Höchste Eisenbahn

Am Bahnhof von Boppard am Rhein nehme man ab Gleis drei das blaue Bähnchen nach Emmelshausen. Es fährt, so steht es im Prospekt, die steilste fahrplanmäßig betriebene Strecke ohne Zahnradantrieb: die Steigung beträgt sechs Prozent. Die fünfzehn Kilometer Bahntrasse sind über weite Strecken in oder durch den Fels gesprengt und auf Stelzen über die engen Täler des Hunsrücks geführt; schaut man aus dem Fenster, sieht man Wald, Wald, Wald. 1908 war die Eröffnung; heute ist dieses Stück der letzte Rest der einstigen Hunsrückbahnen, 2009 wieder in Betrieb genommen.

Im Netz stehen Beschwerden: sooo toll sei die Fahrt gar nicht, man sähe ja nicht eine einzige Eisenbahnbrücke. Merke: Die Schienen sieht man besser von außerhalb des Fahrzeugs, und dafür gibt es einen Hunsrückbahnwanderweg. Viele Leute machen es so: sie fahren von Boppard bis Buchholz und gehen am spektakulärsten Teil der Strecke entlang zurück. Kein Spaziergang; festes Schuhwerk ist vonnöten. An jedem Viadukt, an jedem Tunnelmund steht eine Bank.

Steil durch den Wald.
Steil durch den Wald.

Möchte man es anders machen und von unten hochgehen …

Das Museumsmuseum

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt hat eine bewegte Geschichte: eine fürstliche Krempelsammlung, später standesgemäß untergebracht und bedeutend erweitert, wissenschaftlich kuratiert, innovativ präsentiert; nationalistisch gesäubert, abgebrannt, schließlich schrittweise modernisiert. Sieben Jahre war es geschlossen, und seit 2014 kann man sich hier anschauen, wie ein Museum vor gut hundert Jahren aussah.

Viele Tiere. Wenig Fleisch.
Viele Tiere. Wenig Fleisch.

Die Bilder sind stark; in gründerzeitlicher Pracht ist aller Stolz der Wissenschaften ausgestellt. Vitrinen voller Vogelbälger, wie sie die Forscher von ihren Reisen schickten. Präparierte Skelette; ausgestopfte Tiere, in Dioramen arrangiert zu fast lebendigen Szenen. Gründlichkeit. Systematik. Oh, so viele Gewißheiten, man muß nur entschlossen danach greifen.

Alles in diesem Museum wurde entstaubt und aufgefrischt und in einen möglichst originalen Zustand gebracht, und nun sieht man hier nicht einfach Paläontologie, Geologie und Zoologie, sondern man sieht ein Museum, das Museumsgeschichte ausstellt. Eine Zeitreise, auf der wir heutigen Menschen – die um Klimawandel, um Artensterben, um die Endlichkeit der Ressourcen wissen – dem damaligen begegnen, der im Bewußtsein, Krone der Schöpfung zu sein, die unerschöpfliche Vielfalt des Planeten als Geschenk hinnahm.

da-messel da-hase da-hyaene da-vitrine

Das sind solche Dinge, von denen ich nicht genug bekommen kann. Ich muß da unbedingt mal ein paar Stunden verloren gehen. Dringliche Besuchsempfehlung! Und großer Dank an Frau Amsel für den Tip!

 

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Vom Bahnhof aus zu Fuß: ca. 20 Minuten

Blick in die Ausstellung (Tierpräparate).

 

 

Stadt mit X

Am Fahrkartenautomaten der Bahn geht’s schnell: es gibt nur ein einziges Reiseziel mit X. Die Fahrt geht dann aber gar nicht nach Bayern, sondern an den Niederrhein.

Der Museumsbau tarnt sich als Himmel.
Der Museumsbau tarnt sich als Himmel.

Hier gründeten die Römer die Colonia Ulpia Traiana, die dann nach Rückzug der Legionen niederging. Ihre Steine fanden Verwendung in den Bauten der mittelalterlichen Stadt gleich nebenan …

Wo die Musik wohnt

Wo Robert Schumann, geistig umnachtet, seine letzten beiden Jahre verbrachte, befindet sich heute ein Teil der Stadtbibliothek Bonn: die musikalische Sammlung.

Die Notensammlung.
Die Notensammlung.

Das Haus ist offen; in jeder Hinsicht lädt es ein. Im Erdgeschoß drängen sich Notenhefte, nach Instrumenten und Komponisten sortiert. Es herrscht leise Geschäftigkeit: ein dunkel gekleideter Mann runzelt die Stirn über mehreren aufgeschlagenen Partituren; eine Frau streicht durch die Regale mit der Blechbläserliteratur, ein Mann — schmale Hände, volle Lippen — wendet Seite um Seite einer Flötensonate.
Einige knarrende Stufen höher stehen Zeitschriften, die Musikbibliothek, und zwischen den Bücherwänden ein Konzertflügel. Vielleicht fünfzig Zuhörer finden hier Platz, wenn es Kammermusik gibt. Zwei Nebenräume beherbergen ein kleines Schumann-Museum mit Bildern, Briefen und Urkunden.
Hier ist die Musik zuhause, Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft. Besser hätte sie’s kaum treffen können: ein schöner Ort, der einlädt zum Besuchen und Anschauen.