Der Garderobenbügel

Kleider machen Leute – don’t try this at home.
 
Falls Sie etwa die Federboa suchen sollten, zu der geht es hier entlang. Ich möchte heute lieber vom Garderobenbügel erzählen. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen, deswegen kann ich das ruhig.
Mit Frau Amsel war ich im Theater, in so einem Studioding, hübsch über den Dächern der Stadt, da nimmt man Treppensteigen gern in Kauf. Foyer und Bar waren gleich vor dem kleinen Saal, und da war auch die Garderobe. Die bestand aus nichts als einer Kleiderstange voller Bügel; wer wollte, der konnte.
Und an dieser Kleiderstange hing, unter lauter unauffälligen Geschwistern, er. Der Garderobenbügel. Frau Amsel, die meine Hobbies kennt, hängte gleich ihre Jacke darauf. Was aber nun? Stehlen, an einem Ort, den wir sicher wieder besuchen wollen würden? Ein Theater, und sei es auch nur seine Garderobe, schädigen?
Ich beschloß: fragen kostet nichts, stehlen kann man notfalls immer noch, und wandte mich an den Kartenabreißer. Wer für die Garderobe zuständig sei? Oh, sie könnten keine Garantien übernehmen, jeder Besucher sei gehalten, selbst auf seine … Neinnein, wie man zum Beispiel an so einen Bügel käme? Da wäre so ein interessanter … Der junge Mann stutzte. Ein Bügel? Also, er sei da leidenschaftslos. Wenn wir es nicht allzu auffällig machten – er habe nichts gesehen.
Frau Amsel nahm nach der Vorstellung ihre Jacke über den Arm. Den Bügel darin, den habe ich jetzt. Hier ist er.
gewandbuegel
Ich danke herzlich allen Beteiligten.
 
 
 

0 Kommentare zu „Der Garderobenbügel

      1. („Ich bin da leidenschaftslos“ anstelle eines „Das ist mir eigentlich egal“ habe ich bisher nur von akademischen Philosophen gehört. Aber wer weiß, wie BWLer sind …)

  1. Da tun sich ja Abgründe auf! – Von Menschen, die Aschenbecher in Cafés und Kneipen einstecken, hab ich schon gehört. Und woher der Bademantelträger in der Sauna sein Stöffchen mit dem Emblem eines 5-Sterne-Hotels hat, ist auch klar. Aber Kleiderbügel? Ich stelle mir gerade Deine eigene Garderobe zu Hause vor.
    Ich selbst habe eine Weile lang Bierfilze aus Kneipen mitgehen lassen. Bis mir die Ablage der Dinger zu unübersichtlich wurde und ich die ganze Kiste an einen echten Sammler aus meinem Bekanntenkreis weitergegeben habe.
    Na ja, jedenfalls vielen Dank für den schönen Text. Und die Boa würde ich schon auch ins Kleiderschrank-Projekt legen, wenn Du magst.

  2. Köstlich! Jetzt verstehe ich, warum seit einigen Jahren in so vielen Hotels die Bügel aus zwei Teilen bestehen: ein Teil hängt fest an der Stange im Schrank, daran wird der eigentliche Bügel aufgehängt. Wo anders passt er nicht, er hat keinen Hacken mehr, nur so eine Art Knubbel, der im Schlitz am fest eingebauten Teil einrastet. So kann man seine Hemden nicht mehr im Bad aufhängen, was ich morgens gerne mache, damit der Dampf beim duschen die Falten glätten. Daher nehme ich auf Dienstreisen öfter die Drahtbügel mit, die man bei der Reinigung bekommt. Sie sind potthässlich, aber nehmen kein Platz im Köffer ein und wiegen nichts. Hübsche Geschichte, vielen Dank für das geschenkte Morgenlächeln

    1. Haha, das ist eine gute Idee! Das werde ich auch mal ausprobieren, wofern die Bügel noch geeignet sind. (Aus Hotels nehme ich keine Bügel mit, und überhaupt: nur, wenn sie mir zulaufen.)

    1. Ich habe auch den schönen Satz gelernt: wer viel fragt, kriegt viel Antwort. Wann ich das eine und wann das andere tun muß, weiß ich leider immer noch nicht zuverlässig.

  3. Der Nächste kann seinen Mantel in die Eck werfen. Früher hatten Kleiderbügel oft so schöne Inschriften der Hersteller. Dein Zulauf ist wunderschön geschwungen, der war im ersten Leben ein Bumerang.

  4. Ha, diese Kleiderbügel kenne ich noch aus meinen Schulzeiten, als ich an den Städtischen Bühnen mitunter die Statisterie verstärken durfte. Hätte ich zu gerne gehabt, habe mich aber nie getraut, danach zu fragen.

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