Wo Robert Schumann, geistig umnachtet, seine letzten beiden Jahre verbrachte, befindet sich heute ein Teil der Stadtbibliothek Bonn: die musikalische Sammlung.

Das Haus ist offen; in jeder Hinsicht lädt es ein. Im Erdgeschoß drängen sich Notenhefte, nach Instrumenten und Komponisten sortiert. Es herrscht leise Geschäftigkeit: ein dunkel gekleideter Mann runzelt die Stirn über mehreren aufgeschlagenen Partituren; eine Frau streicht durch die Regale mit der Blechbläserliteratur, ein Mann — schmale Hände, volle Lippen — wendet Seite um Seite einer Flötensonate.
Einige knarrende Stufen höher stehen Zeitschriften, die Musikbibliothek, und zwischen den Bücherwänden ein Konzertflügel. Vielleicht fünfzig Zuhörer finden hier Platz, wenn es Kammermusik gibt. Zwei Nebenräume beherbergen ein kleines Schumann-Museum mit Bildern, Briefen und Urkunden.
Hier ist die Musik zuhause, Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft. Besser hätte sie’s kaum treffen können: ein schöner Ort, der einlädt zum Besuchen und Anschauen.
Oft enden Deine Beiträge auf einer melancholischen Note, liebe Lakritze. Dann scheue ich davor zurück, „Gefällt mir“ anzuklicken, obwohl der Text schön geschrieben ist. (Schade eigentlich.)
Diesmal fällt also der Wermutstropfen gleich am Anfang.
Dabei denke ich bei Robert Schumann zuerst immer an heitere Klänge, z. B. „Der fröhliche Landmann, von der Arbeit heimkehrend“ (oder so ähnlich ;-)). Oder an die Rheinische Sinfonie. Manchmal möchte ich gar nicht so genau wissen, wie ein großer Künstler sein Leben ausgehaucht hat …
Oh, danke fürs Trotzdemlesen!
Schumanns war ein trauriges Schicksal, ja. Es reicht, in der Wikipedia zu stöbern … Ich werde einiges in seiner Musik anders hören.
Dafür hat dann das Schumann-Haus gar nichts Tragisches. Das ist friedlich, freundlich und höchst angenehm. Und in der Nähe gibt es zur Belohnung auch noch eine Bäckerei mit un-glaub-lich guten Zimtschnecken.
Die Wikipedia brauche ich für Clara und Robert nicht. Dafür haben wir in Hamburg ein kleines privates Brahms-Museum und jede Menge Franzbrötchen.
Was ich nicht wußte: daß sie ihn nicht besucht hat bis zwei Tage vor seinem Tod. Achje.
Und: Franzbrötchen, darunter kann ich mir geschmacklich gar nichts vorstellen. Muß ich unbedingt mal probieren. Brahms auch, also das Museum.
Denk Dir einfach ganz viel Zimt. Du hast mich durch die Zimtschnecken darauf gebracht.
Mit den Zimtschnecken machst Du mir den Mund wässrig. Aber wie sagt man, wenn das Ohr nach etwas lechzt?
Das muß mit auf die Liste der Dinge ohne Wort, wie das Satt vom Trinken. .)
Mir lechzt das Ohr klingt plausibel, finde ich. Hungrig, durstig, müde, musig? Auf Griechisch wäre es phonorektisch, von Phonorexie, sagt mein Gewährsmann.
Hm, phonorektisch?! Da liegt für mich ein wenig Gymnastik und Erotik mit drin, vom Geschmack her. Da Musik auch immer Gymnastik fürs Gehirn ist und eine sinnliche Erfahrung allemal, kann ich es akzeptieren. Danke fürs Ermitteln.
Sieht klasse aus und liest sich verführerisch.
Ich stehe seit vielen Jahren auf die dem Publikum zugänglichen Häuser und Unterkünfte von Dichtern und Musikern. Und seit ich mal in einem Zimmer geschlafen habe, in dem man Rilke untergebracht hatte… In Monks House hat mich allerdings die Aufpasserin aus dem Bett von Virginia Wolfe typisch englisch vertrieben: I am afraid, Sir, Mrs Wolfe would not be amused to see you sitting on her bed….
Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg
Haha! Das ist hübsch. And who’s afraid of Virginia Woolf?
Und war in Rilkes Zimmer das Schlafen erlaubt, oder hat da bloß die Aufsicht gepennt? ,)
Im Palazzo Salis in Soglio wurde in den 1990er Jahren noch das Zimmer, in dem man Rilke einquartierte bis der Turm in Muzot fertig war, gegen einen geringen Aufpreis vermietet. Nach mir kamen offensichtlich Leute, die dort Devotionalien mitgehen liessen. Heute wird das Zimmer nicht mehr vermietet. Dass die Leute auch nichts stehen oder liegen lassen können. Ich habe in Stockholm ja auch nicht Strindbergs Füllfeder vom Schreibtisch geklaut 😉
Devotionalien –? Wie schade! (Was hat man in einem solchen Fall vom Haben –?) Naja, sogar Luthers Tintenfleck wurde von der Wand gekratzt …
Das war wirklich eingerichtet, als sei Rilke mal gerade eben spazieren gegangen. Alles wie es 1921 eben gewesen sein soll. Naja, hier wird das weggenommen, dort jenes. Ich verstehe die auch nicht, was die Leute davon haben.
btw: am Kopfende von Virginias Bett standen in einem schlichten Regal die Erstausgaben ihrer Werke. Einige davon und zwei, drei Kristallgläser aus dem Wohnzimmer und der Trip nach Monk´s House wäre finanziert gewesen. Aber macht sowas jemand im Ernst?
Na, anscheinend ja schon!
Im Schumannhaus hätte man höchstens einen Flügel klauen können. Und den Besucher will ich sehen … (Was haben Sie denn da unter Ihrer Jacke? — Ähm, den hatte ich mitgebracht …)