Am Fahrkartenautomaten der Bahn geht’s schnell: es gibt nur ein einziges Reiseziel mit X. Die Fahrt geht dann aber gar nicht nach Bayern, sondern an den Niederrhein.

Hier gründeten die Römer die Colonia Ulpia Traiana, die dann nach Rückzug der Legionen niederging. Ihre Steine fanden Verwendung in den Bauten der mittelalterlichen Stadt gleich nebenan.
Es muß für Römer aus dem Süden des Reiches eine exotische Landschaft gewesen sein: Sumpf und Weiden in der Flußlandschaft des Rheins, viel, viel Himmel und ein ständiger Wind, der beinahe schon nach Salz schmeckt. Die kurzen Tage des nördlichen Winters machten Wollhosen nötig und feste Schuhe.
Heute ist die Colonia eine riesige freie Fläche, dominiert vom neuen Museum, einem schönen Klotz aus Glas. Einige Bauten hat man neu hingestellt; wie Wälle und Straßen verliefen, ist mit Büschen und Bäumen markiert.
Auch die mittelalterliche Stadt mit ihren Windmühlen und Turmtoren ist eine Rekonstruktion; sie war im Krieg fast völlig zerstört.

Dank kundiger Führung bekamen wir zu sehen, was die Landschaft schon seit undenklichen Zeiten prägt: Der Rhein ist hier selbst schon fast Meer, ihm fehlt das Eingezwängte, das Begradigte des Oberlaufs. Schön ist das, und sicher wieder eine Reise wert.
Das Meerhafte aufzuzeigen ist Dir gut gelungen mit diesem Foto. Auch das typische Niederrheinwetter mit den sich auf der Erde abstützenden Wolken.
Mir ist aufgefallen, daß alles, was ich fotografiert habe, grün und / oder grau war. Als gäbe es keine anderen Farben. Nicht mal das Klinkerrot ist andersfarbig, sogar der Tomatensalat: grün. (Den habe ich allerdings nicht fotografiert.)
@Karu: Haha, ich habe zuerst „abstürzende“ Wolken gelesen. „Abstützend“ ist natürlich schöner, für die Wolken wie für die, die unten stehen.
Fast hätten wir am WE auf der Rückreise hier einen gezielten Abstecher gemacht, aber dann zog es uns doch schnell nach Hause. Der Niederrhein verdient mehr Aufmerksamkeit, genau, Frau lakritze..
Das Museum ist sicher sehenswert — auch von außen; ich mochte den Bau. Und der Rhein, na, da muß ich nichts weiter sagen. .)
Ich wollte vorgestern abend nur über den Rhein, aber bei Köln…
Jetzt werden meine minimalen Geografiekenntnisse erschüttert – wenn es nicht Xanten ist, so dieses in Bayern liegt, was ist es dann, bitteschön???
Die Stadt stimmt, und das mit dem Freistaat habe ich nur geschrieben, weil ich mehrfach gefragt wurde: ach, bis Bayern reist ihr für eine Ausstellung? Ganz so südlich war es dann nicht, dafür ganz schön westlich: Niederländische Grenze.
Es gibt erstaunlich viele Menschen, die die einzige Stadt mit X in Deutschland nicht kennen und einordnen können. Die im Süden sagen immer: „ach, da oben im Norden.“
Außerdem hört sich Xanten bayrisch an. Ist doch klar.
Ich kenne Xanten als sehr bunte Stadt, zu jeder Jahreszeit – Du musst wohl den einzigen grauen Tag erwischt haben.
Ganz in der Nähe ist übrigens Labbeck – bekannt aus den Verkehrsnachrichten, wenn man bitteschön gaaaaanz vorsichtig fahren soll, weil die Kröten zum Laichen die Straße überqueren. Sonst werden die schon vor dem Laichen zu Leichen. 🙁 Nee, das heißt dann wohl Kadaver?
Ach ja, dabei fällt mir ein, dass ich Storms Husum-Gedicht schon immer sehr befremdlich fand. Auch jene Stadt habe ich nie grau erlebt. Ob grau im Auge des Betrachters liegt?
Das Grau war kein trauriges Grau; es war eher windzerzaust und frisch. So ein Nordsee-Grau, das ich auch eher mag. Wenn aber Grau im Auge des Betrachters liegt, klingt das fast nach einer medizinischen Diagnose.
Labbeck kannte ich nicht, aber bei Kadaver fällt mir sofort Kevelaer ein, auch da oben. Ich hoffe, die Assoziation ist rein lautlich.
Kevelaer kenne ich auch. Sonst würde ich nicht glauben, dass so was in Deutschland außerhalb Bayerns möglich ist. Oder außerhalb Hollywoods …
in Xanten war ich auch schon mal (ich habe an den Ort keine Erinnerung mehr). Woran ich mich erinnere ist das APX und die Xantener Südsee – oder wars die Nordsee?. Noch beeindruckender fand ich tatsächlich den Rhein und am allermeisten hat mich beeindruckt dass der Xantener abends mit dem Auto an den Rhein fahren, dort das Auto parken und – nein nicht aussteigen – raus gucken auf den Rhein. Das hatte so etwas Amerikanisches.
Hahaha! Das ist in der Tat … erstaunlich. Ich kann die Liebe zum Rhein verstehen, aber aus dem Auto heraus ist sie m.E. von vornherein vergebens.
…und an der Xantener Südsee gibt es im Oktober, Ihr dürft raten – – – ein Oktoberfest, echt bayrisch im Zelt, mit Maßkrug, Dirndl und Blasmusik. In Labbeck muss man nicht unbedingt gewesen sein, aber Kevelaer lohnt einen Ausflug wg. verschiedener Verwegenheiten.
Also nicht zum Oktoberfest, aber generell: die Gegend steht immer noch bzw. wieder auf der Liste. Kevelaer auch. Und Du kannst uns gern zu Gartenarbeit einteilen, wenn das hilft. Die Ernteproben waren überzeugend. .)
Wir bleiben diesbezüglich in Verbindung. Danke für das Angebot.
Selbst ursprünglich Niederrheiner habe ich es bislang nicht in die Stadt mit X geschafft, obgleich sie ausführlich im Heimatkundeunterricht behandelt wurde. Ich muss mal wieder hin, an den Niederrhein und dieser Schande ein Ende bereiten und den Himmelklotz besuchen. Danke für den Hinweis und die schönen Fotos vom Grün und Grau.
Das ist der Lauf der Dinge: Wo man wohnt, guckt man erst, wenn Besuch kommt. .) (Ausnahmen gibt es immer.)