Hm.

Ich fürchte es schon länger, jetzt scheint’s so weit zu sein: bei WP kann ich mich offenbar nicht mehr über /wp-admin anmelden. Erst dachte ich: aha, also überhaupt nicht mehr; dann fand ich ein Hintertürchen bei Gravatar, und nun bin ich eingeloggt. Aber wer weiß, wie lange meine Frist ist, bis mir mein Zugang unterm Hintern wegmodernisiert ist.

Gibt es noch wen mit Schwierigkeiten, ...wordpress.com/wp-admin aufzurufen?

 

 

Zeiten wie diese

Ich bin Mensch. Menschen sind, global betrachtet, eine ziemlich schädliche Tierart, die sich für eine ganze Menge dessen, was sie tut, schämen muß (was sie kann, als eine der wenigen), aber es gibt auch menschliche Errungenschaften, auf die ich, als Mensch, stolz bin.

Da wäre zum Beispiel die Erklärung der Menschenrechte. Freiheit, Gleichheit und ein paar andere Annehmlichkeiten für alle, ganz gleich welcher Form, Konsistenz und Oberfläche. Gut, die Menschenrechte betreffen nur das Zusammenleben von Menschen und stecken in der Umsetzung oft in den Kinderschuhen, aber immerhin. Ein guter Anfang.

Leihnahme vom Herrn Wortmischer.
Leihnahme vom Herrn Wortmischer.

Wenn ein (gewähltes) Staatsoberhaupt gleich im ersten Fernsehinterview zu verstehen gibt, daß es auf Menschenrechte pfeift, dann hat es sich diskreditiert. Da müßte gar nicht noch hinzukommen, daß dieses Staatsoberhaupt auch Demokratie nur schätzt, solange sie ihm nutzt, und ansonsten das Gebaren eines Vierjährigen an den Tag legt.

Mich erstaunt, daß es gebildete Menschen gibt, die …

Stolperfallen

Die erste lag kurz hinterm Ortsausgang; keine Rutschgefahr, da festgefroren, mitten auf dem Wanderweg. Die zweite ein paar Kilometer weiter, erklärlicher, neben einer Ruhebank im Wald. Bei der dritten dachte ich mir nichts weiter, bei der vierten: oh, die hat an einem warmen Fleck gewartet, die ist angetaut von der Mittagssonne. Bei der fünften fragte ich mich, ob das wirklich die fünfte sei oder vielleicht doch immer dieselbe, die mich verfolgt? Bei der sechsten Begegnung habe ich sie dann fotografiert.

Alles Banane.
Alles Banane.

Moral von der Geschicht‘:
Wenn das Leben dir Bananenschalen auf den Weg wirft, nimm die Kamera und mach ein hübsches Bild davon.

 

 

 

 

Postfraß

Sagen, wie’s ist:

Befleckt, durchstoßen, offen, leer.
Umreifung gelöst.
Zerrissen, zer- oder eingedrückt.
Lose Verschlüsse.
Verschmutzt/durchnäßt:
Nässe durch externe Einflüsse entstanden
Nässe stammt vom eigenen Paketinhalt
oder (man weiß halt nicht) nicht bestimmbar.
Kein Defekt.
Kein Defekt, doch Klirrgeräusche.

[Zutreffenden Zustand bitte ankreuzen.]

 

Sehr geehrter Paketdienst,

heute sollte mein sehnlichst und seit Tagen erwartetes Paket eintreffen. Ich war außer Haus, also hatte ich im Geschäft nebenan gefragt, ob man es dort annehmen könnte, und jemanden organisiert, der es vor Ladenschluß für mich abholen würde. Im Laden hatte man ebenerdig Platz freigeräumt, und auch der Abholer war, dem Stadtverkehr zum Trotz, pünktlich vor Ort.

Womit ich nicht gerechnet habe, ist, daß der Zusteller den leuchtend gelb neben meinem Klingelschild prangenden Zettel ignoriert und das Paket einfach wieder mitnimmt. Ich kann es in zwei Werktagen bei meiner Postfiliale abholen. In zwei Werktagen aber ist der Zug abgefahren, der Käs gegessen, der Drops gelutscht.

Ich habe nun allerhand zusätzliche Kosten, ich habe Freundschaften strapaziert, und ich hätte das Paket morgen gebraucht. Dringend. Ich werde morgen keinen guten Tag haben.

Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, in denen mehr gelesen wurde. Zum Beispiel Zettel von Zustellern.

Mit mühsam beherrschten Grüßen.

 

 

 

Smart

Einmal war ich samstags im Wald verabredet. Genauer gesagt: an einem Dorfbahnhof am Waldrand; und um da hinzukommen, mußte ich morgens rechtzeitig meinen Schlafplatz unter einem Baum räumen, fünf, sechs Kilometer über Waldwege bis zu dem Dorf wandern und dann für den Fall, daß die Bahn nicht pünktlich wäre, ein Wartebuch in der Tasche haben. Der Zug kam, die Verabredung stieg aus, und wir gingen erst mal einen Kaffee trinken. Den Termin hatten wir am Donnerstag vorher ausgemacht. Das war 2013.

Ich kenne sonst wenig Menschen ohne Mobiltelefon, aber doch ein paar Leute ohne Smartphone. Einer davon ist R., der mehr von Technik versteht als die meisten und der deshalb sagt, er wolle nichts in seiner Tasche, das smarter sei als er. Nun hatte sich der Treffpunkt zum Essen geändert, das konnte man ihm per SMS mitteilen, aber die Wegbeschreibung? R. kam pünktlich und allerbester Laune. Mit Logik war er in der mittelalterlichen Stadt nicht weit gekommen; aber er hatte einige freundliche Menschen kennengelernt, als er nach dem Weg fragte.

Geschichten wie diese könnten mir nicht passieren. Ich habe schon das schnurlose Telefonieren aufgegeben; ich verliere alles Schnurlose. Weil keine Schnur dran ist, vermute ich. Oder vielleicht auch, weil ich mich nicht angebunden fühlen mag.

 

 

Qual der Wahl

„Welchen von diesen beiden würden Sie nächsten Sonntag wählen?“ In der Fußgängerzone steht eine Frau mit Kamera und Mikrofon vor zwei Politikerfiguren, lebensgroß, aus Pappe. Ich pralle zurück und wechsle die Straßenseite. Solche Fragen möchte ich nicht beantworten müssen. Den einen, müßte ich sagen, kenne ich zu wenig. Den anderen hingegen, den kenne ich viel zu lang.
***
Im Kindergartenalter mußten wir zusammen spielen, während die Eltern geschäftlich zu tun hatten. Ich mochte diese Termine nicht; sie waren war so … leer. Er zeigte sein neues Spielzeug, mit dem wir dann nicht spielten; keine Phantasiewelt, keine Vertrautheit, nicht einmal irgendein heimlicher Regelbruch konnte uns verbünden. Ich ging bedrückt und schlecht gelaunt.
Aber wir blieben einander erhalten. In der Grund- und später der weiterführenden Schule waren wir in Parallelklassen; erst in der Oberstufe besuchten wir dieselben Kurse. Er saß immer seitlich vorn, sah auf eine glatte Art gut aus und hatte passable Noten. Die erzielte er mit Antworten auf leichte Fragen und, verließen wir das Terrain, das er vorbereitet hatte, seinem gewinnenden Lächeln.
Er wußte sich vorteilhaft darzustellen, ohne irgendwo dabei zu sein. Ich hätte weder sagen können, was er vertrat, noch, wofür er sich interessierte. (Sein Freundeskreis war seine Lerngruppe – sie besorgten sich das Lehrermaterial zur Schullektüre und hatten so die Interpretationen immer richtig.) Der Schützenverein, vielleicht: ein Jahr war er Schützenkönig und die Zeitungen voller strahlender Bilder, voller heimatverbundener Aussagesätze, die keinem wehtaten.
Nach Jahren sehe ich ihn wieder in der Zeitung: Politiker ist er geworden. Gut ausgeleuchtet neigt er sich zu Kindern hinab oder leiht älteren Mitbürgern das Ohr. Sein Lächeln auf Plakaten. Seine Wortmeldungen: wenig Verbindliches, kaum Inhalt, Herz gar keines. Gern: Empörung, wohlfeil. Aalt sich, wo die Sonne der Aufmerksamkeit scheint; windet sich um Fragen. Hackt zu, wo er eine Mehrheit hinter sich wittert. Er wird’s, heißt es, weit bringen; mir graut davor.

T-Shirts, bedruckt

Kleider machen Leute – Beschwerdestelle.
 
Es ist nicht so dauerhaft wie tätowierter Text, doch auf T-Shirts tragen Leute ganz schönen Quatsch spazieren. Einerseits selbst ausgesuchten und formulierten Blöd-, Un- oder Hintersinn, aber eben auch das, was halt so draufstand auf den Hemdchen im Dreierpack. Da werden irgendwelche Golf-, Polo- und Segelclubzugehörigkeiten behauptet oder Wörter wie Sonnenschein, lieblich oder gute Zeiten randomisiert zu Mustern zusammengebraten – ist ja egal, liest sowieso keiner, und ist obendrein Englisch.
Stimmt nicht! Beispiel: Meine Mitschülerin hatte ein T-Shirt, auf dem stand What’s do? Chap! I saw a flying saucer! Sie saß damit ein paar Schulstunden lang in meinem Blickfeld, zu einer Zeit, da wir noch nicht einmal Englisch hatten. Und ich weiß das immer noch! Wieder Gedächtniskapazität für nichts und wieder nichts verbraten.
Ich frage mich, wozu ich, wozu die Menschheit in der Lage wäre, wenn man uns das Hirn nicht derart vollmüllte – wir werden es wohl nie erfahren. Liebe Kleiderdesigner, laßt das doch bitte einfach bleiben.
 
 
 

Die Bundfaltenhose

Zu Kleider machen Leute — einfach unwiderstehlich.
 
Als Kind hatte ich eine Hose, die bauschte sich im Sitzen immer so doof im Schoß. Ich lernte: das ist eine Bundfaltenhose, weshalb es jedes Mal hieß, wenn es um die Kleidung für den kommenden Morgen ging: aber nicht die Bundfaltenhose!
Kürzlich wollte der Mann einen Anzug. Im Laden brachte der Verkäufer einen und reichte ihn in die Kabine. Nadelstreifengeraschel; dann trat der Mann hinter dem Vorhang hervor und guckte an sich runter. Stellte sich x-beinig. Rutschte vorm Spiegel so ein bißchen seitwärts hin und her. Sagte: Hm, komisch. Ich aber wußte gleich, womit wir es hier zu tun hatten: Eine Bundfaltenhose! Wie sieht das erst im Sitzen aus!
Der Verkäufer zog die Augenbraue hoch. Das andere Modell hat auch eine Bundfalte, sagte er zum Mann.
    Dann möchte ich bitte ein Modell ohne Bundfalte.
    Tut mir leid, wir haben im Moment nur Modelle mit Bundfalte.
    Wieso, zum Uhu, das denn?
    Das trägt man heute so.
Es wurde dann also kein Anzug; der Mann wollte nicht aussehen, als trüge er einen Schwimmring in der Buxe. Schon gar nicht aus modischen Gründen. Mal sehen, wie lang es dauert, bis die Bundfalte wieder da ist, wo sie hingehört: in der Versenkung.
 
 
Nachtrag: Herr Ferrer von untrans.eu hat eine wunderbare Illustration zum Thema erstellt. Ich sage nur: Flecken! Fliegen! Problemzonen in mehreren Sprachen!