Büßerwege

Von Kobern-Gondorf nach Löf veranschlagt der Moselsteig 14 Kilometer. Klacks, sind Herr G. und ich uns einig, da kennen wir anderes, und stiefeln im Frühtau los. Auf dem ersten Anstieg am bewaldeten Hang knistert das Laub gefroren. Steil, jaja, aber oha, die Aussicht!

Moselsteig Wegmarke
Deutlich kantiger als der Rheinsteig: der Moselsteig.

Die Mosel ist schmaler als der Rhein und nicht so befahren — eine Bahnlinie nur, viel weniger Schiffe –, und so verschwindet sie zeitweise fast lautlos zwischen den Kulissen der Hügel. Hier scheint der Weinbau noch dominanter als am großen Fluß. Jetzt, im Winter, glänzen die Hänge kahl wie Holz; als Nagelreihen sitzen die Reben in den steilen Flächen, und tatsächlich ist es so: mit ihrem tiefen Wurzelwerk halten sie die Hügel zusammen. Die steilsten Lagen und die, die nicht so viel Sonne bekommen, wurden inzwischen aufgegeben; da wächst jetzt dunkles Buschwerk, und die Terrassen sind nur noch zu erahnen.
Unsere Strecke ist vermutlich die katholischste, die wir je hatten. Gleich drei Kreuzwege, Prozessionswege mit Heiligenhäuschen als Bußstationen, müssen wir hinauf und fragen uns, wie Priester und Gläubige wohl singen bei der Steigung.
Da drüben wollen wir hin, da ist schon die Brücke. Wie passen da vierzehn Kilometer zwischen? Einfach: diesen Kreuzweg hoch zur Wallfahrtskirche. Von da einen Kreuzweg runter (Himmel hilf!) ins Dorf. Von da einen Pfad (nur ein Kreuz) rauf zur Burg. Etc. p.p. Wenn die Ebene nicht reicht, faltet man den Weg halt in die Höhe.
Herr G. und ich bestaunen die Aussicht. Die ist so malerisch, da kann die Rheinromantik einpacken. Burg Thurant öffnet erst im März wieder für Besucher, aber das Beinhaus von Alken können wir anschauen und auch den Ort, der uralt wirkt, gebaut aus dem kantigen Stein der Gegend.
ms-schnee ms-sonne ms-beinhaus ms-thurant ms-terrassen
Als wir schließlich die andere Flußseite erreicht haben — kein Kaffee in Löf –, stellen wir fest, daß diese vierzehn Kilometer es in sich hatten. Aber … vierzehn Kilometer? Was sollen wir denn da zuhause erzählen? Die Ehre gebietet, noch eine Bahnstation weiter zu gehen, auch wenn die Knie knirschen. Also nehmen wir den Moselsteig zum Ort hinaus.
Es ist ein Kreuzweg.

0 Gedanken zu „Büßerwege

    1. Ich weiß, es gibt viel schwierigere Wanderwege, aber ehrlich: bei Glätte würde ich nicht gehen. Ansonsten: wunderwunderschön. Und die Kreuzwege aus allen Epochen — vom Barock bis in die Nachkriegszeit — haben, ähem, enormen Unterhaltungswert.

  1. Sie haben eine Art, einem den Mund wässrig, äähh die Füsse unruhig zu machen. An die Mosel dachte ich so beiläufig, aber nach Ihrem Bericht… Muss bloss das Knie noch richtig wieder ohnmeckerig mitwandern. Vielen Dank für den Bericht und die Fotos.
    Nachmittäglichsonnendämmrige Grüsse aus dem stiller werdenden Bembelland

  2. danke fürs Mitnehmen! Der Rhein ist wirklich laut, wenn ich da an die stille Elbe denke, wo ausschliesslich Vögel zu hören sind- schön, dass es an der Mosel so ähnlich ist, dass sich nicht jeder Fluss für die grossen Frachtschiffe eignet!

    1. Neinneinnein, die Mosel ist immer noch laut. Wenn der Rhein auf der Zehnerskala das Maximum an Krach ist, liegt die Mosel sicher immer noch bei Fünf. An die stille Elbe kommen die Flüsse hier alle nicht ran. (Ich erinnere mich sehr gut, wie beeindruckt ich von der Elbe in Dresden war; das allerdings war vor der Waldschlößchenbrücke.)

Antworte auf den Kommentar von Lakritze Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert