Hastenichgesehn: Eierbecher 11

Damit es keinen Ärger gibt, verrate ich an dieser Stelle nicht, in welchem Museum der Sockel steht, der neben (nagut: hinter) seiner gewohnten Bronze nun auch Eierbecher Nummer 11 trägt. Oder, das weiß ich jetzt natürlich nicht so genau, zumindest für eine Weile getragen hat.

Bei der Bronze handelt es sich um eine Elwedritsche meines Lieblingsbrunnengestalters. Seine Wasser-Spiel-Skulpturen sind ein Ereignis in jeder Stadt und an Aufforderungscharakter unübertroffen.
Die Ausstellung ist klein, aber einen Abstecher wert — und der nächste Spielbrunnen nur 200 Meter entfernt.

Grenzfall: Eierbecher 8

Bad Säckingen ist ein propres Städtchen am oberen Rhein. Am anderen Ufer und am Ende einer überdachten hölzernen Brücke liegt die Schweiz. Außerhalb der Geraniensaison gibt sich der Bohlenbau duster und zugig; man freut sich, auf der einen oder der anderen Seite Kopfsteinpflaster unter die Sohlen zu bekommen.

Ziemlich mittig überm Wasser habe ich den achten Eierbecher abgestellt, ein hübsches, welliges Kerlchen aus Glaspaste. Mit einem Gruß hundert Kilometer flußauf- und schweizwärts an Lenz.

(Gerne wüßte ich, ob der Eierbecher jetzt in der Schweiz oder in Deutschland wohnt oder, was auch etwas hätte, direkt unten am Grund des Flusses?)

Kunst, Handwerk und Eierbecher 6

Kunsthandwerker sind fahrendes Volk; wo ein Markt ist, da ziehen sie hin und zeigen ihre Waren. Lenkt man den Blick etwas weg von den ausgestellten Schönheiten und schaut sich das Drumherum und Untendrunter an, so sieht man’s: leichte Standkonstruktionen, Klapptische mit schwungvollen Tüchern, das alles effektvoll illuminiert von Steckleuchten — meist nicht mehr als eine Kofferraumfüllung, im Fluge auf- und wieder abgebaut.

In Darmstadt findet einmal jährlich die KunstObject statt, eine kleine, renommierte Schau ausgesuchter Kunsthandwerker. Ein Saal der Orangerie verwandelt sich nach dem Aufbau der Stände in ein Schmuck- und Schatzkästchen mit lauter schönen, originellen und erstaunlichen Dingen: Kleidung, Schmuck, Skulpturen, praktische Schönheiten und wunderbarer Unsinn — man könnte zum Sammler werden an diesen beiden Tagen.

Verlockend, unter vielen anderen: die Riesen- und die Taschenkaleidoskope von M. & U. Karl, nicht nur hypnotisch, sondern auch noch gut anzufassen; Kombinationen aus Papier und Filz in herrlichen Farben von Wiebke Steinwedel; Kim Ehrentrauts außergewöhnlicher Schmuck aus Silber, farbigen Perlchen und alten Fotos in Email; die unbegreiflich zarten Klöppelkreationen von Stefanie Kölbel; tatsächlich ein richtiger Schuhmacher mit robusten wie schönen Schuhkreationen, natürlich maßgefertigt — genug zu schauen für eine, ach was, für zwei Wochen. Und wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich hier schwer bepackt von dannen ziehen.

Eierbecher Nummer Sechs wirkt zwischen all der fedrigen Eleganz zwar ein bißchen wie die ältliche Verwandtschaft vom Lande, hat es aber immerhin in eine Schmuckvitrine geschafft.

Eierbecher 5

Jetzt steht er in Schorndorf an der Rems, wo schwäbischer Erfindergeist zuhause ist, Fachwerk und Kopfsteinpflaster um die Wette glänzen und der Himmel irgendwie größer als anderswo erscheint.

Für den Eierbecher samt seinem Goldrand habe ich einen wunderhübschen Platz gefunden, an einem außergewöhnlichen Ort in dieser Stadt: in einer Schmuddelecke. Mit Kunst im Durchgang.

Eierbecher 3

Den vermutlich ältesten mit der eigenartigen Trichterform habe ich geschenkt bekommen, weil er doch ein paar Macken hatte. Jetzt reckt er sich in der Blumenrabatte vor meinem allerliebsten Haushaltswarengeschäft. (Diesen Sonntag übrigens geöffnet.) Er macht sich hübsch zwischen Primeln, Narzissen und Schlüsselblumen; ich stelle mir vor, daß sich seine unversehrten, nagelneuen Kollegen hinter der Schaufensterscheibe drängeln, um ihn zu sehen… Vielleicht darf er bis zur Sommerbepflanzung bleiben?