Die Nachrichten jagen einander und bereiten derzeit mehr als üblich Schmerzen, und lieber heute als morgen zöge ich ganz hinter den Mond. Doch Rettung kommt aus Helsinki: das finnische Radio Yle bringt Nachrichten auf Lateinisch, zum Hören und zum Nachlesen im Netz.
Der Latinist Tuomo Pekkanen und sein Kollege Reijo Pitkäranta vollbringen das kleine Wunder, aktuelles Weltgeschehen in lateinische Vier-Minuten-Beiträge zu verwandeln, die einmal pro Woche wunderschönst und mit schnarrendem Akzent verlesen werden. Das Alter der Sprache merkt man den Nachrichten nicht an; die Redakteure schaffen es, auch unhandliche Modernitäten plausibel zu übersetzen.
Es klingt beruhigend, man versteht angenehm wenig, und selbst wenn es heißt: Trump Obamam accusat, kann man sich vorstellen, man säße in der Schulbank, gleich wird es klingeln, und man darf hinaus, in die Sonne.
Wärmste Empfehlung: Nuntii Latini vom finnischen Radiosender Yle.
Das ist fantastisch! Ich will auch Nachrichten auf Latein hören, oder wie du hinter den Mond. Bonum idea!
Für so einen herrlichen Unfug (oh, nutzlos im schönsten Sinn der Sache) habe ich ein Herz.
Oh, ich auch! Intelligenter Humor ist das Beste, kommt aber nur selten vor. 😉
Leider habe ich nicht einmal das kleine Latinum.
Mh, mit Meßdienervergangenheit klingt das vielleicht auch alles noch mal ganz anders …
Danke für diesen Link, so gelacht habe ich über üble Nachrichten noch nie !
Jede Absurdität der Geschichte paßt in eine lateinische Konstruktion, ist das nicht schön?
Ich fand schon bei Caesar bewundernswert mit wie wenigen Worten sich dramatischste Sachverhalte auf Latein lapidar formulieren lassen, wo das arme Schülerlein auf deutsch mit verschachtelten Nebensätzen ringt.
herrlich gelacht habe ich grade. man sollte doch einmal öfter den standpunkt ändern und dinge aus der anderen position betrachten.
ich danke dir für diesen lichten moment zwischen all dem grau. 🙋😁 liebgrüß
Ich finde auch, da beschäftigt sich mal jemand mit den wichtigen Dingen und benutzt die aktuellen Nachrichten dazu, Latein zu verbreiten. Ein dreifaches Hach!
Sehr schön, kann ich mal wieder üben. Gallia est divisa in partes tres, quarum unam incolunt belgae. So oder zumindest so ähnlich begannen die „Nachrichten“ in der Schulzeit.
Und wie das klingt! Gerolltes r, korrekte Vokal- und Konsonantenlängen — so schön hörte sich das in der Schule nicht an.
Tja, das Finnische hat ein schön gerolltes r
Die spinnen, die Finnen! – ?? – – Keineswegs, Nachrichten in Latein wirken geradezu diätetisch.
Und wenn zwischen den Nachrichten Musik erklingt, sagen wir Elvis in Latein, gesungen von Jukka Ammondt, dann wird aus „It’s now or never“ eben „Nunc hic aut numquam“.
Kann man im Internet geniessen.
Ungewöhnlich? Keineswegs, schliesslich singt M.A. Numminen ja auch Wittgenstein.
Hach! Ich fand auch gut, daß der Redakteur lateinische Texte für eine Jazzband schreibt. Und Numminen ist sowieso, naja. Numminen.
Tolle Idee das. Danke dir!
Es tröstet enorm, daß es Leute gibt, die so etwas machen. Geht in Richtung Kunst, finde ich.
Früher war mehr AcI, Gerundium und Gerundivum.
O-ha!
Einen AcI hatte ich entdeckt; aber klar, das Latein ist geradlinig.
Haha, ich bekomme gerade den Hinweis: viele Gerundiv-Konstruktionen, sogar mit Vorzeitigkeit, und indirekte Rede; also durchaus anspruchsvoll.
Der Lehrstuhl für Altphilologie der Universitas Saravipontana (vulgo Saarbrücken) pflegt unter dem Titel Vox Latina auch eine wunderschöne Webseite, teilweise auch „audibile“:
Videte hic: http://www.voxlatina.uni-saarland.de
Hihi! Sehr schön. (Die Fabeln sind entzückend.) Danke für den Hinweis; ich kannte das gar nicht. (Latein als Wissenschaftssprache wär doch wieder was, jetzt wo die Amerikaner keine Wissenschaft mehr finanzieren …)
Das kommt gerade recht in Zeiten des Nachrichtenüberdrusses. Es hat mir immer leid getan, nicht Latein gelernt zu haben, aber so ist es es auch gut das meiste nicht zu verstehen. Danke für diesen Hinweis.
Der finnische Latinist zumindest behauptet, Latein sei sehr viel einfacher als Finnisch (das glaube ich sofort), und es würden auch weit mehr Menschen Latein sprechen als Finnisch (da weiß ich nicht recht, aber die Vorstellung ist hübsch).
Finnisch und Ungarisch halte ich für unlernbar, es sei denn, man ist dort geboren.
Diätetisch bei Nachrichtenüberdruss, wie in Kommentaren bereits erwähnt, scheint mir treffend zu sein. Ich klicke mich bei zu viel an Nachrichten aus der elektronischen Zeitung, im (Internet-)Radio zu einem anderen Sender. Künftig werde ich auch mal zu Radio Yle klicken!
Danke für diesen erfrischenden Beitrag,
FEL!X
Danke fürs Vorbeilesen. Und viel Spaß mit den Finnen!
Diese Hyperboreër wieder… 🙂
Zuviel Zeit und seltsame Hobbies. Hach!
Wie klasse ist DAS denn!!!
Als junges langes Latinumdingelchen verliebte ich mich in einen Grenoblefranzosen. Er konnte weder Deutsch noch Englisch, ich kein Französisch- also unterhielten wir uns radebrechend aber alles Nötige verstehend auf Lateinisch! Eine Freude, die mir unvergessen bleibt!
Oooooh! Allein für diese schöne Geschichte hat sich der Blogeintrag gelohnt. Das ist ganz wunderbar, danke!