Der Waldweg ist voll von ihnen; der schwarze Glanz ihrer Flügeldecken fällt ins Auge. Zumeist kreuzen sie den Weg, aber noch viel öfter liegen sie tot auf dem Rücken und zeigen ihre schillerndblaue Unterseite. Hübsch sieht das aus, wie zersprungene Edelsteine.

Beugt man sich zu einem solchen schwarzen Pilger hinab, kann man …
Tag: 13. September 2012
Postkarte aus der Ex-Hauptstadt

Bonn ist wie ein in die Jahre gekommener Herr im eleganten Dreiteiler; proper, aber nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Bonn untertreibt gewaltig mit seiner Größe: von der Stadt geht ein unmißverständlicher Kleinstadtgeruch aus; ich erwarte ständig, jemanden zu erkennen. Dabei ist Bonn eine richtig große Stadt.
Ich habe mich natürlich auf der Rheinpromenade herumgetrieben; hängengenlieben bin ich in einer Ausstellung über Exzentriker. Unter dem Titel hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, aber das heißt ja auch nur, daß ich überrascht war. Der Graubereich zwischen Kult und Kunst wirft viele Fragen auf. Als ich nach viereinhalb Stunden ging, lobte mich der Mann an der Garderobe für meine Ausdauer.

Die Stadt draußen hat der September im Griff; Kastanien klatschen auf die Gehwege, und Spinnweben liegen über trockenem Grün. Vielleicht herrscht hier wirklich ewiger Sonntag. Ich werde es nicht herausfinden.