Untergrund

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bn-uni bn-uni-zierIn den Frühling gehts nach unten: U-Bahn-Station Universität; die Fliesen, die Decken, die Zierelemente sind so grün, wie Beton nur sein kann. So würde man Kinder- oder Krankenzimmer streichen. Darin tanzt einer kichernd vor seinem Spiegelbild, hängengeblieben in irgendeinem Rausch.

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Nicht Lapislazuli und Sommerhimmel nicht, nicht Kornblume noch Meer: schnellhefterblau das Juridicum, als Anzugfarbe längst nicht mehr modern. Kein Mensch hier unten. Tintenfleckig taucht man wieder auf.

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Am Bundesrechnungshof dann keine schwarzen, keine roten Fliesen: oh, das Orange von sommerlichen Dottern, von Pyramiden glänzender Apfelsinen, alle, und das finde ich besonders hübsch, nicht ganz gleich im Ton. Ich denke an die Rührschüsseln, die ich als Kind ausschlecken durfte; untrennbar ist dieses sonnige Orange für mich mit Kuchenteig verbunden.

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Nichts bereitet vor auf das Braun unterm Museum Koenig; Schokoladenkeks, wenn man freundlich schaut. In jedem Fall ein Rücksturz in die Siebziger. (Oben im Museum haben sie einen ausgestopften Kakapo, diesen neuseeländischen Papageien, flugunfähig und von der heutigen Welt so sehr bedroht, daß seine Existenz ein teures Wunder ist: Über jedem Kakapo-Gelege wacht heute ein Vogelkundler und wärmt die Eier, wenn die Mutter mal das Nest verläßt; jeder überlebende Vogel trägt einen Sender und einen Namen … Als wolle die Menschheit alles, alles wieder gutmachen an dieser Art.)

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Dann aber kommt die Haltestelle an der Museumsmeile, und die strahlt. Man wähnt sich im Inneren der Packstation: Butterblumengelb, und auch so glänzend. Wie lange man wohl bleiben müßte, um verrückt zu werden?

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Das werde ich nicht herausfinden. Draußen lockt ein Museum mit einer Ausstellung über den Rhein, und es lockt der Rhein selbst. Und die Sonne.

 

Wo die Musik wohnt

Wo Robert Schumann, geistig umnachtet, seine letzten beiden Jahre verbrachte, befindet sich heute ein Teil der Stadtbibliothek Bonn: die musikalische Sammlung.

Die Notensammlung.
Die Notensammlung.

Das Haus ist offen; in jeder Hinsicht lädt es ein. Im Erdgeschoß drängen sich Notenhefte, nach Instrumenten und Komponisten sortiert. Es herrscht leise Geschäftigkeit: ein dunkel gekleideter Mann runzelt die Stirn über mehreren aufgeschlagenen Partituren; eine Frau streicht durch die Regale mit der Blechbläserliteratur, ein Mann — schmale Hände, volle Lippen — wendet Seite um Seite einer Flötensonate.
Einige knarrende Stufen höher stehen Zeitschriften, die Musikbibliothek, und zwischen den Bücherwänden ein Konzertflügel. Vielleicht fünfzig Zuhörer finden hier Platz, wenn es Kammermusik gibt. Zwei Nebenräume beherbergen ein kleines Schumann-Museum mit Bildern, Briefen und Urkunden.
Hier ist die Musik zuhause, Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft. Besser hätte sie’s kaum treffen können: ein schöner Ort, der einlädt zum Besuchen und Anschauen.

Postkarte aus der Ex-Hauptstadt

Fortsetzung der Landschaft mit anderen Mitteln.

Bonn ist wie ein in die Jahre gekommener Herr im eleganten Dreiteiler; proper, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Bonn untertreibt gewaltig mit seiner Größe: von der Stadt geht ein unmißverständlicher Kleinstadtgeruch aus; ich erwarte ständig, jemanden zu erkennen. Dabei ist Bonn eine richtig große Stadt.
Ich habe mich natürlich auf der Rheinpromenade herumgetrieben; hängengenlieben bin ich in einer Ausstellung über Exzentriker. Unter dem Titel hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber das heißt ja auch nur, daß ich überrascht war. Der Graubereich zwischen Kult und Kunst wirft viele Fragen auf. Als ich nach viereinhalb Stunden ging, lobte mich der Mann an der Garderobe für meine Ausdauer.

Die Stadt draußen hat der September im Griff; Kastanien klatschen auf die Gehwege, und Spinnweben liegen über trockenem Grün. Vielleicht herrscht hier wirklich ewiger Sonntag. Ich werde es nicht herausfinden.