Wo Wald und Feld Seit an Seite über die Hügel ziehen, wo man einerseits Schatten, andererseits Sonne, hie Buchfink und da Lerche haben kann, wenn man Pfade sorgsam wählt und Strecken zurücklegt – da ist der beste Ort. Die beste Zeit: ist jetzt.
Jetzt im knappen Ackerrainschatten nach oben schauen: da hängt der Himmel voller Äpfelchen und kleiner, holziger Birnen. Die Kirschen, dunkel und ein bißchen bitter, sind schon durch; die Pflaumen brauchen noch, und auch die Walnüsse lassen sich noch nicht aus ihren grünen Hüllen lösen.
Hagebutten könnte man jetzt, könnte man das, in Köstliches verwandeln (hätte man doch ein Körbchen dabei!). Auch Quitten wären in den Taschen nur Ballast. Viel leichter, im Vorübergehn an Maiskolben und Trauben zu picken auf dem Weg zum Waldrand.
Dort und an Bahndämmen, das weiß jedes Kind, wachsen die Brombeeren. Sie sind nicht anpflanzbar und nicht käuflich. (Erwachsene vergessen das und gehen in den Supermarkt, um hinterher enttäuscht zu sein.) Brombeerdickicht erfordert lange Arme und ein dickes Fell, und nachher sind die Finger schwarz.
So wird der Wanderweg zum Gang durch eine Speisekammer, links und rechts gesäumt von Herrlichkeiten; genug für alle, wie viele Beine sie auch haben. Jede Frucht macht süße Flecken auf der Seele; jeder Zweig lockt weiter in die Höh. Weit kommt auf diese Art kein Mensch: so, so ungefähr denke ich mir das Paradies.
Aber Schlehen doch nicht jetzt ernten! Da muß doch erst der Frost drüber!
Und übrigens: Brombeeren gibt es inzwischen als Kulturpflanzen. Sie werden angeboten als Sorte ohne Dornen (oder Stacheln?). Nun werden Wildwuchs-Puristen die Nase rümpfen und behaupten, dass natürlich nur wildgewachsene Brombeeren natürlich schmecken – so wie bei den Heidelbeeren. Zumindest bei Brombeeren: Alles Mumpitz, worüber ihr die Nase rümpft, liebe Puristen.
Da rümpfe ich aber mit! Die stachellosen, die großen und prächtigen aus dem Garten, die schmecken nach Wasser. Und süß. Nichts gegen die unregelmäßigen, säuerlichen Bahndammbrombeeren — ich habe gegengetestet.
Ich habe da andere Erfahrungen – und im übrigen bin ich der Meinung, dass die Beeren am Bahndamm – es sei denn es ist eine reine ICE-Strecke – überdüngt sind. Trotzdem: Guten Appetit!
Ich kann Dir ja mal meine Lieblingsbrombeerbahnstrecke verraten. Da garantiere ich Dir: nix überdüngt. Stillgelegt. 🙂
Falls es bei Frau Gerster mal Brombeertorte oder – kuchen gibt, sollten wir mal drüber plauschen.
„…süße Flecken auf der Seele“, das gefällt mir. Zu den Zucht- und Wildbeeren muss ich natürlich meinen Senf beitragen. Was den Garten-Brom- und Heidelbeeren fehlt ist das bisschen Bittere, was diese Früchte im Geschmack haben, diese leichte Bitterkeit macht das Aroma aus und wirkt wie das Salz in der Suppe.
Das Bittere ist es? Das mag sein. Mir schmecken auch die kleinen schwarzen Kirschen, die andere ausspucken wegen bitter. (Und Endivie und Pampelmuse, die richtige.)
Bitter mag ich nicht so, aber ich gebe Lakritze recht: die großen, stachellosen aus dem Supermarkt schmecken wie wässrig, mit wenig Aroma. Zumindest hier in Berlin.