Von blauen Bergen

Häuser wachsen hier gleich aus den Wiesen, im Sonnenlicht scheinen sie zu gedeihen. Wo sie sich verdichten, grünt es immerhin in Blumenkästen und Vorgärten; so üppig, so reich. Hier und da liegt ein gefallenes Blatt auf dem Bürgersteig. Zebras sind hier gelb gestreift; an den Ampeln steht: Fussgänger drücken. Einheimische erklären mir höflich-kehlig den Weg zum See.
Vor dem stehe ich dann wie vor einer Wand. Er gleißt; kaum hinschauen kann ich, wo die Segelboote gleiten. Der Steg unter meinen Füßen liegt fest, es ist der ganze Septembertag unter dem weißglühenden Himmel, der leise schwankt.
Mein Blick fängt sich in den Uferanlagen, greift nach Balkongittern, schlüpft unter gestreifte Markisen. Palmen müßte es geben, doch stehen bloß Kräne weiter hinten, um einstige Dorfkirchlein herum, und schichten mehr Stadt in die Schafsweiden.
Dahinter wachsen auch noch Tannen, alle ordentlich gekämmt; dralle Hügel mit gestriegeltem Gras und Scheunen hier und da wölben sich zu ihnen hin. Noch dahinter aber, das Blau, das ist nicht der Himmel. Das steigt jäh und bricht schroff und hat weiße Flächen in Höhen, die überhaupt nicht möglich sind.
Diese ganze, sonnige Stadt ist ja umlauert von Gebirg! Aber die Leute von hier meinen bloß: Ach, die Berge, ja, die. Sind weit weg.
 
Grippespaziergang; angestecktregt von Herrn Zeilentiger.

Postkarte aus der Schweiz

Hinauf den Fluß: Den Ebenen des Niederrheins und den mittelrheinischen Weinhängen folgt Baden, südlicher besonnt, und dann die Schweiz, wo sie Seen haben und Alpen und das End-li.

Selbst die Bausünden sehen irgendwie proper aus.

Die Bergwiesen wirken wie gefegt, oben auf den Gipfeln glitzert – ooooh! – Schnee, und die Städte stehen voller Blumenkübel. Man geht bei Rot nicht über die Straße und winkt den Autofahrern zu, die am Zebrastreifen halten. So gehört sich das hier.