Wieder einmal abgestaubt bei bei Frau Liuea, also gibt es ein weiteres Bild zum Betexten:
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Ganz recht, diesem Bild fehlt die Unterschrift. Wie auch immer die sein mag: bitte in die Kommentare schreiben! Dienstagmitternacht ist Schluß mit Beitrag; dann wird der Pokal wieder in die Runde geworfen. Möge sie eine große sein.
Ist ja nie ganz einfach, und ich habe wirklich gegrübelt. Mir gefiel quercus’ unerwartetes Wiedertreffen (und möglicher Auftakt zum Racheakt), auch für Herrn Bubosdirettissima spricht einiges; man hat ja nicht mehr ewig Zeit. Aber der Roman in Kurzform, der von Herrn Boomerang aus Österreich kam, hat dann doch den Vogel abgeschossen.
„Entschuldigen Sie, dass ich Sie jetzt so unvermittelt und ungestüm anspreche, aber es lässt mir keine Ruhe: Waren Sie neulich auch schon mal da?“ „Hach, das ist… also… Ich habe mir das schon letzte Woche gedacht. Aber wissen Sie, als ältere Dame einen Herren im besten Alter einfach so von der Seite… Hihihi, dann habe ich mich also nicht getäuscht. Das freut mich.“ „Freitags ist es hier am schönsten, finde ich. Gleich am Morgen. Der Gärtner macht nämlich Donnerstags am Abend seine Runde, dann ist der Rasen noch ein bisschen grüner.“ „Oh, sie haben einen Blick fürs Detail, das merke ich schon. Das sieht man auch an Ihrem Stock, elegant.“ „Mahagoni. Den hatte mein Großvater schon, sowas würde man heute ja verbieten! Ein Familienerbstück sozusagen. Meine kleinen Fingerchen haben ihm diesen Gehstock immer wieder nachgetragen, wenn er ihn vergessen hatte. Er hat ihn ja gar nicht gebraucht. Und wissen Sie was? Ich hab ihn auch nur aus Tradition bei mir. So hab ich meinen geliebten Opa immer an der Hand. Fast schon kindisch, auf meine alten Tage. Bin ja schon selbst 3-facher Großvater.“ „Familie ist was schönes. Wenn man eine hat.“ „…“ „…“ „Sagen Sie nicht…“ „Der Lauf der Zeit…“ „Hmmm. Finden Sie nicht auch, dass es an der Zeit wäre, für einen guten Tee?“
Liebe, Drama, dunkle Vergangenheit! Könnte ein Krimi werden, ein Lebensratgeber oder ein Roman in Adelskreisen – alles drin. Darum geht der Digitalpokal wieder einmal nach Wien; da wird er’s gut haben, da gibt es nämlich Schnuck.
Ich danke allen, die mitgemacht haben, und hoffe, man sieht sich wieder beim
im benachbarten Ausland!
Nachdem ich bei Frau Liuea den Freitagstexter-Pokal eingesackt habe, für ein schattiges Tattoo, wähle ich für den dieswöchigen Freitagstexter das Gegenlicht und werfe folgendes Bild in die Runde:
[Hier fehlt doch was?!]
Kommt und textet in Scharen! Wüste Geschichten, obskure Zitate, fromme Sprüche – alle sind willkommen; Ruhm und Ehre winken und ein schöner virtueller Pokal; und das Kleingedruckte: eine mögliche Konsequenz ist, den nächsten Freitagstexter ausrichten zu müssen.
Wie üblich: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde. Am Dienstag wird in den mitternächtlichen Hut gegriffen und willkürlich, aber zielsicher die allerallerschönste Bildunterschrift herausgefischt.
(Das ist die volle Größe, das Bild stammt aus einer Zeit, als es im Internet noch eng und gemütlich war und alles etwas kleiner sein mußte. Tut mir leid.)
Daß es ausgerechnet der heißeste Tag des bisherigen Sommers werden würde, konnten wir nicht ahnen, als wir uns verabredeten. Und nun? Versprochen ist versprochen, sagt Herr G. Gehen wir halt ein Stündchen früher. Im Schatten, durch Bachtäler.
Der Bahnhof heißt Blankenheim Wald, das klingt gut, aber um halb acht steht die Hitze bereits auf den Bahnsteigen. Empfangskomitee. Schweißgebadet schauen uns ein paar Arbeiter aus ihrer Baugrube nach, als wir Richtung Wanderweg stiefeln. Jadoch, wir sind freiwillig draußen.
Rastplatz am Bach. Überraschenderweise nicht kühl.
Raus aus dem Ort wirkt es still und seltsam unbelebt. Die Wegränder blühen, aber in den weißen Dolden zeigt sich kaum ein Insekt. Eine riesige smaragdfarbene Heuschrecke läuft einen Fichtenstamm hoch, ich höre ihre Widerhakenfüße in der Rinde. Der Wald, Überraschung, spendet keine Kühle, nichts. Trocken wie Zunder, sagt Herr G.
Inzwischen ist es zehn und ernstlich heiß. Bei einer Schutzhütte schauen wir in den „Erdkühlschrank“, Getränkeflaschen in einem Loch im Boden (mit Vertrauenskasse), aber auch die stehen nicht mehr feucht. Alle Schnecken, die wir auf dem Weg sehen, sind zu Fragezeichen zusammengeschmurgelt.
Es geht sich anders. Das Spiel von Hitze auf den Feldern und Kühle im Wald, vertraut wie Licht und Schatten, funktioniert nicht. Was im Unterholz grünt, läßt die Blätter hängen; ein runder Teich im Wald, nach Schild: ein Bombentrichter, ist fast trockengefallen. Vom Morast am Grund nippen Singvögel. Auch wir nehmen alle paar Kilometer die Trinkflaschen heraus; so viel habe ich noch nie getrunken auf einer Wanderung. Noch ein paar wenige solcher Sommer, sagt Herr G., und die Rotbuchenwälder sind hin. Die brauchen eine Mindestregenmenge. Um die Fichten ist es nicht schade; nur: mit was wird da wohl aufgeforstet werden?
Einmal höre ich ein Summen, fast wie entfernte Bienen. Ich zupfe Herrn G. am Ärmel. Als wir stehenbleiben, hört das Summen schlagartig auf. Wir gehen weiter, es summt wieder: Tausende, Abertausende winziger brauner Fliegen steigen von der Waldwegböschung auf und schwirren ein paar Millimeter über dem dürren Moos. Sobald wir uns nicht mehr bewegen, fallen sie ins Gestrüpp zurück. Das kennen wir beide nicht; der Ton begleitet uns einige Kilometer.
Wir kehren bei der erst-, der zweit- und auch bei der drittbesten Gelegenheit ein. Eine davon ist die einstige Prämonstratenserabtei Steinfeld, wo die geschäftstüchtigen Katholiken einen Handel mit Kaffee, Kuchen und Ratgeberliteratur jeglicher Couleur betreiben. Besinnlichkeitskommerz, knurrt Herr G. mit Blick auf Kunstharzengel und Kerzenständer, während wir ein belegtes Brot essen.
Später in der Kirche bin ich mit allem versöhnt, beinahe sogar mit dem Klostergarten, der komplett als Parkplatz gepflastert wurde. Die Potentinus-Kirche ist ein wunderschöner, freundlicher Raum, und dazu noch kühl.
Der Heilige Hermann Joseph.
Noch später, da haben wir Kirche und Kloster längst hinter uns, zieht sich’s zu. Von Westen sind Gewitter angesagt, und ehe wir Kall erreichen, hören wir es grummeln. Mit dem Zug fahren wir dem Regen davon.
Der schönste Blick der ganzen Wanderung.
Es waren, lesen wir später, über vierzig Grad nicht allzu weit von unserer Wanderstrecke.
Auf dem Foto kniest du lächelnd vor üppigen Blumen, und auf deinem kahlen Schädel steht „Danke“, in Zahnpaste, Farbe wollten wir nicht riskieren. Ich weiß, wie wir einen Schattenplatz für dich suchten; wie ich mich beeilte, um dich nicht anzustrengen, und doch alle Buchstaben ins Bild bekam. Das Foto sandten wir, denn zum Telefonieren warst du zu erschöpft, an Freunde. Ein paar Tage später stiegen die Libellenlarven aus dem Gartenteich und hinterließen an jedem Halm ihre leeren Hüllen; das konnte ich dir nicht mehr erzählen.
Solche Erinnerungen ballen sich wie die Kohlensäure im Wasser, überraschende Einschlüsse im Alltag, kommen hoch und halten sich ein wenig unter der Oberfläche, schimmernd, und vorbei.
66430 Bürgerinnen und Bürger hatten im April die Tempo-130-Petition der Evangelischen Kirche unterzeichnet. Was daraus geworden ist? Erstmal nix: ein „generelles Tempolimit auf Autobahnen sei ein rückwärtsgewandtes Instrument“, habe sich bei der öffentlichen Anhörung der Staatssekretär des Verkehrsministeriums geäußert. Das ist ähnlich gescheit wie „gegen jeden Menschenverstand“ (Verkehrsminister Scheuer).
Enttäuscht hat mich nicht allein das Ergebnis (das war erwartbar), sondern vor allem die geringe mediale Aufmerksamkeit, die der Sache zuteil wurde. Diese Diskussion muß über kurz oder lang geführt werden; warum aufschieben?
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Es wird künftig einen hübschen Beruf weniger geben auf der Welt: die lateinischsprachigen Nachrichten des finnischen Radios werden eingestellt. Hier das Schlußwort:
Nuntii Latini Radiophoniae Finnicae Generalis, qui inde ab anno millesimo nongentesimo undenonagesimo (1989) iam triginta annos septimanatim emittuntur, post hanc emissionem finiuntur et decreto moderatorum radiophonicorum post ferias aestivas non continuabuntur. Auscultatoribus, quorum grex ad omnes orbis continentes amplificatus est, propter fidelitatem gratias quam maximas agimus et valedicimus.
Mosel muß, sage ich, und Herr G. stimmt zu. Aber vor der großen Hitze, wenn’s geht. Man ist ja keine Eidechse.
Als wir losziehen, ist Regen angesagt. Wir haben Schirme mit. Durch Trier brauchen wir eine Stunde, teils aus Schusseligkeit, teils, weil wir noch die Porta Nigra angucken. Daß Napoleon die nicht abgerissen hat, wundere ich mich. In die Basilika, sagt Herr G., hat er Pferde gestellt. Und Zwischenböden eingezogen, damit mehr hineinpassen. Naja, ist ja alles noch mal gutgegangen. Wir betrachten die barocken Schnörkel, mit denen das alte Tor mal zu einer Kirche zurechtgefräst worden war; die haben auch nicht geschadet.
Aus Trier raus ist es ungemütlich. Wir gehen bergauf an einer dicht befahrenen Straße entlang; das schlägt direkt auf die Laune, und wir sind froh, als wir endlich in die waldigen Hügel finden. Die Anspannung des Fußgängers in einer Autowelt bemerken wir erst so richtig, als sie abfällt.
Mosel, Saar, Sauer.
Dann ist der Weg Weg. Einfach Schritt auf Schritt; mal steigend, mal bergab, immer wieder mit schönen Sachen zu sehen. Die Erinnerung löst sich von den Straßen und gefährlichen Querungen und knüpft sich an Aussichten, die Hummelragwurz am Wiesenhang, eine Spitzmaus im Wegegrün, den Geocache, den wir aus Versehen finden. Wie jedes Mal staunen wir, wie schnell wir raus sind aus dem Täglichen; wie immer sind wir uns einig: das müßte man sich viel, viel öfter gönnen.
Und nun: Konz. Hier mündet die Saar in die Mosel, das Tal ist fruchtbar und freundlich und besiedelt seit der Steinzeit. Kann man verstehen, sagt Herr G. Aber die Straße in den Ort hinein zieht sich; wir folgen langen Unter- und Überführungen, queren Verkehrskreisel und kommen an drei Bahnhöfen vorbei. Eine Orgie von Verkehrswegen. Dazwischen kauern halbe und viertel Häuserzeilen aus verschiedenen Epochen, die man vergessen hat abzureißen. Je weiter wir reinkommen, desto moderner und massiver werden die Wohnblöcke; heutige Insulae, auf Parkplätzen und über Garagen errichtet. In Konz wird geklotzt, nicht gekleckert. Erschöpft wanken wir in ein Café. Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Palast des Kaisers Valentinian.
Fündig werden wir einige Verkehrskreisel später auf einem Friedhof. Da ragt ein Mauerstück der Therme zwischen den Gräbern, ein Zahnstumpf aus Ziegelsteinen. Beim Bau einer Kirche wurden die Reste des Palastes entdeckt und erschlossen. Die Kirche ist ein Betonzelt mit Aussicht; drinnen steht die Orgel wie ein Chor Engel mitten in der Gemeinde.
Draußen aber ist ein Mauerbogen aufgebaut. Hier muß die äußere Palastmauer gestanden haben, und als wir herantreten, sehen wir endlich etwas: die Hügel, die sich um die Flußmündung zum Tal weiten, Siedlungen und Ackerland, hingebreitet wie ein Picknicktuch, Spielzeug für den Kaiser. Es ist schwer, den Blick davon zu wenden. Und das finde ich dann doch bemerkenswert, daß vom ganzen Palast nur die Aussicht erhalten geblieben ist.
Hinter Konz gibt es dann noch ein Stürmchen und Regen, später Pferdesteak und ein Glas Viez im Trockenen.
Das wär was. Da warte ich schon lange drauf und würde mich freuen wie ein Schneekönig, wenn wir das endlich auch hätten: ein generelles Tempolimit. Sah nicht danach aus, nachdem es zu Beginn des Jahres vom aktuellen Verkehrsminister reflexhaft vom Tisch gewischt worden war; aber immerhin: nicht alle Bürger dieses Landes sehen im Rasendürfen ein Kulturgut.
Es gibt eine Petition für 130 auf deutschen Autobahnen. Wenn die bis zum 3.4. fünfzigtausend Unterzeichner findet, dann muß immerhin mal im Petitionsausschuß drüber geredet werden. Und vielleicht kriegt dann auch die CDU/CSU mit, daß freie Fahrt nicht mehr der alleinige Lebenszweck freier Bürger ist.
Ich würde mich wirklich freuen – ein kleiner Schritt, um die größte ökologische Fehlentwicklung der Zivilisation rückgängig zu machen. Dann bitte weiter: Autos raus aus den Städten, Parkplatz zu Wohnraum. Dienstwagen abschaffen. Pendlerpauschale für Öffentliche, Fahrrad und Fußweg. Raumplanung für Fußgänger. Und so weiter. Man könnte echt was draus machen.