Mundraub. Und Erntedank

Wo Wald und Feld Seit an Seite über die Hügel ziehen, wo man einerseits Schatten, andererseits Sonne, hie Buchfink und da Lerche haben kann, wenn man Pfade sorgsam wählt und Strecken zurücklegt – da ist der beste Ort. Die beste Zeit: ist jetzt.

Jetzt im knappen Ackerrainschatten nach oben schauen: da hängt der Himmel voller Äpfelchen und kleiner, holziger Birnen. Die Kirschen, dunkel und ein bißchen bitter, sind schon durch; die Pflaumen brauchen noch, und auch die Walnüsse lassen sich noch nicht aus ihren grünen Hüllen lösen.

Hagebutten könnte man jetzt, könnte man das, in Köstliches verwandeln (hätte man doch ein Körbchen dabei!). Auch Quitten wären in den Taschen nur Ballast. Viel leichter, im Vorübergehn an Maiskolben und Trauben zu picken auf dem Weg zum Waldrand.

Dort und an Bahndämmen, das weiß jedes Kind, wachsen die Brombeeren. Sie sind nicht anpflanzbar und nicht käuflich. (Erwachsene vergessen das und gehen in den Supermarkt, um hinterher enttäuscht zu sein.) Brombeerdickicht erfordert lange Arme und ein dickes Fell, und nachher sind die Finger schwarz.

So wird der Wanderweg zum Gang durch eine Speisekammer, links und rechts gesäumt von Herrlichkeiten; genug für alle, wie viele Beine sie auch haben. Jede Frucht macht süße Flecken auf der Seele; jeder Zweig lockt weiter in die Höh. Weit kommt auf diese Art kein Mensch: so, so ungefähr denke ich mir das Paradies.

www.mundraub.org

Hinweis

Ich habe wohl etwas angestellt, oder es ist einfach mal wieder soweit: WordPress mag mich nicht mehr und sortiert alle meine Kommentare als Spam ein. (Es gibt auch noch andere Mucken und Tücken, aber die Unsichtbarkeit meiner Kommentare ist zur Zeit die nervigste.)

Falls ihr nun irgendein Brieflein von mir im Spamfilter findet, holt es bitte raus; vielleicht läßt sich so mein ramponierter Leumund reparieren. Danke!

Berlin. Und der Himmel weint

Ich bin ja nicht aus Zucker, aber das: ausuferndes Tief über Berlin; Regenwahrscheinlichkeit: p=1. Nicht irgendein dahergelaufender Landregen, sondern ein urban-verdichteter, ein Regen aus einem Guß. Asphalt als Seegrund. Da gab es keine richtige Kleidung, nur mehr nasse. Das Wasser zog die Hosenbeine hoch, Schirme wurden unterspült, nach einer halben Stunde unterm grauen Himmel stand es in den Regenmanteltaschen knöcheltief. Und wenn das Wetter vor der Tür geblieben wäre — aber: zum Durchqueren des Hausflurs brauchte man Gummistiefel, später dann Gummiboote; durch ein gekipptes Fenster versumpfte das Sofa.

Lichthofaufblick
Zeigte sich spärlich: blauer Himmel

Die wenigen trockenen Stunden verflogen mit größtem Vergnügen und in allerliebster Gesellschaft. In den Regenpausen habe ich dann die Einspurigkeit der Zeit verwünscht und mir vorgenommen, nächstes Mal a) mehr Tage und b) wirklich ausreichend gutes Wetter einzupacken.