Waldwegrätsel, wieder mal

Durchgefärbt.
Durchgefärbt.

Leider haben wir den Baum dazu (ich stelle ihn mir blau vor) nicht gefunden. Der Ast hatte die Größe eines Stöckchens für einen Dobermann, war offensichtlich morsch und in Zyan durchgefärbt. Kennt das jemand? Ich habe natürlich einen Pilz in Verdacht; alternativ ein Enzym in Dobermannspeichel oder Außerirdische.

(Im Netz findet man mit entsprechenden Suchbegriffen viel Holzspielzeug …)

Update: Danke, liebe Kommentarspalte! Es ist wohl, was der Grünspanbecherling von befallenen Ästen übrig läßt. Das verfärbte Holz soll früher für Intarsien verwendet worden sein.

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Zu Fuß flüchten

Herr G. will Lahn. Der Weg ist lange noch nicht ganz gegangen, und letztes Mal war’s Herbst. Also auf nach Bad Ems, und weiter, weiter!

Zum Reinlaufen schön.
Zum Reinlaufen.

Bad Ems muß schön gewesen sein, wurde aber in den fetten Zeiten modernisiert. Aus dem abwaschbaren Bahnhof geht es über die Lahn und weiter zu den romantischen Westerwaldhöhen, die schon Goethe-Freund Lavater beeindruckten. Hinauf werden wir durch ein Parkhaus geschickt. Hätte Lavater dieses Treppenhaus gesehen, er wäre anderswo spazieren gegangen.

Hoch überm Fluß ist es dann …

Dorfrandblume

Rätselgewächs ...
Rätselgewächs …

… widersetzt sich meinen Bestimmungsversuchen. Steht scharenweise in dreißig Zentimeter hohen Stengeln auf den sonnigen Hangwiesen am Ortsausgang, gesehen auf der Rheinhessenwanderung Mitte April.

Kennt die vielleicht wer?

 

Nachtrag:

Das Rätsel ist gelöst dank goldamsel, Philipp1112 und Arabella: es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Nickenden Milchstern, der zu den Stinzenpflanzen zählt, also den Überbleibseln aus ehemaligen Gärten und Parks.

Lest mehr Blogs! Bloggen unterhält, erfreut & bildet!

Siegen

Bilder nach der Wahl zeigen strahlende Gesichter, hochgerissene Arme, Sekt. Siegerposen wie im Sport.

Warum? Wer eine Wahl gewinnt, hat noch nichts geleistet. Er bekommt zu tun: muß sich mit allem, wirklich allem befassen, und fundiert; muß im Entscheiden immer irgendwen vergrätzen, nicht zuletzt sich selbst; weiß nie, wer gefährlicher ist, Freund oder Feind. Schöne Arbeit ist das nicht und, so heißt es, nicht einmal besonders gut bezahlt.

Wer diese Bürden tragen soll, müßte vielmehr gedrückt sein. Alle Kräfte sammeln, mit ernster Stirne gegen den Wind. Den Mantel fester um sich ziehen, daß er nicht flattert. Den Rücken gerade und weit, weit schauen.

Armer schwarzer Käfer

Waldmistkäfer findet man oft mehr oder minder tot auf dem Rücken liegend. Das ist nützlich fürs Fotografieren und sonst recht rätselhaft. Hier habe ich ein Exemplar entdeckt, das ebenfalls stillhielt – bizarr aufgespannt, die Flügel in Zeitlupenbewegung.

Still, starr - bewohnt?
Still, starr – bewohnt?

Genau betrachtet findet sich auf der harten Flügeldecke eine Beule, die an Parasiten denken läßt, die ja gelegentlich ihre Wirte zu seltsamem Verhalten zwingen; aber hierzu habe ich nichts Näheres finden können.

Schlangenfrage

schlange schlange2
… da war sie auch schon wieder weg. Keine Schleiche, sondern ein fingerschmales Schlängelchen; für eine Ringelnatter fehlt ihm aber der gelbe Nacken. Weiß irgendwer mehr darüber als ich?
Und wieder hat meine fabelhafte Kommentarspalte das Rätsel gelöst: es ist eine Schlingnatter (Coronella austriaca), hat Azestoru herausgefunden (auch wenn er sie offenbar noch nie gekocht hat!), und bestätigt hat’s Mannigfaltiges nach Augenschein — vielen Dank!
 
 

Vom Stapel

Frau Sachensucherin vom äußerst lesenswerten Doppelblog fragt, was ich denn so vorhabe: fünf Bücher, die ich als nächstes lesen will.
Das ist schön, denn die Vorfreude auf das, was mich zwischen Buchdeckeln erwartet, ist eine meiner liebsten. Und schwierig, denn: vor habe ich viele Bücher, aber es kommt gerne was dazwischen (meist andere Bücher). Und es ist schwierig, über Bücher zu schreiben, von denen man noch gar nichts weiß. Klappentexte, übrigens, ignoriere ich aus Prinzip.
Also zu meinem Stapel der Bücher-die-ich-unbedingt-lesen-will (da sind Bücher-die-ich-bestellen-will, Bücher-die-ich-in-der-Buchhandlung-abholen-muß und die bislang ungeschriebenen gar nicht dabei …). Et voilà …

Nein, kein Verständnis.

Für tagespolitische Themen taugt mein Blog nicht; das können andere bedeutend besser als ich. Dennoch folge ich dem Appell von Bloggerin Sherry. Sie hat recht — wir denken ja nicht alle so; das sollten wir zeigen. Und: wenn ich schweige, setze ich dem Wahnsinn nichts entgegen.
Das Wort Islamisierung sagt mir nichts. (Zu Christianisierung fiele mir mehr ein, aber das würde hier zu weit führen.) Die Forderungen der Leute, die gegen eine „Islamisierung“ auf die Straße gehen, machen mich fassungslos.
Warum Angst vor Fremden? Wer sind die überhaupt, die Fremden?
Aus den „Gastarbeitern“ und Zuwanderern von einst sind unsere Nachbarn geworden. Sie betreiben heute Läden, Praxen, Büros, führen Handwerksbetriebe und arbeiten im Öffentlichen Dienst. Ohne sie geht es nicht, und wieso sollte es auch? Es sind einfach die Leute in meiner Stadt. Keine Fremden. Ich habe tagtäglich mit ihnen zu tun. (Es ist mir übrigens piepegal, ob sie und was für einer Religion sie angehören, solange sie mich nicht zu bekehren versuchen – was mir noch nie passiert ist, nicht einmal unter Freunden.)
Dann gibt es Flüchtlinge. Das heißt, ich hoffe, es gibt sie; gesehen habe ich hier noch keine. Ich denke, es ist im Grunde sehr einfach: Wer in Not ist, braucht Hilfe. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit. Vor nicht einmal hundert Jahren mußten Menschen aus Deutschland fliehen. Hätten sie nicht in anderen Ländern Aufnahme gefunden, wäre unsere Welt heute eine andere.
In was für einer Welt wollen wir morgen leben?
Mir gefällt es nicht, wie zweifellos vorhandene Ängste in der Bevölkerung geschürt und in Haß verwandelt werden. Haß fühlt sich erst mal besser an als Angst, das ist wahr; aber wohin er führt, haben wir oft genug gesehen. Nein, ich habe kein Verständnis für diese Initiative der Unmenschlichkeit.
Und hier noch einmal eine alte Geschichte, aus gegebenem Anlaß.