mobiltelefonnummer: »This quick security check helps keep Facebook a community of real people who connect and share using their real identities.« Um zu beweisen, daß ich ich bin, soll ich meine Nummer angeben. Und wenn ich sie nicht hergeben möchte (weil ich keine Werbe-SMS bekommen will)? Wenn ich vielleicht gar keine habe? Der Link »(Or use a different verification method)« ist keiner; der führt nirgends hin.

Also: Tschüß, Facebook. Leg mich zu deinen Karteileichen. Es geht mir nicht nur darum, daß ich meine persönlichen Daten, Informationen über meine Interessen, meine Kontakte und mein Surfverhalten nicht gern frei Haus an einen Konzern liefere, der sein Geld mit Werbung und Datenhandel verdient — Facebook posaunt meine Angaben, wenn ich nicht höllisch aufpasse, auch noch hemmungslos in die Welt.

Sollte ich jemals ein Steckbriefbuch im Netz brauchen, werde ich mir Diaspora anschauen. Dieses Projekt von vier New Yorker Informatik- und Mathematikstudenten könnte eine brauchbare Alternative werden. Noch ist es ziemlich karg — erst seit dem 15. September arbeitet die Open Source-Community daran –, aber es ist einfach Zeit für ein soziales Netzwerk ohne Aufgabe der Verfügungsgewalt über die eigenen Daten.