Das Museumsmuseum

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt hat eine bewegte Geschichte: eine fürstliche Krempelsammlung, später standesgemäß untergebracht und bedeutend erweitert, wissenschaftlich kuratiert, innovativ präsentiert; nationalistisch gesäubert, abgebrannt, schließlich schrittweise modernisiert. Sieben Jahre war es geschlossen, und seit 2014 kann man sich hier anschauen, wie ein Museum vor gut hundert Jahren aussah.

Viele Tiere. Wenig Fleisch.
Viele Tiere. Wenig Fleisch.

Die Bilder sind stark; in gründerzeitlicher Pracht ist aller Stolz der Wissenschaften ausgestellt. Vitrinen voller Vogelbälger, wie sie die Forscher von ihren Reisen schickten. Präparierte Skelette; ausgestopfte Tiere, in Dioramen arrangiert zu fast lebendigen Szenen. Gründlichkeit. Systematik. Oh, so viele Gewißheiten, man muß nur entschlossen danach greifen.

Alles in diesem Museum wurde entstaubt und aufgefrischt und in einen möglichst originalen Zustand gebracht, und nun sieht man hier nicht einfach Paläontologie, Geologie und Zoologie, sondern man sieht ein Museum, das Museumsgeschichte ausstellt. Eine Zeitreise, auf der wir heutigen Menschen – die um Klimawandel, um Artensterben, um die Endlichkeit der Ressourcen wissen – dem damaligen begegnen, der im Bewußtsein, Krone der Schöpfung zu sein, die unerschöpfliche Vielfalt des Planeten als Geschenk hinnahm.

da-messel da-hase da-hyaene da-vitrine

Das sind solche Dinge, von denen ich nicht genug bekommen kann. Ich muß da unbedingt mal ein paar Stunden verloren gehen. Dringliche Besuchsempfehlung! Und großer Dank an Frau Amsel für den Tip!

 

Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Vom Bahnhof aus zu Fuß: ca. 20 Minuten

Blick in die Ausstellung (Tierpräparate).

 

 

Himmelfahrt

Fast wie'n Gebirge.
Fast wie’n Gebirge.

Im „niedrigsten Mittelgebirge Deutschlands“ ist Frühling: Raps und Kirschen, Löwenzahn und Buchen, frisch belaubt, und darüber ein blitzblankblauer Himmel. Kinners, ist das ein Sonnenschein!

Unterwegs allerhand Bollerwagentrupps: solche mit schlechter Musik aus schlechten Lautsprechern, solche, die Müll streuen und ein paar nette, die uns galant eine Schranke im Wald aufhalten und dann fröhlich ihres Weges ziehen.

Von der höchsten Erhebung des niedrigsten Mittelgebirges gibt es keine Aussicht; für die muß man erst wieder halb runter und raus aus dem Wald. Dann aber scheint „Gebirge“ für diese paar Hügel wirklich nicht übertrieben. Merke: Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf den Abstand zu den anderen.

 

 

Tal, ganz still

Und dann bin ich ausgestiegen, in Bacharach am Rhein. Aus dem Zugfenster hatte ich Radfahrer auf der B9 gesehen, ungeniert mitten auf der Fahrbahn. Und was war? Tal total war.
Einmal im Jahr, am letzten Junisonntag, ist der Autoverkehr am Mittelrhein stillgelegt. Zwischen 10 und 18 Uhr (früher war’s mal 9 bis 19:00) sind hier motorisierte Fahrzeuge verboten. Die vielbefahrenen Straßen beiderseits des Rheins sind einmal wirklich belebt: zwischen Koblenz und Bingen bzw. Rüdesheim ist man per Rad, skatend oder per pedes unterwegs.
In den Ortschaften haben alle Sehenswürdigkeiten und die Gaststätten geöffnet; an Ständen am Straßenrand gibt es Erfrischungen, und manches Fest wird eigens auf diesen Tag gelegt. Und drumherum die immer noch atemberaubende Landschaft mit Felsen, Wein und aus Seitentälern purzelnden Dörfern.
Aber die wirkliche Sensation ist die Stille. Natürlich gibt es die Bahn (irgendwie müssen die Radler von weiter her ja anreisen), Frachtschiffe und, Geißel dieses Landstrichs, Güterzüge; aber davon abgesehen: Ruhe.
Und die Wahrnehmung verändert sich. Der Blick wird weit und bekommt mehr Richtungen. Kleine Geräusche überall, die sonst von einem Teppich aus Lärm zugedeckt sind. Der Wind fühlt sich an wie eine sachte Berührung. Und auf Straßen kann man gehen, bis man müde wird.
Ich habe ein Würstchen gegessen, bin auf dem Mittelstreifen spaziert, habe fröhlichen Radfahrern zugewinkt; einen Platzregen lang saß ich im Bacharacher Posthof unterm Schirm, und um halb sechs ging ich dann ans Rheinufer und ließ flache Schiefersteine springen. Und, oh, der Fluß scheint noch breiter, und er rauscht. Im Vogelkonzert fuhr ein Kind lauthals singend Schlangenlinien auf dem Fahrrad. Jeder Stein plitschte vernehmlich. Dann schlug es Sechs; ins Abendläuten mischten sich schon die ersten Motoren, und eine Minute später war der Zauber vorbei.
Eine kurze Zeit ließen sich die Autos noch zählen; dann war das Tal wieder angefüllt mit dem Summen und Dröhnen, das uns nur dann nicht normal erscheint, wenn es einmal ausgesetzt hat.
Tal total, die (schlecht gepflegte) Webseite des Ereignisses
an jedem letzten Juni-Sonntag im Welterbe Oberes Mittelrheintal

Dümmer

Tag am See.
Tag am See.

Es ist nicht die See, sondern der, an dem der Wind so weht und die Möwen kreischen. 23 Kilometer würde man gehen müssen, um einmal herum wieder zum Parkplatz zu kommen, vorbei an Spielplätzen mit Piratenthemen, Parkbänken, Vatertagstrüppchen mit verschieden professioneller Ausstattung. Vor jeder Gaststätte liegt ein Anker. In der Ferne lehnen Segel im Wind; doch nicht vorm Horizont, sondern vorm Waldrand auf der anderen Seite.

Vogelbad

Ein Augusttag in herrlichstem Hochsommerblau – ich gebe zu, alles stehen- und liegenlassen und raus, das war mein Vorschlag. Die Idee hatte aber Frau Amsel, nebenberuflich Fachfrau für Ausbüxen und wunderbaren Unfug: Baden gehen! Und zwar im Fluß!

Als ich klein war, durfte ich nicht in den Fluß (und nicht in seine zufließenden Gewässer). Giftig sei er; und er roch auch so. Zwischen den Steinen am Ufer glänzte es von toten Fischen. Später dann: Weidenschatten – ja, Wasserkontakt – nein; höchstens habe ich mal eine Flasche in der Strömung gekühlt.

Jetzt also: Abenteuer!

Lachen in der Kirche

Vor dem Museum des Mainzer Doms St. Martin steht ein Plakat: Seliges Lächeln und höllisches Gelächter, eine Ausstellung zum Thema Lachen in der Kirche. Für fünf Euro wird man drinnen in den Keller geschickt – den Witz lassen sie sich nicht nehmen –, und da sind dann Kunstwerke vom Mittelalter bis in die Neuzeit versammelt, die die Einstellung der Geistlichkeit zum Lachen illustrieren. Eine kleine, sehenswerte Sache. Kurzfassung: