Gruß & Kuß

Obstblüte. Oberleitung.
Obstblüte. Oberleitung.

Wir haben einen Alltag genommen und uns einen Urlaubstag draus gemacht, so schön, wie ein echter kaum sein kann. Den Tiefdruckgebieten entwischen und sich dem Frühling in die Arme werfen: ein leuchtender, duftender Tag, Vogelkonzert links, Frachtschiffgediesel rechts des Pfades, und die Welt ist im Lot.
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Heute ist der Himmel schon wieder bewölkt, und am Rande meines Wollpullovers sehe ich, wo mich gestern die Sonne geküßt hat: die Oberlippe nur gestreift, einen Handkuß rechts und einen, schon wilder, links; am feurigsten aber da, wo die Schlüsselbeine aufeinandertreffen. Gestern noch war ich empört über so viel Ungestüm. Heute betrachte ich die Stellen mit Andacht. Es soll ja wieder kühler werden.

Postkarte (eisig) von der Aue

Flußlandschaft im Winterkleid.

Dank Frau Amsel ist’s nun wieder gut: Sonntagsausflug an den Rhein! Einmal vom Winter durchgekitzelt und ein wenig gebissen, und schon zieht das Fernweh die Krallen ein und ist wieder eine Weile brav.

Der nahe Fluß macht alles einfach, klar und schön. Er gibt die Richtung vor, die Jahreszeit das Tempo. Das Wasser trägt Blau und Opal, Milch und Gold die Ufer. Überhaupt, das Gold des Winters, das man mit dem Blick nur streifen kann, nicht fassen — in Gänseketten reicht es bis zum Himmel.

Auf Schritt und Tritt dabei: die Kälte. Sie achtet streng darauf, daß wir Schal und Mützen anlassen und nicht herumtrödeln. Für ein halbes Stündchen entwischen wir ihr in ein Anglerheim mit Kamin und Kakao, aber draußen lauert sie schon auf uns, scheucht uns weiter und schließlich wieder nach Hause in die geheizte Küche, Suppe essen.

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Ufer mit Spitzenkragen.

Postkarte: Tag am Meer

Die erste warme Zeit des Jahres verlangt nach einem Tag am Meer, und wenn schon nicht Meer, dann zumindest am Wasser und im Querformat, weil man ja jetzt schon Stunden in den Wiesen liegen könnte, ohne sich ein kaltes Kreuz zu holen. Schöner als ein Tag im Liegen aber ist ein Tag im Laufen, und noch viel schöner ist ein Wandertag dann, wenn man eigentlich Besseres zu tun hätte. (Nichts Besseres natürlich, nur vernünftiger, nützlicher womöglich.)

Also zogen zwei, statt Nützliches zu tun, an den mittleren Rhein, genauer gesagt in die Rheinauen auf der Höhe von Ingelheim. Es wurde ein denkwürdig schöner Tag am Meer.

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Wiese.