Da, ein Auge, da der Mund; der Schaum dazwischen,
der noch die Nase und die Stirn verdeckt,
steht knisternd, seifenbläschengleich. Ich gehe wischen,
weil’s sein muß; weil man ja nicht gerne ganz verdreckt.
Das klare Wasser mit dem hellen Schaum darüber
wird, je öfter ich den Lappen in es tauch‘,
erst gräulich, grau dann, matter, trüb und trüber,
und mein Gesicht in seinem Spiegel wird es auch.
Die Tage gehen, und es bleibt der Schmutz. Die Lieder,
die ich beim Putzen sang, zerstäuben wie die Zeit;
ich sang sie nur, um mich zu motivieren.
Im Wassereimer steht mein Bild in Schlieren.
Die Frische ist dahin. Ach, die Vergänglichkeit:
der Schaum zerfiel. Und morgen alles, alles wieder.
Beitrag zum Projekt *.txt (11: Schwermut) und zugleich ein Haushaltssonett.
–> alle meine *.txte
Wunderbar. Dass es heute noch so überzeugende Sonette gibt.
Dankeschön. Das Memento mori hat mühelos seine Nische im Haushalt gefunden. Zur Hohen Schule des (katholischen) Sonetts hingegen bitte hier entlang; meine sind ja mehr so ungefähr …
Sachen gibt’s. Danke für den Hinweis.
ich schliesse mich zeilentiger an- wunderbar und vielschichtig – danke
Dankesehr. Man könnte auch sagen: aus der Reihe „Schmutzige Gedichte“ …
Frei nach dem Selfie-Motto: ich putze also bin ich.
… bis man sich drin spiegeln kann. .))
Ein Lied für Sisyphos irgendwie.
Mag ich. 😄
Die Vergeblichkeit, und alle haben was davon. .)
Dahin ist nun die Frau im Spiegel?
Im Eimer ist sie fürderhin?
Bleibt noch, Herrn Waechters Hund hineinzustopfen *1)
Und sich zu spiegeln in des Eimerrandes Tropfen. *2)
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1) https://anglogermantranslations.wordpress.com/2011/03/14/es-lachelt-der-eimer/
2) http://www.literaturwelt.com/werke/klopstock/fruehlingsfeier.html
Hach! Danke! Hübsch und herrlich, alles Ergänzte!
Das Zerstäuben der Zeit, das Selbstbild in Schlieren- wunderbar und tiefgründig. Bin beeindruckt und erfreut.
Danke. Hat, anders als man denken könnte, Spaß gemacht.
Nein, nein- es hört sich genau so an, nach Spaß, oder besser noch Freude!