Herr G. will Lahn. Der Weg ist lange noch nicht ganz gegangen, und letztes Mal war’s Herbst. Also auf nach Bad Ems, und weiter, weiter!

Bad Ems muß schön gewesen sein, wurde aber in den fetten Zeiten modernisiert. Aus dem abwaschbaren Bahnhof geht es über die Lahn und weiter zu den romantischen Westerwaldhöhen, die schon Goethe-Freund Lavater beeindruckten. Hinauf werden wir durch ein Parkhaus geschickt. Hätte Lavater dieses Treppenhaus gesehen, er wäre anderswo spazieren gegangen.
Hoch überm Fluß ist es dann herrlich. Wald und offenes Feld wechseln sich ab; an den Wiesenhängen stehen Orchideen und die ersten Sommerblumen. Wolken stürmen in Riesenschritten darüber weg, doch tragen sie ihren Regen anderswohin; manchmal wird es sogar richtig warm.
In Nassau gibt es ein sehr brauchbares Café. Ein alter Herr fragt, wo wir unseren Wagen hätten, als er hört, wir kämen von Bad Ems. Das ganze Tal lebt von Paddlern, Ruderern, Radlern und Wanderern, die Stadt ist voll von ihnen, aber wir sehen wohl nicht nach Sportlern aus.
Für Wanderer werden Autos Gegner. Stinkend, laut, platzfressend, und die ganze Welt ist für sie eingerichtet. Wie werden wir bloß die Autos los?, überlegen wir auf einem steilen Anstieg durch den Wald. Klar, die Pendler – die sollen erst mal in die Nähe ihrer Arbeitsstellen ziehen. Oder öffentlich fahren, da muß das Nahverkehrssystem ausgebaut werden, natürlich. Partner müssen immer in der Nähe arbeiten können … Ein Fohlen dreht sich nach uns um, wie wir die Ordnung der Welt verkehren; das alte Pferd auf der gleichen Weide scheuert sich vernehmlich an einer dicken Fichte.
Dann müßte in jedem Ort alles, was man so zum Leben braucht, zu Fuß zu erreichen sein. Geschäfte in allen Stadtteilen. Ärzte, Banken, Gaststätten in jedem noch so kleinen Ort. Handwerk und Dienstleistungen, auch das. Schulen. Kindergärten. Bibliotheken. Sportstätten. Fehlt noch was? Radwege, Busse und Bahnen in dichtem Netz übers Land, überlege ich …
Da erzählt Herr G. die Geschichte von dem älteren Kollegen, der für eine Weile ohne Führerschein das Bahnfahren zur Arbeit sehr genoß – Zeitung las, frühstückte, sich entspannte – und dann, sobald der Lappen wieder da war, ins Auto stieg. Die gefühlte Unabhängigkeit wiegt Kosten, Parkplatzsuche, Beulen im Blech und Streß im Stau, scheint’s, locker wieder auf.
So wird das wohl erst mal nichts. Wir gehen eine Weile still zwischen Wald und Feld. Dann Apfelwiesen, dann Pferdekoppeln, ein Kloster in der Ferne, und sieh an, im nächsten Dorf wird ein wenig Wein angebaut – Lahnwein, tatsächlich.
Am Ende müssen wir tollkühn die Hauptverkehrsstraße überqueren, von drei Seiten diese lauten, stinkenden Dinger, alle schneller und stabiler als wir. Wir haben keine Wahl; der Zug wartet nicht.




Endlich wieder unterwegs mit Lakritze.
Ich freue mich auch – endlich wieder Wege …
Klasse mit dir zu wandern!
Danke fürs Mitnehmen.
Oh, wenn’s nach mir ginge – ich wäre viel mehr unterwegs.
Wir kommen gerne mal mit.
Gebt Bescheid! Freue mich!
ach, das war ja nur eine katzensprung von mich weg….. und mit das schönste stück der lahn, das ihr dort kennen gelernt habt. obwohl – auf der anderen seite von nassau ist es auch sehr schön….
Oh, schön! Ja, ich war sehr angetan von der Gegend und muß auch da unbedingt noch weiter gehen. Mein Lebensurlaub ist wohl verplant.
noch ein paar schritte weiter und ihr hättet kloster arnstein gesehen und weinberge bei oberhof… im kloster habe ich früher hin und wieder vorgelesen…. 🙂
Gesehen haben wir’s, von mehreren Seiten! Und die Weinberge auch; nur probiert haben wir nichts.
Ja, unsere Welt ist den Fußgängern so feindlich. Man muss weit gehen, bis man dieses gnadenlose Primat des Autos spürbar hinter sich lassen kann.
Und die absurden Umwege, zu denen man als Fußgänger gezwungen ist, wenn man über Autostraßen oder Parkplätze möchte –!
Und bis man endlich aus den Lärmschneisen von Autobahnen und Bundesstraßen ist …