All die Leute, die Fotos machen, dachte sie. Von den Sehenswürdigkeiten der Welt und den zufälligen Fremden davor, deren Abbilder sie dann mit nach Hause nehmen nach Castrop-Rauxel oder Kyoto oder Stoke-on-Trent.
Und da kleben sie dann zwischen den Urlaubserinnerungen in Alben, flimmern bei der Videoberichterstattung über Bildschirme: ein Kind, Tauben jagend auf dem Markusplatz. Zwei, die sich am Flughafen tapfer winken. Ein Lächeln aus dem Bild hinaus an einem Marmorbrunnenrand — London? New York? Mannheim am Rhein?
All die Bilder, dachte sie, die ganzen und die halben, über die Erdteile versprengt: vielleicht könnte man mit ihnen sein Leben illustrieren, gemeinsames und getrenntes, an Bahnhöfen, in Museen, beim Einkauf, beim Spazieren —
Dann erschrak sie bei der Vorstellung, auf einem wildfremden Film diese eine Gestalt zu entdecken, die sie unter Tausenden erkennen und die ihr Herz schon vor dem Erkennen springen lassen würde, einen jauchzenden, unhaltbaren Satz ins Nichts.
Dann putzte sie sich die Nase und ließ den Gedanken fallen.