Zwanzig Minuten Aufenthalt am Wiesbadener Bahnhof.
Eierbecher 12: rostige Aussichten
Wind
Postkarte aus dem Museum
Ein Lieblingsmuseum: es stellt Geschichten aus. Da man es nicht fotografieren darf, bleibt es anonym.
Schnappschüsse
All die Leute, die Fotos machen, dachte sie. Von den Sehenswürdigkeiten der Welt und den zufälligen Fremden davor, deren Abbilder sie dann mit nach Hause nehmen nach Castrop-Rauxel oder Kyoto oder Stoke-on-Trent.
Und da kleben sie dann zwischen den Urlaubserinnerungen in Alben, flimmern bei der Videoberichterstattung über Bildschirme: ein Kind, Tauben jagend auf dem Markusplatz. Zwei, die sich am Flughafen tapfer winken. Ein Lächeln aus dem Bild hinaus an einem Marmorbrunnenrand — London? New York? Mannheim am Rhein?
All die Bilder, dachte sie, die ganzen und die halben, über die Erdteile versprengt: vielleicht könnte man mit ihnen sein Leben illustrieren, gemeinsames und getrenntes, an Bahnhöfen, in Museen, beim Einkauf, beim Spazieren —
Dann erschrak sie bei der Vorstellung, auf einem wildfremden Film diese eine Gestalt zu entdecken, die sie unter Tausenden erkennen und die ihr Herz schon vor dem Erkennen springen lassen würde, einen jauchzenden, unhaltbaren Satz ins Nichts.
Dann putzte sie sich die Nase und ließ den Gedanken fallen.
Schöne Sachen XII
Text ohne Bilder
Klick: Der Stockenterich mit seinem schönen Hals droben auf der Mauerkrone im Innenhof; schon zum Sonnenbad zurechtgelegt, prüft er noch einmal die Richtung meines Fensters, ein gelber Augenpunkt auf Grün. Nicht im Bild: Spreizen und Strecken und eine Pirouette vor dem Niederlassen. Auch nicht der Fluß, einen halben Kilometer entfernt.
Klick: Die Gruppe Männer vor dem portugiesischen Lokal, schwarze Schöpfe und knallige Polohemden; mittendrin ein Junge, vielleicht fünf und tränennaß, umklammert den Pfahl des Einbahnstraßenschildes. Die Männer wenden sich ihm zu, lächeln; einer streckt die Hand aus, um ihm den Kopf zu tätscheln, und nickt mir dabei zu. Nicht im Bild: das »Maaaaama, Maaaaaama!« des Kleinen.
Klick: Der Blick Richtung Hafen von einer Atemwolke verschleiert, ein roter Schirm unterm blassen finnischen Himmel, davor ein Schild: MANSIKAT, frische Erdbeeren. Die Marktfrau verkriecht sich tiefer in Schal und Wollmütze; keine Kundschaft, nur ein paar Zentraleuropäer mit Fotoapparaten und in sicherlich zu leichter Kleidung. (Dieses Bild habe nicht ich nicht gemacht.)
Mißgeschicke
Die Kamera ist so alt und hinfällig, ich hätte eigentlich damit rechnen müssen. Jetzt tut sie plötzlich nicht mehr, hat einfach den Dienst quittiert, bei voller Batterie. Und mir fehlt ganz entschieden was. Obwohl ich das ja so lange noch gar nicht mache, das Fotografieren (erst seit den 30 Tassen).
Eine Hoffnung habe ich noch; vielleicht kriege ich sie wieder zum Bildermachen. Vermutlich sowieso nur für ein Weilchen. Aber ich mochte sie schrecklich gern mit ihren fleckigen Linsen, der leicht sandigen Mechanik und ihrer Unberechenbarkeit.
Hastenichgesehn: Eierbecher 11
Damit es keinen Ärger gibt, verrate ich an dieser Stelle nicht, in welchem Museum der Sockel steht, der neben (nagut: hinter) seiner gewohnten Bronze nun auch Eierbecher Nummer 11 trägt. Oder, das weiß ich jetzt natürlich nicht so genau, zumindest für eine Weile getragen hat.

Bei der Bronze handelt es sich um eine Elwedritsche meines Lieblingsbrunnengestalters. Seine Wasser-Spiel-Skulpturen sind ein Ereignis in jeder Stadt und an Aufforderungscharakter unübertroffen.
Die Ausstellung ist klein, aber einen Abstecher wert — und der nächste Spielbrunnen nur 200 Meter entfernt.

Eierbecher 9 und 10
Auch diese beiden, einer mit, einer ohne Gold, reisen nun in Rheingegenden: einmal Nieder-, einmal -knie. Gute Gegenden: aus der einen kommt derzeit der Spargel, aus der anderen stammt die Grillaschtorte.


Allen schöne Feiertage!
















