Kleider machen Leute – don’t try this at home.
Falls Sie etwa die Federboa suchen sollten, zu der geht es hier entlang. Ich möchte heute lieber vom Garderobenbügel erzählen. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen, deswegen kann ich das ruhig.
Mit Frau Amsel war ich im Theater, in so einem Studioding, hübsch über den Dächern der Stadt, da nimmt man Treppensteigen gern in Kauf. Foyer und Bar waren gleich vor dem kleinen Saal, und da war auch die Garderobe. Die bestand aus nichts als einer Kleiderstange voller Bügel; wer wollte, der konnte.
Und an dieser Kleiderstange hing, unter lauter unauffälligen Geschwistern, er. Der Garderobenbügel. Frau Amsel, die meine Hobbies kennt, hängte gleich ihre Jacke darauf. Was aber nun? Stehlen, an einem Ort, den wir sicher wieder besuchen wollen würden? Ein Theater, und sei es auch nur seine Garderobe, schädigen?
Ich beschloß: fragen kostet nichts, stehlen kann man notfalls immer noch, und wandte mich an den Kartenabreißer. Wer für die Garderobe zuständig sei? Oh, sie könnten keine Garantien übernehmen, jeder Besucher sei gehalten, selbst auf seine … Neinnein, wie man zum Beispiel an so einen Bügel käme? Da wäre so ein interessanter … Der junge Mann stutzte. Ein Bügel? Also, er sei da leidenschaftslos. Wenn wir es nicht allzu auffällig machten – er habe nichts gesehen.
Frau Amsel nahm nach der Vorstellung ihre Jacke über den Arm. Den Bügel darin, den habe ich jetzt. Hier ist er.

Ich danke herzlich allen Beteiligten.
Schlagwort: Kleiderbügel
Unterwegs
Etwas über Kleiderbügel
Gerade habe ich irgendwo gelesen, die sperrigen Drahtkleiderbügel aus den Reinigungen sollen durch umweltfreundliche aus Wellpappe abgelöst werden. Daraufhin habe ich mal nach »Kleiderbügel mit Wäschereiaufdruck« gegoogelt — und anscheinend bin ich der einzige Mensch im ganzen wilden, weiten Web, der sich für sowas interessiert.

Nein, ich sammele sie nicht — sie sammeln sich bei mir. Aus der eigenen und ein paar anderen Familien, aus Haushaltsauflösungen und ererbten Kleidungsstücken. Einmal konnte ich auf einer Wanderung dem Sperrmüll nicht widerstehen und habe dann sieben Exemplare zwölf Kilometer durch den Wald getragen.
Da hängen sie an meiner Garderobe, mit ihren Werbesprüchen von Wäschereien und Schneidermeistern. Bieder, honett und entwaffnend optimistisch. So, als würde es Betriebe ewig geben, als seien Adressen gottgegeben und unveränderlich, die Maßschneiderei ein bombensicheres Geschäft. Als würden Kleiderbügel niemals weggeworfen werden.
Diese Relikte einer Zeit, der »Made in China« oder das Internet nicht im Traum eingefallen wären, rühren mich. Eigentlich ist es nur passend, daß Google so gar nichts zu diesen Bügeln weiß … Das allerdings dürfte sich mit diesem Blogeintrag ändern.
PS (Januar 2010): Hier findet sich noch mehr über Kleiderbügel.
PPS (November 2013): Hier ein eindrucksvolles Bild: So sieht es bei einem echten Sammler aus.

