
Beim Wandern an der Mosel bin ich ihr schon mal begegnet, aber …
Die einzig normalen Menschen sind die, die man nicht besonders gut kennt.

Beim Wandern an der Mosel bin ich ihr schon mal begegnet, aber …
Nicht so weit, meint Herr G. und hat seine Gründe dafür, und er weiß ein handliches, hübsches Ziel: die Feldkapelle bei Wachendorf.

Ordentlich Zug muß man fahren, tief in die Eifel hinein, und da ist sie schon, die Natur samt ihrer Grausamkeit: Auf dem Bahnsteig plustert sich ein Mönchsgrasmückenbub gegen all die Schuhe. Fliegen kann er noch nicht. Ein Reisender setzt den Jungvogel etwas beiseite, doch schon kommt ein Rollkoffer, haarscharf das Ganze, nicht anzusehen — und so nimmt Herr G. den Kleinen an sich und trägt ihn behutsam aus dem Schußfeld, unter dem Gezeter der Altvögel. Passieren ja schlimme Dinge, wie man liest.
Die Eifel dann: eine Augenweide …
Von Kobern-Gondorf nach Löf veranschlagt der Moselsteig 14 Kilometer. Klacks, sind Herr G. und ich uns einig, da kennen wir anderes, und stiefeln im Frühtau los. Auf dem ersten Anstieg am bewaldeten Hang knistert das Laub gefroren. Steil, jaja, aber oha, die Aussicht!

Die Mosel ist schmaler als der Rhein und nicht so befahren — eine Bahnlinie nur, viel weniger Schiffe –, und so verschwindet sie zeitweise fast lautlos zwischen den Kulissen der Hügel. Hier scheint der Weinbau noch dominanter als am großen Fluß. Jetzt, im Winter …