Siegen

Bilder nach der Wahl zeigen strahlende Gesichter, hochgerissene Arme, Sekt. Siegerposen wie im Sport.

Warum? Wer eine Wahl gewinnt, hat noch nichts geleistet. Er bekommt zu tun: muß sich mit allem, wirklich allem befassen, und fundiert; muß im Entscheiden immer irgendwen vergrätzen, nicht zuletzt sich selbst; weiß nie, wer gefährlicher ist, Freund oder Feind. Schöne Arbeit ist das nicht und, so heißt es, nicht einmal besonders gut bezahlt.

Wer diese Bürden tragen soll, müßte vielmehr gedrückt sein. Alle Kräfte sammeln, mit ernster Stirne gegen den Wind. Den Mantel fester um sich ziehen, daß er nicht flattert. Den Rücken gerade und weit, weit schauen.

0 Kommentare zu „Siegen

    1. Dann wäre das mit dem Wählen nicht so schwer.

      Im übrigen: Ihr Aufruf zum Wählen war wichtig und nötig; was dabei herauskommt, steht bei freien Wahlen ja immer in den Sternen. Nun, wir werden damit leben müssen. (Spannende Zeiten, das.)

    1. Ein Spiel, ja, so scheint es. Vielleicht sind solche Fragen naiv, weil Macht haben einfach so toll ist. Aber richtig ist es sicher nicht, Macht über Verantwortung zu stellen; und das scheint oft genug der Fall zu sein.

  1. 24 stühle sind nun in unserem landtag zu besetzen. die partei, die so ’siegreich‘ ist, weiß nun nicht mal, woher sie die leute nun nehmen sollen.
    und als erstes wollen sie an die innere sicherheit, die so schlecht geworden ist. (sagen sie und haben ja recht)
    mir, die ich ein bisschen mit an der inneren sicherheit arbeite, ist bange. hoffentlich hält der höhenflug wenigstens ein wenig an. bis dann der absturz droht.

    liebe grüße an dich und danke für den .auf den punkt. text 🙂

  2. Aber niemand würde sich doch als Kandidat aufstellen lassen, wenn er oder sie nicht gewinnen will. Die Haltung, die Sie gern hätten, ist paradox. Wenn ich kandidiere, will ich gewählt werden, nicht nicht gewählt werden. Und wenn ich das erreicht habe, freue ich mich eben.
    Wer, den die Aufgabe und die Verantwortung im Siegesfalle erdrückte, würde sich denn zur Wahl stellen? (Dabei sind es gerade die, denen die Aufgabe zu groß ist, die man wahrscheinlich am liebsten wählen würde.)

    1. Wieso wäre das paradox? Ich glaube, meine Frage ist eher: warum wollen die gewählt werden? Vermutlich nicht, um einen (mit Verlaub) Scheiß-Job zu erledigen. Zumindest wäre mir da die Freude unbegreiflich. Oder die Freude ist vor allem eines: zur Schau gestellt. Oder … ich kann’s mir einfach nicht vorstellen.

      1. Paradox ist der Gedanke, daß, die sich zur Wahl stellen, zuerst gewählt werden wollen und hernach das Gesicht verziehen, wenn sie das, was sie wollten, erreicht haben

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