Andenken

In aller Hektik heute das kleine Stolpern: wieder ein Jahr, das Du nicht älter wirst. Du würdest Dich wundern. Der Tag bleibt anders gefärbt als die restlichen des Jahres; das macht das Glück, das ich Dir nicht wünschen kann. Ich hoffe, ich finde gute Verwendung dafür.
Ein Innehalten für Dich.
 
 
 
 
 
 

Diese Leute

Diese Leute denken nicht von zwölf bis Mittag, aber die Weisheit mit Löffeln gefressen oder was, sitzen da auf ihrem Platz in der Welt und denken, oder nein, denken nicht, müssen die nicht, wissen, daß das so ist und bleibt und von Ewigkeit zu Ewigkeit und so weiter, sitzen im gemachten Nest aus Meinungen und Maßstäben, alles schön klar: so ist’s richtig, so ist’s falsch, richtig: Sonderangebote, Auto waschen, Rasen mit Petunienrand, falsch: Schwule, Asylrecht, Loch in der Hecke, sitzen zu Gericht über den Rest der Welt, die Nachbarn, die Familie, die Politiker, die Ausländer, die da oben und die Assos, sitzen zu Gericht, wissen alles besser: die müssen doch nur, da sollte mal einer drein-, schlagen, überhaupt: Schläge, immer probates Mittel, haben noch nie geschadet, und da sitzen sie dann, kleinkreditwürdig, sparfuchsig, selbstgerecht, diese Leute, die da sitzen und keinem gönnen, keinen gelten lassen, diese Leute, die nur sehen, was sie sehen wollen, und gleich dabei mit dem Urteil, diese Leute habe ich ja noch nie verstanden.
Beitrag zum Projekt *.txt (13: verstehen).
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Schlangenfrage

schlange schlange2
… da war sie auch schon wieder weg. Keine Schleiche, sondern ein fingerschmales Schlängelchen; für eine Ringelnatter fehlt ihm aber der gelbe Nacken. Weiß irgendwer mehr darüber als ich?
Und wieder hat meine fabelhafte Kommentarspalte das Rätsel gelöst: es ist eine Schlingnatter (Coronella austriaca), hat Azestoru herausgefunden (auch wenn er sie offenbar noch nie gekocht hat!), und bestätigt hat’s Mannigfaltiges nach Augenschein — vielen Dank!
 
 

Selbstbildnis im Wasserspiegel eines Putzeimers

Da, ein Auge, da der Mund; der Schaum dazwischen,
der noch die Nase und die Stirn verdeckt,
steht knisternd, seifenbläschengleich. Ich gehe wischen,
weil’s sein muß; weil man ja nicht gerne ganz verdreckt.
Das klare Wasser mit dem hellen Schaum darüber
wird, je öfter ich den Lappen in es tauch‘,
erst gräulich, grau dann, matter, trüb und trüber,
und mein Gesicht in seinem Spiegel wird es auch.
Die Tage gehen, und es bleibt der Schmutz. Die Lieder,
die ich beim Putzen sang, zerstäuben wie die Zeit;
ich sang sie nur, um mich zu motivieren.
Im Wassereimer steht mein Bild in Schlieren.
Die Frische ist dahin. Ach, die Vergänglichkeit:
der Schaum zerfiel. Und morgen alles, alles wieder.
 
Beitrag zum Projekt *.txt (11: Schwermut) und zugleich ein Haushaltssonett.
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