Vom Nutzen der Pferde

Qype-Beitrag zu Pferdemetzgerei Guido Bobenrieth GmbH, Bergstraße 39, 66115 Saarbrücken, Bewertung: ***** (von 5)

Früher hatte ein Pferd ein langes Arbeitsleben als Zug-, Reit- und Lasttier. Und am Ende wurde es gegessen. Heute sind Pferde Streicheltiere und Pferdemetzger eine Seltenheit.

Dicht an Frankreich, im Saarbrücker Stadtteil Burbach, gibt es einen: Guido Bobenrieth, der Pferde nicht nur züchtet, sondern auch schlachtet, ihr Fleisch verarbeitet und verkauft.

In der ehemaligen Tankstelle in der Bergstraße — auf dem Dach leuchtet das Bobenriethsche Wappen, zwei steigende Pferde auf rotem Grund — bekommt man Fleisch, Wurst und Schinken vom Pferd. Manchmal hängt ein Schild im Fenster: »Heute Fohlen!« Dann sind die Filets besonders zart.

Man könnte Bobenrieth für herzlos halten, weil an der weißgekachelten Wand des spartanischen Verkaufsraumes Pferdeposter hängen. Und ein Zeitungsartikel: »Diese Hände haben schon 3000 Pferde geschlachtet« steht da in dicken Lettern. Dabei ist er einfach nur sachlich; seine Kunden sollen wissen, was sie auf den Tisch bekommen.

Man kann merken, ob der Metzger gut ist und den Tieren ein streßarmes Ende bereitet. Streß macht das Fleisch blaß und wäßrig. Bobenrieths Pferdefleisch ist dunkel und fettarm — und es ist günstig. (Kein Wunder bei den Skrupeln, die so viele Fleischesser beim Wort Pferd plagen.) Was ist mit den Würstchen, sind die nur aus Pferd? — Nein, da ist »dodi Wutz« mit drin. Sonst wären sie zu mager.

Einmal pro Woche ist Herr Bobenrieth auf dem Markt in St. Johann und verkauft dort seine Frikadellen, Braten, Rouladen und Filets. Wer spezielle Wünsche hat (wie etwa den hervorragenden Pferdeschinken mit der Pfefferkruste), sollte tunlichst vorher bei ihm anrufen.

Wie Pferdefleisch schmeckt? Gut, sehr gut, würde ich sagen. Wenn man das Glück hat, einen guten Pferdemetzger zu kennen.

Alte Liebe

Qype-Beitrag zu Friedhof am Barfüßertor, Barfüßerstraße, 35037 Marburg; Bewertung: ****(von 5)

Hier ruht in Gott Carl Lametsch, geboren den 11ten April 1813, gestorben den 24ten December 1837. Lange hat er nicht gelebt. Sein Grab liegt nun bald zwei Jahrhunderte am Hang des Marburger Schloßberges, auf dem Alten Friedhof an der Barfüßerstraße, und immer noch bleiben Menschen davor stehen, lesen die Inschrift und denken: Ach Gott, vierundzwanzig…

Der Friedhof, im 16. Jahrhundert vor den damaligen Toren der Stadt angelegt, nahm über 300 Jahre lang ihre Toten auf. Ein kleiner grüner Fleck am Berghang ist er heute, von einer hohen Mauer umfriedet, mit einem geteerten Rundweg und zwei Bänken zum Ausruhen.

Kühl und angenehm ist es hier an heißen Tagen. In den Büschen an der Mauer nisten Singvögel. Zweimal im Jahr wird gemäht. Zwischen den hohen alten Bäumen stehen vereinzelte Grabsteine, die Inschriften vom Regen ausgewaschen, altes Deutsch und Lateinisch gleichermaßen. Barocke Lebensbeschreibungen gibt es da und klassizistische geborstene Säulen, kunstvolle Steinmetzarbeiten und schlichte schwarze Gußeisenkreuze.

Eines davon wurde für Carl Lametsch aufgestellt, von seinen liebenden Eltern. Von einem Mädchen, einer Frau gar ist nicht die Rede … Er hatte ja nicht viel Zeit.

Ich denke über ihn nach, wenn ich an seinem Grab vorübergehe auf dem Weg in die Oberstadt, und über mich und die Dinge, die nie sein werden. Und dann muß ich lächeln, wenn ich die Blumen sehe, die manchmal hier liegen.

Dem Tod ins Auge

Qype-Beitrag zu Museum anatomicum, Robert-Koch-Straße 6 (Dachgeschoß), 35032 Marburg; Wertung: ***** (von 5)

Daß selbst langjährige Marburger die medizinhistorische Sammlung nicht kennen, liegt sicher auch an ihren Öffnungszeiten. Es erfordert Planung, am ersten Samstag eines Monats den Seiteneingang des Instituts für Zytobiologie zu finden, der, einige knarzende Treppen hoch, ins Museum anatomicum führt. Natürlich sind eingelegte Embryos und freipräparierte Nervenbahnen auch nicht jedermanns Sache am frühen Morgen. Und manche haben von vornherein keinerlei Interesse daran, dem Tod ins Auge zu blicken. Nun, hier sei für die fanatischen Langschläfer und Samstagsbruncher festgehalten, was ihnen entgeht.

Medizinische Lehrmittel und Kuriositäten aller Art warten hier im Dämmer ihrer Vitrinen aus dunklem Holz. Bilder und Wachsnachbildungen von Geschwüren und Krankheitszeichen, histologische Schnitte; eine umfangreiche Sammlung freipräparierter Gehörknöchelchen. Schädel, geöffnet oder noch intakt. Skelette hängen wie in einer Garderobe in der Reihe — vergleichende Anatomie. Runzlige Embryos, manche ohne Kopf oder mit zweien, schweben in großen Glasbehältern. Hände, Augen, Nerven, Herzen… (Auch sein eigenes Herz hat der Begründer der Sammlung hier gelassen, in einem Silberbehälter.)

Marburg wäre nicht Marburg, gäbe es nicht zu dem ein oder anderen Ausstellungsstück eine schauerliche Legende: Da ist das Riesenskelett in einem eigens dafür angefertigten Schrank mit gläserner Tür. Das war der Lange Anton, der um 1650 einem Fürsten gedient haben soll; er maß zwei Meter vierundvierzig. Er litt an einem Hypophysentumor, der ihn immer weiter wachsen ließ; man sieht die Knochenwucherungen an seinen Gelenken, die sicher schmerzhaft waren. Sein Gehstock lehnt neben dem gewaltigen Knochengerüst. — Oder die schreckliche Geschichte von der buckligen Marburger Magd, die, schwanger von einem Medizinstudenten, sich nicht anders zu helfen wußte, als in die Lahn zu gehen. Wie muß der junge Mann erbleicht sein, als er sie am Morgen darauf in der Anatomie auf dem Tisch fand … Der Körper wurde so präpariert, daß man zwischen beiden Körperhälften stehen und den Querschnitt betrachten kann; auch das ungeborene Kind ist noch zu sehen.

Selbstmörder, Kranke ohne Angehörige, Verbrecher, die Ausgestoßenen der Gesellschaft haben hier eine Art von ewigem Leben gefunden. Jahrhundertelang dienten sie als Lehrmittel im Studium der Heilkunst.

Begründer der Sammlung war Christian Heinrich Bünger (1782–1842), als Präparator ein Meister seines Fachs. Ein großer Teil der säuberlich freigelegten und nach allen Regeln der Kunst konservierten Gewebeproben stammt von ihm. Die heutige Bedeutung der Sammlung ist vor allem historisch; es gibt kaum eine ältere in Deutschland. Die ältesten Exponate stammen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, die jüngsten aus den 1920er Jahren.

Das Museum ist nur geführt zu besuchen. Zwei Euro kostet das pro Person, und dafür folgt man einer Studentin oder einem Studenten durch die Räume und bekommt alles erklärt. Das ist sicher gut so — so bleibt man auf dem Boden der Tatsachen und verliert sich nicht zwischen den filigranen Nervenbahnen eines Halses, in einem Blick aus halbgeschlossenen Augen hinter Glas…

Der Weg nach draußen ist vielleicht eine Erlösung, auf jeden Fall ein Rücksturz durch die Zeit. Die Heiterkeit, die man mit auf die Straße und ins nächste Café nimmt, hat wenig mit Witz zu tun — sie kommt aus dem tiefen Gefühl der eigenen Lebendigkeit.

Schön scharf

Qype-Beitrag zu Solinger Stahlwaren M. Seebauer, Baumgartenstraße 1a, 55543 Bad Kreuznach; Bewertung: ***** (von 5)

Keine hundert Meter vom Kreuznacher Bahnhof entfernt gibt es ein kleines Wunder; vielmehr eine Ansammlung von kleinen Wundern: den Kreuznacher Messerladen. Der Laden ist hier, seit ich denken kann; ich weiß allerdings nicht, wie lange er dem Diplomingenieur und Messerschmiedemeister Matthias Seebauer gehört.

Das erste Wunder ist, daß sich der Laden schon so lange hier hält, an einer der Hauptverkehrsstraßen und den Bahnschienen Richtung Bad Münster, aber weitab von der Einkaufsmeile. Wer hier herfindet, muß wissen, was er sucht.

Das zweite Wunder ist die Auswahl. Es gibt Messer für Profis und für Liebhaber, zum Arbeiten, zum Überleben, zum Angsthaben, zum Angeben; Messer für Köche und Metzger, für Friseure und Pilzesammler, für Graphiker, für Schnitzer, für Ärzte, für Kinder. Mit Rosenholzgriff, mit Hohlschliff, mit Waffenschein. Vom kostbaren Ausstellungsstück bis hin zu Omas Kartoffelkneipchen für ein paar Euro — es gibt alles. ALLES. Nur keine kurzlebigen Massenprodukte — hier kauft man Hausrat, Weggefährten, Erbstücke.

Gleiches gilt für die Scheren. Als ich vor vielen Jahren hier eine Solinger Schneiderschere kaufte, für erschreckend wenig Geld, steckte sie in einer Papp- und Samtverpackung aus den Fünfziger Jahren. Diese Scheren gehen nicht kaputt, man kann sie höchstens verlieren. Oder verleihen.

Der richtige Schliff ist entscheidend, und den gilt es zu erhalten. Herr Seebauer schleift darum japanische Fischmesser wie Bastelscheren mit der gleichen Aufmerksamkeit; manche Schere, die die Großmutter hier gekauft hat, bringt die Enkelin heute noch regelmäßig vorbei. Auch das Tafelsilber kann man hier mit neuen Klingen versehen lassen. Alles, was scharf ist, ist bei Seebauers in den besten Händen.

Überhaupt, die Beratung — die ist das dritte Wunder. Das Geschäft ist winzig und unübersichtlich mit seinen Regalen und Schubladen, Vitrinen, Schachteln, Haken, alles voll mit Tausenden von Messern und Scheren. Ohne kundige Führung wäre man hier verloren. Ein Verkaufsgespräch eröffnet Welten, egal ob es nun um eine Nagelschere geht oder um ein Messer aus Damaszenerstahl. (Viele der Solinger Meister kennen die Seebauers persönlich, und manch einem der richtig kostspieligen Messer liegt sogar ein Video über seine Herstellung bei.)

Auf Werbung oder Präsentation wird hier kein Pfennig verschwendet. Seebauers arbeiten mit Herz und Sachverstand, und wer bei ihnen kauft, profitiert davon. So ein Angebot rechtfertigt auch weitere Wege — und der Bahnhof ist ja gleich um die Ecke.

Nachtrag Februar 2013:
Der Anlaß zum Umtopfen des Artikels ist ein trauriger — Herr Seebauer ist gestorben. Er wird fehlen.

»Sie bringen den Kopf, wir haben die Haare«

Qype-Beitrag zu Haarhaus Hansed, Cecilienstraße 13, 66111 Saarbrücken, www.haarhaus-hansed.de; Bewertung: **** (von 5)

Haarhaus Hansed ist kein Friseur, sondern ein Fachgeschäft für Haarersatz. Ich gebe zu, drin war ich nie. Die Hemmschwelle ist zu hoch: Erstens habe ich selber Haare, und zweitens bleibe ich immer am Schaufenster hängen.

Die Perücken-Auslage ist eines der beliebtesten Fotomotive im Nauwieser Viertel. Man kennt ja Apotheken, die mit Knochenmännern für Medikamente und Sanitätshäuser, die mit gelben Regentropfen für Erwachsenenwindeln werben — aber Hansed übertrifft sie alle.

Hier führen Schaufensterpuppen der letzten 50 Jahre — bzw. ihre Köpfe — ein zweites Leben. Manche sind schon etwas schadhaft und tragen deshalb Pflaster oder Sonnenbrillen, und was sich unter der roten Clownsnase verbirgt, möchte ich gar nicht wissen. Was sie aber allesamt tragen, sind Haare. Haare in allen Farben und Längen. Gute Toupets und schlechte (mit einem Vermerk: »Rote Karte für Kunsthaartoupets«). Und als beim Perückenmachen, so stelle ich mir das vor, die Schädel voll — oder alle — waren, ging’s weiter mit den freien Flächen im Gesicht: Vollbärte und Schnauzbärte in allen Variationen, gerne auch bei den Damen, mal richtig herum, mal in Richtung Nase sich sträubend. Ja, der Rausch des Haarherstellens machte selbst vor des Menschen bestem Freund nicht halt — davon zeugt ein Wackeldackel mit blonder Löwenmähne.

Zwischen den Köpfen sind Vorher-Nachher-Fotos, Zeitungsausschnitte und selbstbeschriftete Schilder liebevoll arrangiert. Die Texte spiegeln den Humor des Besitzers Eduard P. Hans und sein Selbstbewußtsein als Anbieter von Zweithaar.

Wegen dieses einmaligen Schaufensters weiß ich um »Cyberhairhaare«, deren »’Lebensdauer‘ 2-mal länger, wie andere Toupethaare« ist. Ich weiß, daß man hier Toupets bekommt, die auch bei dauernder sportlicher Anstrengung noch perfekt sitzen. Immer wieder zieht mich die erleuchtete Auslage an, und dann schaue ich, staune und habe Hansed lieb.

Nicht daß mich hier jemand falsch versteht: Wenn ich eine Perücke bräuchte, würde ich zu Hansed gehen. Sofort. Ich habe bislang nur Gutes gehört, und das Geschäft gibt es schon seit 35 Jahren — hier stimmen Handwerk und Beratung, da bin ich sicher.

Aber mein größtes Anliegen ist, daß nie, nie, nie jemand auf den Gedanken kommt, dieses Schaufenster aufzuräumen.

Roß und Reiter

Qype-Beitrag zum Roßmarktbrunnen in Alzey, Roßmarkt, 55232 Alzey; Bewertung: ***** (von 5)

Ich weiß nicht, ob jeder einen Lieblingsbrunnen hat; ich habe einen: den Roßmarktbrunnen in Alzey.

Das Städtchen Alzey liegt zwischen den sanften Hügeln des rheinhessischen Weinlandes südlich von Mainz. Es geht auf keltische Wurzeln zurück; später hatten die Römer hier ein Dorf namens Altiaia gegründet — Alzey ist alt. Und geschichtsbewußt! Als Nibelungenstadt ist sie stolz (und war zu Zeiten noch weit stolzer), Stammsitz des Ritters Volker von Alzey zu sein, des Spielmannes am Hofe der Burgunder zu Worms, was die Stadt mit den sagenhaften Ereignissen um den Drachentöter Siegfried verbindet. Bis heute nennt sie sich auch »Volkerstadt«, und in ihrem Wappen ist die Fiedel des Spielmannes enthalten.

Nun ist es nicht so, daß sich Alzey gänzlich mittelalterlich erhalten hätte; dazu ist es in seiner bewegten Geschichte zu oft zerstört worden. Die heutige historische Bebauung besteht aus Fachwerk des 17. und 18. Jahrhunderts und Bauten aus dem für Rheinhessen typischen hellen Sandstein. In der Nachkriegszeit (Alzey hatte keine Bombe abbekommen) versuchte man auch hier, die krummen Gäßchen autogerecht zu machen und das Stadtbild zu modernisieren. Ein rühriger Heimatverein hat sich um die Erhaltung historischer Bausubstanz verdient gemacht, und heute besitzt Alzey eine recht ansehnliche Altstadt um Spießgasse und Roßmarkt.

Seit 1982 ist der Roßmarkt mit seinen prachtvollen Fachwerkbauten Fußgängerzone, und 1985 kam schließlich der Roßmarktbrunnen, den der Neustädter Bildhauer Gernot Rumpf geschaffen hat. Der Brunnen sollte etwas ganz Besonderes werden: er sollte das Thema des Pferdemarkts aufgreifen, gleichzeitig den Bezug zum Herrn Volker herstellen und natürlich ein bißchen mit der Nibelungensage kokettieren, diesem düsteren, blutigen Mythos um Siegfried, Kriemhild und Brünnhilde, Hagen von Tronje und den Hunnenkönig Etzel. Eine ideale Vorlage für eine Heldenpose …

Was daraus geworden ist: etwas ganz Besonderes. Mitten auf dem kopfsteingepflasterten Marktplatz liegt ein flaches Rund in Sandstein, mit Wasser gefüllt; darin die sprudelnde Brunnenschale, die von Reben aus Bronze überrankt ist. Einsam an der Tränke, die Vorderhufe im Wasser, steht ein lebensgroßes Pferd, gesattelt und gezäumt auf seinen Reiter wartend. Der dürfte gleich kommen — seine Fiedel hat er jedenfalls schon aufgepackt. Das Pferd ist kein edles Streitroß und alles andere als ein Rennpferd — es ist ein kompakter Ackergaul mit geflochtener Mähne, der sicher lieber friedlich am Markt auf seinen Herrn wartet, als schnaubend in den Kampf zu ziehen. — Und wo ist der große Volker? Nun, der wird wohl in einer der guten Gastwirtschaften hier versackt sein und die vielgerühmte rheinhessische Lebensart genießen. Aber das Nibelungengold –? Haben wir auch: in der Brunnenschale, überwachsen von Wein. (Was da der wirkliche Schatz ist, hat die Geschichte gezeigt.)

Roßmarktbrunnen Alzey
Das Pferd Max am Brunnen, zur Zeit eingefriedet.

Wie sehr die Kinder den Max — so heißt das Pferd — lieben, sieht man daran, wie blank sein Sattel ist. In unzähligen Familienalben kleben Fotos vom Nachwuchs auf dem Bronzegaul. Ein weiterer Pluspunkt aus Kindersicht ist der Drache, so groß wie ein pummeliger Dackel, der auf dem Brunnenrand sitzt und etwas indigniert dreinschaut, sowie das Markenzeichen des Künstlers Gernot Rumpf: eine bronzene Maus in Lebensgröße. Sie ist die blankeste von allen Brunnenfiguren; jeder würde sie gern mit heimnehmen.

Roßmarktbrunnen Alzey

Nicht alle waren von Anfang an so entzückt über den Brunnen wie die Kinder. Vielen Rheinhessen war das zu wenig ernsthaft; über die Plumpheit des dicken Max waren manche regelrecht beleidigt. Aber, so erzählte mir eine alteingesessene Rheinhessin, so sehr die Männer auch bei Tage über den Gaul geschimpft hätten — nachts, nach den Weinfesten, hätten sie allesamt draufgesessen.

Ein Vergnügen, das ich jedem nur wünschen kann. Und wer das Herz eines Drachentöters hat oder ein kindliches Gemüt, sollte es am hellichten Tage tun.