Lose Blätter

Herrn G. ist nach Flußschleifen, stark gewunden, und da will ich nicht widersprechen: wir gehen ein Stück Lahn. Auf der einen Seite hat der Westerwald, auf der anderen der Taunus sein Laub auf die Wege geschüttet. Da stapfen wir jetzt durch.

Ein paar unter Millionen.
Ein paar unter Millionen.

Herr G. erzählt von Flüchtlingen, orientierungslos und ohne Dolmetscher im Zug unterwegs, irgendwo auf dem flachen Lande; Mitreisende machten telefonisch einen ausfindig, der übersetzen konnte. Wie wenig laufen würde ohne die Hilfsbereitschaft zufällig anwesender Menschen. Und ob sich ein Staat auf diese Ressource zu verlassen wagt?
Das Flüßchen schlängelt sich in der Tiefe …

Mit Flügeln

Nicht so weit, meint Herr G. und hat seine Gründe dafür, und er weiß ein handliches, hübsches Ziel: die Feldkapelle bei Wachendorf.

Eine Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.
Landmarke in der Eifel: die Bruder-Klaus-Kapelle.

Ordentlich Zug muß man fahren, tief in die Eifel hinein, und da ist sie schon, die Natur samt ihrer Grausamkeit: Auf dem Bahnsteig plustert sich ein Mönchsgrasmückenbub gegen all die Schuhe. Fliegen kann er noch nicht. Ein Reisender setzt den Jungvogel etwas beiseite, doch schon kommt ein Rollkoffer, haarscharf das Ganze, nicht anzusehen — und so nimmt Herr G. den Kleinen an sich und trägt ihn behutsam aus dem Schußfeld, unter dem Gezeter der Altvögel. Passieren ja schlimme Dinge, wie man liest.
Die Eifel dann: eine Augenweide …

Büßerwege

Von Kobern-Gondorf nach Löf veranschlagt der Moselsteig 14 Kilometer. Klacks, sind Herr G. und ich uns einig, da kennen wir anderes, und stiefeln im Frühtau los. Auf dem ersten Anstieg am bewaldeten Hang knistert das Laub gefroren. Steil, jaja, aber oha, die Aussicht!

Moselsteig Wegmarke
Deutlich kantiger als der Rheinsteig: der Moselsteig.

Die Mosel ist schmaler als der Rhein und nicht so befahren — eine Bahnlinie nur, viel weniger Schiffe –, und so verschwindet sie zeitweise fast lautlos zwischen den Kulissen der Hügel. Hier scheint der Weinbau noch dominanter als am großen Fluß. Jetzt, im Winter …

Den See sehen

Wenn das Meer fern ist, muß eben ein See-Gang genügen. Einen See weiß Herr G. Und am Wandertag herrscht eine steife Brise, daß der Wald brandet; man sollte die Mütze tief ins Gesicht ziehen, sonst lernt sie fliegen.

Laacher See
Zwischen Wellenbergen: am Maar.

Wir nehmen ein Flüßchen als Begleiter hoch in die Eifel, Richtung Bims und Basalt. Hier entspringt Mineralwasser, und um den Brunnen herum gedeiht Industrie. Die Quellnymphen …

Scheusal an schöner Aussicht

Abwechslung macht Freude: wie wäre es mit einem klassischen Sommer-Sonntagsausflug an einem Wochentag bei schlechtem Wetter und, sozusagen, von hinten?

Da dräut sie, die Germania mit ihrem Krieg.
Da dräut sie, die Germania mit ihrem Krieg.

Schönes Wetter ist ja Kleidungssache; das Rheintal aber, das ist bei jedem Wetter schön. Und wenn sich kurz hinter Lorch die Hügel in Dunst und Regenschleiern verlieren …

Auf dem Weg mit dem B

  Wo ist der Weg? Ich sehe drei, und keiner trägt ein Zeichen.
  Schau noch mal nach; vielleicht ist der Baum gefällt, wie an der letzten Kreuzung …
  Da ist es. Vom Stamm fast verschluckt. Unter der Rinde steckt es; wie ein Auge unterm Lid. Und da, das nächste — einen Nagel hat das Holz ausgespien, nun hängt es schief am andern.
  Ein Hänge-B.
  Dieser Weg ist sicher ein paar hundert Jahre alt, aber die neuen Wegzeichen, die scheint er nicht zu mögen. Was ist das für ein Wald?
  Gehen wir lieber weiter, sonst frißt er uns am Ende noch.
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