Zu Kleider machen Leute — einfach unwiderstehlich.
Als Kind hatte ich eine Hose, die bauschte sich im Sitzen immer so doof im Schoß. Ich lernte: das ist eine Bundfaltenhose, weshalb es jedes Mal hieß, wenn es um die Kleidung für den kommenden Morgen ging: aber nicht die Bundfaltenhose!
Kürzlich wollte der Mann einen Anzug. Im Laden brachte der Verkäufer einen und reichte ihn in die Kabine. Nadelstreifengeraschel; dann trat der Mann hinter dem Vorhang hervor und guckte an sich runter. Stellte sich x-beinig. Rutschte vorm Spiegel so ein bißchen seitwärts hin und her. Sagte: Hm, komisch. Ich aber wußte gleich, womit wir es hier zu tun hatten: Eine Bundfaltenhose! Wie sieht das erst im Sitzen aus!
Der Verkäufer zog die Augenbraue hoch. Das andere Modell hat auch eine Bundfalte, sagte er zum Mann.
Dann möchte ich bitte ein Modell ohne Bundfalte.
Tut mir leid, wir haben im Moment nur Modelle mit Bundfalte.
Wieso, zum Uhu, das denn?
Das trägt man heute so.
Es wurde dann also kein Anzug; der Mann wollte nicht aussehen, als trüge er einen Schwimmring in der Buxe. Schon gar nicht aus modischen Gründen. Mal sehen, wie lang es dauert, bis die Bundfalte wieder da ist, wo sie hingehört: in der Versenkung.
Nachtrag: Herr Ferrer von untrans.eu hat eine wunderbare Illustration zum Thema erstellt. Ich sage nur: Flecken! Fliegen! Problemzonen in mehreren Sprachen!
Das trägt man heute so! Aha.
Hat mich jetzt dran erinnert, dass ich als junges Ding immer schwarze Knickerbocker trug. Das trug man damals gar nicht so.
Gruß von Sonja
Knickerbocker! Die haben schon als Wort das Getragenwerden verdient. Wie schön.
Fast genauso schlimm wie sie „slim Jeans“… 😉
Da frage ich mich nicht nur in den Geschäften: an wem sieht so was gut aus?
Es ist ja in der Tat so, dass man (insbesondere als Mann) in der Bundfaltenhose aussieht, als hätte man die Prostataoperation bereits hinter sich und trüge Rentnerwindeln. Ein gefährliches Kleidungsstück!
Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, dass Du die Bundfaltenhose im Rahmen des Kleider-machen-Leute Projektes zum Thema gemacht hast. – Herzlichen Dank dafür!
Haha! Eine(r) muß doch. Der Widerstand gegen die Bundfaltenhose scheint mir erschreckend schwach ausgeprägt.
Hier hängen noch zwei oder drei auf den Bügeln aus der Zeit, als man das so trug und nichts anderes zu haben war. Immer graut mir davor, dass der Herr des Hauses sie wieder mal versehentlich anzieht. Ich darf in seinem Kleiderschrank aber auch nichts einfach ungefragt verschwinden lassen. Sie sind ja alle noch „gut“, was bedeutet: „nichts dran“, außer Bundfalten. Eine davon hat diese Doppelbundfalten, das sind die schlimmsten. Ich habe sogar mal gegrübelt, ob man die irgendwie herausschneiden kann. Dem Mann ist das so oder so egal, er sieht sich ja nicht.
Rausschneiden: geht, ist aber übel aufwendig. (Bund abtrennen und so.) Vielleicht lieber einen knielangen Pullover verschenken, dann sieht man’s nicht mehr.
Bundfalte geht gar nicht!
Finde ich ja auch; es muß eine Art Massenpsychose sein …
Was war ich froh, als damals die Bundfalten von den Hosen verschwanden – und was war ich erschüttert, als sie sich plötzlich in Modezeitschriften aufs Neue entfalteten! Die Mode hat ein kurzes Gedächtnis. Hoffentlich setzt sich das Gefältel nicht wieder durch ; )
Habe ich nie getragen, musste ich zum Glück auch nicht. Und ja: mein Schön geht anders. 🙂
Dein weiser Mann!
Petra: Ach, wenn man auch noch anderes kaufen könnte …! Periodische Geschmacksverwirrung ist ja manchmal ganz unterhaltsam, aber wenn man mitmachen soll —
Soso: Ein Mangel an Modebewußtsein kann Vorteile haben! ,))
Als ich noch ganz, ganz schlank war, also vor Jahrzehnten, da hatte ich auch mal Hosen mit Bundfalten. Dann waren sie viel Jahre komplett unmodern, wundert mich, dass es jetzt wieder so modern zu sein scheinen, dass einige Läden keine Anzüge ohne Bundfalten mehr haben.
Schlimmer als Anzüge fand ich Jeans mit Bundfalten; mal schauen, ob die Mode das auch noch durchexerziert.
Jeans mit Bund- und Bügelfalten …
… und Gürtel und Hosenträger. Und unten aufgekrempelt.