Elefanten, Labyrinthe, Kathedralen

Es gibt Dinge, da fragt man sich jedes Mal, wenn man sie macht, warum man sie eigentlich nicht viel öfter macht. Ein solches Ding sind Wanderungen mit SoSo und Irgendlink. Mit zwei Bild- und Wegemenschen gehen heißt, mit Adleraugen schauen und sich in Höflichkeit üben. Oh, da, ein Schild! Neinnein, mach erst du ein Bild, du hast es zuerst gesehen. Überhaupt sind diese Wege immer zweierlei: An- und Abstiege, Rasten und Fernblicke, aber eben auch: Augenweiden, neue Geschichten, andere Richtungen für die Gedanken.

öder Parkplatz
Dieser Platz ist Herrn L. Dietzel gewidmet.

Der Winter fällt dieses Jahr aus, auch in der Pfalz; also wird es keine Winterwanderung. (Schnee ist so selten geworden.) Der Weg heißt „Lebensweg“, startet und endet in Enkenbach-Alsenborn und bietet allerhand an seinen Rändern: Bänke und Aussichten, die Quelle der Alsenz (auch die fällt zur Zeit aus), eine napoleonische Schanze, die A63 (nervt), ein Meditationslabyrinth.

Wir starten in einem Neubaugebiet, aber es hat kaum Gelegenheit, mich zu deprimieren. Zum Lebensweg?, fragt eine Frau aus dem Autofenster. Der geht da vorne links die Treppe hoch.

Am Weg gibt es Stationen mit Gedichten. Eine heißt: Unfalltod; die liegt unter dem Rauschteppich der Autobahn. Eine andere bietet das Meditationslabyrinth: einen großen Kreis aus Rindenmulch mit roten Sandsteinkanten. Das gehen wir in unseren unterschiedlichen Geschwindigkeiten (aber doch eher flott, es ist windig). Von oben muß das hübsch aussehen. Hinaus nehmen wir die Direttissima; es gibt ja noch mehr zu sehen.

Den Ackerelefanten, zum Beispiel. Der steht auf einem Verkehrskreisel, ein grimmiges Tier, angeschirrt vor dem Pflug eines Bauern. Irgendlink kennt die Geschichte dazu: Zwischen den Kriegen hatten nicht nur die Dorfbewohner nichts zu essen, sondern auch die Tiere des hier überwinternden Zirkusses (statt Wirtschaftsflucht nach Übersee waren die findigen Alsenborner Artisten geworden, seit Generationen schon). Und weil alle Pferde requiriert worden waren und die Felder brach lagen, probierte man es zum Pflügen mit einem Elefanten – die Geschichte ging nicht gut aus, der Elefant riß aus und plünderte ein Rübenfeld; und am Ende ist er wohl doch verhungert, wie die anderen Zirkustiere auch. Aber man hatte es versucht.

Verkehrskreisel
Der berühmte Ackerelefant.

Zum Ende des Tages finden wir inmitten von Parkplätzen eine von den immensen Sandsteinkirchen dieser Gegend, ein feuchtes Ding aus Sandstein; ihre Schönheit ist unbeleuchtet womöglich noch gesteigert. Als wir aus dem dichter werdenden Dunkel hinauswollen, kommt uns eine alte Frau entgegen, gezogen von einem kleinen rosa Kind: das strebt magnetisiert auf die Krippe zu. Echte Attraktionen.

Auf der Rückreise denke ich ein bißchen über den (verborgenen) Nutzen von Kirchen nach und über die (sehr offensichtliche) Häßlichkeit von Parkplätzen; darüber, daß man, wenn man Deutschland sehen will, die kleinen Städte besuchen muß. Und daß man ein paar Dinge wirklich ganz dringend öfter machen sollte, nämlich Wanderungen mit SoSo und Irgendlink.

Reif und Schlamm

Das Jahr ist noch ganz jung, aber springt schon wie ein Hase auf der Flucht und schmeißt mit Terminen um sich. Herr G. hat den einzig vernünftigen Vorschlag: Rausgehen. Bißchen frieren, bißchen in die Ferne gucken; 27 Kilometer, da weiß man abends, was man geschafft hat, und kann nachts gut schlafen.

Mit zusammengekniffenen Augen die Ferne sehen.

Einmal Eifel wird es. Da gibt es ein Kreuzberg mit (immerhin) einem Bahnhof; das wollen wir vom Rhein aus erreichen. Die Strecke kenne ich schon, aber nicht so gut wie Herr G., der den Weg ohne Karte findet. Kaffee wird es keinen geben, das wissen wir bereits; Schnee schon gar nicht. Dafür haben wir Reif in den Morgenstunden, später Schlamm – und eine ziemlich veränderte Landschaft. Ganze Waldstücke sind nur noch Stümpfe, geschlagene Fichten säumen hoch getürmt die Wegränder. Ich erinnere mich an den Mann mit dem Eimer Markierungsfarbe, der uns Ende des vergangenen Sommers aus einem Waldstück anderswo entgegenkam; er schaute drein, als hätte er ein Gespenst gesehen.

Das hier, sagt Herr G., sieht jetzt schlimm aus. Wenn man es so ließe, würden nächstes Jahr die Birken schießen; dann kämen überdauernde Laubbäume, und in fünf Jahren wäre alles zugewachsen. Das wird wohl nicht passieren; schließlich will man den Wald wirtschaftlich nutzen. Douglasien, schätzt Herr G., mit Glück nicht in Monokultur.

Man müßte, denke ich, viel mehr Bäume pflanzen. Etwas wirklich Nützliches; wie ein Eichhörnchen – Nüsse verstecken und vergessen käme mir entgegen. Man müßte mehr zu Fuß gehen. Man müßte mehr schauen. Man müßte mehr bleiben lassen. Weniger ist alles, was wir brauchen, habe ich gelesen (als Werbeslogan, um mehr zu verkaufen).

Es wird früh dunkel. Wir kommen ans Ziel mit dem letzten Licht.

Der Tag bleibt hinter den Stämmen hängen.

Zum neuen Jahr: Pokal mit F

Das wichtigste zuerst: Ein gutes neues Jahr allen Leserinnen und Lesern!
Jahr gibt’s für alle, Pokal nur einen. Daher habe ich mich nach dem letzten Lebkuchen der Saison und zwei Kaffee der Jurytätigkeit gewidmet und war von den Einträgen höchst entzückt. Herzlichen Dank allen, die mitgemacht haben!
Von Liebesdrama über Verkehrschaos bis zu Umweltkatastrophe war alles dabei; dazu noch eine Redensartüberkreuzung und die hübsche Vorstellung, die Stadtvögel könnten versuchen, sich im Straßenbelag zu verewigen (nun ja, bei der Aufmerksamkeitsspanne …).
Den Vogel abgeschossen hat dann aber mit dem letzten Eintrag Frau liuea:

Tango fandango di Paloma fantoma

HAHAHA! Und dann auch noch: Fünf Wörter, zwei Reime – Chapeau!

Zum nächsten Freitagstexter sehen wir uns dann wohl auf Antville wieder. Ich freue mich!

Letzter Freitagstexter vor dem Jahreswechsel

Da hatte der Pokal eine hübsche, verwinkelte Bleibe beim Herrn Stresemann gefunden, aber das anhängliche Ding: nun ist es wieder da. Danke!

Bei Durchsicht der Bildarchive stieß ich auf ein eindrucksvolles Wetterphänomen, das darauf beruht, daß Wasser bei niedrigen Temperaturen den Aggregatzustand wechselt; die Älteren werden sich erinnern.

Hier könnte Ihr Freitagstext stehen!

Nun also: Hier ist die Gelegenheit, die weihnachtsträgen Hirnwindungen mit einer kleinen Wortgymnastik (ohne Posaunenchor) von Spekulatiuskrümeln zu befreien und dafür einen 1-A-Digitalpokal abzustauben. Anders als die meisten Weihnachtsgeschenke glänzt er ganz echt golden und nimmt keinerlei Regalplatz weg.

So geht es: Bildunterschrift einfallen lassen, bis Silvester (Dienstagmitternacht; Sekt!) hier in einen Kommentar tippen, Spaß haben. (Wer nicht riskieren will, den Freitagstexter selbst ausrichten zu müssen, möge „außer Konkurrenz“ dazu vermerken. Es ließe sich aber auch ein Gastbeitrag hier bei mir arrangieren, dann braucht man nur ein Bild zum Ausrichten und kein eigenes Blog.) Am Mittwoch wird dann verkündet, wo es 2020 weitergeht, denn: weitergehen muß es. Ich freue mich auf das, was in den ersten Stunden des neuen Jahres hier zu lesen sein wird.

Wie üblich: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Wünsche Vergnügen!

 

 
 

Freitagstexter: da geht er hin, der Pokal

’s ist Winterszeit, und im Schein der Wohnzimmerlampen wächst die Texterfreude. Wie schön: neun Unterschriften sind es geworden, unter immerhin fünf konkurrierenden hatte ich zu wählen. Es ist schwierig wie immer; ich mag den Drall zum Science Fiction, den das Ganze einerseits genommen hat, und andererseits den Entwurf autofreier Utopien, wie sie mir selbst vorschweben. Auch der biologischen Erklärung des Bildes kann ich einiges abgewinnen. Gewonnen hat aber dann doch, wie eigentlich stets im Leben, die Verwaltung: Der Herr Stresemann kennt sich im Dschungel der Verordnungen aus.

In Münster hat jeder vierte Einwohner einen Hund und jeder Einwohner bis zu drei Fahrräder. Statistisch gesehen kommt bei 12 Hektar Bäumen auf jeden Münsteraner ein Baum. Es soll aber in Münster auch Bäume geben, die haben ihr eigenes Rad, sofern sie keinen Hund halten dürfen.

Die Vorstellung von hundehaltenden Bäumen hat mir gefallen; getoppt wird das nur noch von Bäumen, die Fahrrad fahren …

Vielen Dank an alle Kommentatoren, die mit Wettbewerb, die außer Konkurrenz und die einfach so; hat Spaß gemacht! Und dann auf zum nächsten Bild bei Herrn Stresemann.

Wird sicher ganz normal!

Ist denn schon wieder Freitagstexter?

Vom Herrn Schlabonski habe ich da einen Pokal eingesackt, digital und besser poliert als das Objekt der letzten Betextung. Danke! Und nun will der Bembel vor allem eins: weiter. Für den neuen Freitagstexter wechselt er das Verkehrsmittel …

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So will es das Regularium: Bildunterschrift einfallen lassen, bis Dienstagmitternacht hier in einen Kommentar tippen, Spaß haben. (Wer nicht riskieren will, den Freitagstexter selbst ausrichten zu müssen, möge „außer Konkurrenz“ dazu vermerken.) Am Mittwoch werde ich dann höchst subjektiv und vollkommen intransparent, aber unumstößlich entscheiden, wo der Pokal als nächstes Station macht.

Wie üblich: Regeln beim Herrn Wortmischer. Infos auf Twitter. Erstkommentare schalte ich frei, sowie ich sie finde.

Kommet in Scharen, textet, was das Zeug hält! Viel Spaß!

 

 
 

Zum Jahresende: Flusensieb

Während andere zum Jahresende in die Kristallkugel blicken, schaue ich in mein Flusensieb: da findet sich nicht, was die Zukunft bringt, sondern was in der Vergangenheit gefehlt hat; Seltsames und nur allzu Erklärliches; natürlich Marienkäferlarven und Abwesenheitsbenachrichtigungen und einiges von der Kategorie Was erlaube Algorithmus?

lakritz puding
lakritz kohl
lakritz fluss

… ähmja.

wozu ist lakritz gut

Weiß ich nicht; aber ist gut, doch.

text abwesenheit inge weihnachten

(Mehrfach gesucht.) Inge, wer auch immer Sie sind: personalisierte Texte müssen Sie sich selbst schreiben.

hirschhornsalz vergessen aufzulösen

Ist mir auch schon passiert. Nicht so tragisch, nur optisch nicht so hübsch.

kilt hochgeweht und schottenärsche zu sehen

Hier, bei mir? Ganz gewiß nicht.

käfer auf fensterbank ist immer auf dem rücken grüne flüssigkeit beim töten

Was Sie in Ihrer Freizeit machen, geht mich ja nichts an; aber ich finde, das geschieht Ihnen recht.

ackerbau in pankow

Kenne ich. Gute Wahl; einfach hier entlang.

Bitte, gern geschehen!