Auf der Strecke das Aufatmen, das In-Tritt-Kommen. Der Weg ist gut; seine Beschilderung läßt nichts zu wünschen übrig, und doch muß man ihm Aufmerksamkeit schenken. Die Gedanken fliegen nicht mehr so und bleiben in Sichtweite.
Septemberlicht. Brombeeren und Haselnüsse. Trauben sind noch nicht reif. Und mehr Eichhörnchen, als ich zählen kann. Ich habe es nicht geschafft, keinen Fotoapparat mitzunehmen, aber ich habe ihn kaum benutzt. Wege lassen sich nicht festhalten. Wie ich weiß, eigentlich.
Ich gehe allein. Das habe ich lange nicht gemacht, und ich genieße es, weder Rücksicht nehmen noch mich getrieben fühlen zu müssen. Außerdem bin es so nicht ich, die man kilometerweit durch den Wald hört: »… dabei war dat reiner Zufall, dat ich dem begechnet bin, und dann sacht der doch tatsächlich zu mir, is denn dat die Möchlichkeit, sacht der …«
Begegnungen sind allerdings selten; einige Goretex-Gruppen, wenige Paare und nur eine Einzelne ohne Rad oder Hund. Sie steht an einem Aussichtspunkt, reglos, die Hände auf den Hüften, und schaut still in die Ferne. Wir nicken uns kurz zu. Wie schön, denke ich und meine dabei ihre Versenkung und nur ein bißchen die Aussicht.
Ein paar Kilometer lang drehe ich Käfer wieder auf die Beine. (Weil ich erwachsen bin, nur die, die noch zappeln.)
Zwei-, dreimal der Punkt, an dem ich nach nicht enden wollendem Aufstieg erwäge, mich auf dem Weg fallen und vom nächsten Radler überfahren zu lassen. Gut, daß es so viele Radfahrer hier nicht gibt; das Brennen in den Lungen läßt bald nach, und weiter geht’s.
Wenn vor mir in der Senke ein Kirchturm auftaucht und ich durch Wiesen und Felder allmählich den Ort erreiche, muß sich das anfühlen wie zu Seumes Zeiten.
Auch das wie bei Seume, Eichendorff & Co.: die frischen Gesichter, das Lächeln der Kellnerinnen in Cafés und auf Terrassen, wohlgestalt und freundlich allesamt, und jedes stille Wasser eine Offenbarung. Man kann sich die Welt schöngehen.
Doch ach!
Einen Tag nur und einen halben Weg, dann muß ich dem Regen mit dem Zug davonfahren. In der Bahn schon packt mich das Wanderweh. Die Stubenluft fühlt sich verkehrt an. Ich bin noch lange, längst nicht sattgelaufen.