Postkarte vom Kanal

Ob mehr England oder mehr Frankreich, ist nicht gleich zu entscheiden. Die Namen von Orten und Häusern lesen sich französisch und klingen völlig britisch; zum Frühstück gibt es Black Pudding, zum Nachtisch Crème brulée. Deutsch war man auch mal, aber nicht gern, und schaudert heute noch in den alten Betontunneln.

Zweimal täglich setzen die Gezeiten alle Boote im Hafen auf Grund. Man verbringt viel Zeit auf Abbruchkanten, blickt ins Blaue, Graue und Grüne und erwartet unentwegt malerische Schafherden; es gibt aber fast keine, bloß Banken, Versicherungen und Kühe. Und harte Pullover aus Fremdwolle — das Jersey-Schaf ist ausgestorben.

Die Insel zeigt ihren Besuchern ein freundliches Gesicht, ein sonniges, üppiges, butterfett glänzendes. Besucher sind gern gesehen, wenn sie, wie die Flut, immer wieder kommen und immer wieder gehen.


0 Gedanken zu „Postkarte vom Kanal

    1. Die Pullover und Schals, die ich angefaßt habe, waren aus harter, fettiger Wolle und sehr dicht gestrickt; an hatte ich keinen. Ich wäre allerdings sehr überrascht, wenn die nicht kratzten.

  1. Oh, da kommt Fernweh auf!
    Kratzepullover nicht anzuziehen, nein, das würde ich auch nicht machen. Mit der Weigerung, solche Wollpanzer anzuziehen, habe ich zu Kindertagen schon meine Mutter auf die Palme gebracht…

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