Nein, ich gehe nicht unter die Foodblogger. Ich bin nur — endlich — Frau Evenaars Rat gefolgt und habe mein allererstes Brot gebacken. Es ging einfach, fast zu einfach, aber das Ergebnis ist sehr beeindruckend.

Wer genug hat von der Weihnachtsbäckerei, einen Bräter und einen Tag Zeit sein eigen nennt, kann mit diesem Projekt ein kleines Küchenwunder erleben. Viel Vergnügen!
Harte Zeiten
Saarbrücken ist keine schöne Stadt, Saarbrücken ist eine Lieblingsstadt. Sie erfreut mein Herz, schafft es, mich immer wieder zu überraschen und immer wieder schrecklich aufzuregen. Und was ich bloß an ihr finde — das kann ich wirklich nicht in einem Satz beantworten.
Ihre überkandidelten Bauprojekte, ihre Großstadtambitionen auf der einen Seite werden auf der anderen aufgewogen durch wilde Kulturblüten, durch Ideenreichtum und ein gekonntes Kokettieren mit dem Verfall. Dem Klein-Klein, dem Filz und der gewinnorientierten Engstirnigkeit stehen gewachsene (teils recht anarchische) Strukturen und Inseln guter Traditionen gegenüber und, naturellement, die potentielle Weite, die so ein Grenzland immer verspricht.
Ich hätte jedem gesagt: Weine nicht, wenn du in Saarbrücken leben mußt — am Anfang ist es häßlich, vergammelt und verbaut, aber es wird dir ans Herz wachsen. Es ist überschaubar, ein bißchen schräg, es hat Herz, es ist tatsächlich schon französisch, und einzelne Menschen und ihre Projekte machen hier einen Unterschied. In Saarbrücken bist du nicht unsichtbar.
Aber in letzter Zeit mache ich mir Sorgen. Die Stadt ist nicht reich, hier fallen sogar die Mieten; in der frisch zubetonierten Innenstadt sieht man Ladenleerstände (verstärkt seit Eröffnung der ECE-Europa-Galerie). Und nun erfaßt es merklich die Seitengassen: viele interessante Geschäftchen und ein paar prägende Große mußten schließen, die kleinen Läden, etwa im Nauwieser Viertel, haben zu kämpfen — keine Luxusumschlagplätze, sondern Geschäfte mit Lebensmitteln und Alltagsgegenständen.
Ich weiß nicht, was da passiert. Brot und Käse, Obst und ein warmes Mittagessen braucht doch jeder? Wo kaufen die Menschen denn ein, wenn nicht in den kleinen Läden in ihrer Nachbarschaft? Als Innenstadtbewohnerin kann ich mir nicht vorstellen, rauszufahren, um womöglich billiger einzukaufen — wo wäre da die Ersparnis? –, aber anscheinend wird es getan. Welches Einkaufszentrum ist einem inhabergeführten Laden überlegen, der auch mal außer der Reihe was bestellt und wo man notfalls anschreiben lassen kann?
Die ersten Lücken in einer ziemlich einzigartigen Viertellandschaft sind da. Vielleicht werden sie von Schuhgeschäften und Friseuren gefüllt oder von Internetcafés; das wird aber kein Wandel zum Guten. Eine Stadt verliert an Lebensqualität, und keiner tut was.
Nachtrag Februar 2012: Im Online-Spiegel hat der Autor Manuel Andrack einen Artikel über seine Wahlheimat veröffentlicht; Schwerpunkt ist das Nauwieser Viertel, das als wohl einziges in Saarbrücken »Kult«- und Gentrifizierungspotential hat.
Mit seinem Merian-Artikel schickt er Touristen in das kleine Viertel; das ist löblich und scheint schon ein wenig von dem Lokalstolz zu zeugen, den viele, auch zugezogene, Saarländer entwickeln. Aber selbst Touristen, die Geld im Viertel lassen, werden es nicht retten. Nicht, wenn die Bewohner nicht mehr im Gemüseladen einkaufen, andere Bioläden aufsuchen, Bücher lieber woanders bestellen.
Unterwegs
Praktisches Kochbuch
Auf dem Bücherflohmarkt fiel es mir auf, weil es keinen Titel trug; es war offenbar neu von Hand gebunden, das Innere geflickt, die Seiten brüchig und sehr gelesen. Also habe ich es mitgenommen, das »Praktische Kochbuch« von Henriette Davidis (1801–1876), in der 18. Auflage von 1873, in der die »im Jahre 1872 gesetzlich eingeführten neuen Gewichte und Gemäße … überall zur Anwendung gebracht sind«.

Dieses Kochbuch war, so sagte man mir, der Klassiker schlechthin und enthält das, was man über hundert Jahre lang als die deutsche Küche bezeichnete; sicherlich mit einem westdeutschen Schwerpunkt, da Frau Davidis im Ruhrgebiet gebürtig war. Im Anhang ist es ergänzt um praktische Hinweise für »Arrangements und Gesellschaften«: beispielsweise »das Jagdfrühstück« (ein herzhaftes Picknick), »Damen-Thee’s« und »kleine freundschaftliche Kaffee’s«.
Was mein Exemplar noch enthält: keine handschriftlichen Ergänzungen, die waren bei Frau Davidis vielleicht nicht nötig; aber Lesezeichen. Zwischen den Fleischsuppen steckte ein Werbeprospekt der Firma Gottlob Widmann & Söhne KG. aus Schwenningen, die Haushaltselektrogeräte herstellte (»Es wird Ihnen viele Jahre nützlich sein!«). In der »Abtheilung Warme Puddings« fand ich den Ausschnitt einer westfälischen Zeitung (November 1982) mit einem Artikel über den Dortmunder Ostenfriedhof, auf dem Henriette Davidis 1876 beerdigt wurde: »Jedes Jahr am 1. März, dem Geburtstag der Davidis, aber steht bis heute eine Terrine auf dem vielbesuchten Grab …«
Weihnachtsmarkt!
Die Nächte werden länger, die Temperaturen fallen, im Lande läuft wenig rund, dafür jede Menge schief — beste Voraussetzungen für ein bißchen Realitätsflucht. Dem Wirklichkeitsgeplagten bieten Städte und Gemeinden zum Jahresende Instant-Idyllen mit Alkoholausschank und Musik wie Zuckerpampe: Weihnachtsmärkte.
Ich bin allgemein keine Freundin von Rauschgoldplastikkram, Süßer-die-Glocken und glühweinbeschwipsten Menschenmassen. Aber es gibt einen Weihnachtsmarkt, den ich mag, nämlich den im Darmstädter Stadtteil Bessungen: Eine Handvoll Buden auf dem Dorfplatz bei der Kirche; hausgemachter Punsch, hausgemachtes Essen, hübsche Dinge von Kunsthandwerkern. Und, wichtig, keine flächendeckende Weihnachtsbeschallung.

Die Budenbetreiber sind aus der Gegend, auch das Publikum ist eher lokal, die Stimmung friedlich, selbst wenn’s nicht schneit. Also, wenn schon Weihnachtsmarkt, dann dieser — da klappt es auch, ein, zwei Stündchen lang, mit der Realitätsflucht.
Der Bessunger Weihnachtsmarkt im Netz
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Auge des Betrachters

Kontinuität

Statt Wegwerfen: Schöne alte Dinge wieder nutzbar machen, ihnen mit Liebe und Sachverstand ihren Wert wiedergeben? Das gefällt mir. Entsprechend erfreut hat mich ein Besuch des Darmstädter Ateliers Continuité, wo die Belgierin Joëlle Massart alte Polstermöbel handwerklich restauriert und natürlich auch Neues gestaltet. Da ich meinem Qype-Artikel keine Bilder hinzufügen kann, hier ein paar Eindrücke.
Nebelschau
Das einzige Wetter, für das es keine richtige Kleidung gibt, ist Nebel. Beim Wandern stört er kaum, sofern er nicht Boden und Bäume schluckt, aber Panorama? Aussichtslos.

Den Donnersberg, der mit seinen 686,5 Metern Höhe über der Pfalz thront, kann man nicht übersehen, egal von wo man sich ihm nähert. Beim Aufstieg verliert er an Größe; alle Wege führen sanft nach oben, nur die letzten Meter zu den Aussichtspunkten muß man über gezackten Fels. Der Blick über das umliegende Hügelland soll spektakulär sein.






