Der Herbst hat mich herausgelockt: mit der Bahn an den Fluß und zu Fuß die Rebhänge hoch, noch vor der Sonne, um sie dann oben in den Hügeln zu erwarten.

Lange hält sich im Tal der Nebel. Und was für ein Schauspiel er gibt: Er raucht die Hänge hoch, steigt weiß aus Baumgruppen und Wiesen, hebt sich hier und da, blitzt im Tal mit Flußsilber und ballt sich um die Hügelkronen, daß sie in den Himmel wachsen. Schließlich, als er dünn geworden ist, verleiht er allem einen spukhaften Schein; die Höhendörfer sehen aus wie Hirngespinste. Dann ist das vorbei. Die Landschaft hat wieder Substanz, die Sonne wärmt, und ich bin froh, den Aufstieg hinter mir zu haben.
Die Wälder auf den Hügelflanken tragen Grün wie Staub; als müsse man nur mit dem Ärmel darüberwischen, damit Rot und Gelb zum Vorschein kommen. Aber dafür braucht es wohl einen anderen Ärmel als meinen.
Auf dem Weg fülle ich die Taschen mit Kastanien und Nüssen. Dabei beobachten mich Mäuse, ein prächtiges Eichhorn und ein Paar Dohlen mit Eissplitteraugen. Unmäßig bin ich nicht, und es gibt genug, beruhige ich sie und ziehe meines Wegs.
Die letzten Brombeeren sind sauer, aber im Gasthaus auf der Höhe haben sie Beerenkompott mit Sahne und Aussicht für mich. Ich bleibe noch ein wenig sitzen, als mein Kaffee leer ist, und stelle mir vor, hier auf die Herbstfärbung zu warten, den Blick auf die Hügel gerichtet; in ein paar Tagen sollte es so weit sein … Natürlich breche ich doch wieder auf.
Und will, natürlich, wiederkommen. Unbedingt.
Sehr fein zu lesen. Als wäre man dabei.
Danke. Ich bin ja froh um mein Blog; was ich alles vergessen würde ohne das –!
Das stimmt. Manchmal kann man im Lesen des eigenen schwelgen 🙂
.))) „Wie, das soll ich geschrieben haben –? Oh, ein Tippfehler …“
Genau 😀
so schön *strahl* . danke fürs mitnehmen. hier hat es keine hügel.
sonnengrüsse vom platten land! 🙂
Oh, ich hoffe, Du bist wieder wohlauf, oder doch auf dem Wege dahin! Und daß Dir die Geschichten nicht ausgehen.
😀 auf dem weg. so ein virus ist n fieses ding! und anhänglich. gut, dass ich sonst fit bin. sonst würde ich das nicht so wegstecken. aber es gibt schlimmeres! 😀
Eine sehr aufmerksame, feine Verständigung zwischen Tieren und Mensch. Ich wünsche gutes Wiederkommen.
Ich finde ja, ein bißchen schreckhafter hätte es ruhig sein können, das Getier. So von wegen Krone der Schöpfung und so.
Und Wiederkommen wird gemacht, natürlich.
… ach, was für eine feine fortsetzung der gestrigen fallgeschichte, jaaa!
und wunderwunderbare bilder!
Danke. Gehen hilft ja eigentlich bei allem, und überhaupt. (So einen Urlaub wie ihr hätte ich gern mal, nicht den durch die Städte, sondern den durch den Wald. .))
wie wir also im sommer gemacht haben. mit zelt und allem und immer weiter.
ja, das ist gute, beste lebenshilfe für alles.
für ruhe und stille vor allem!
Na, also dass Sie mich zum Wischen nehmen wollen… 😉
Ich mag Ihre stimmungsvollen Beschreibungen und in der Fotostrecke sind tolle Fotos – vielen Dank für dies alles.
(das animiert mich, demnächst auch wieder einmal früh am Morgen, am Fluss, über dem Fluss…)
Wochenendlich schöne Grüsse vom Schwarzen Berg
Aber Herr Ärmel — doch nicht Sie! Allerhöchstens Ihren Ärmel, sollte der es sein, der zum Herbstherwischen taugt. Frühfotos? Da käm ich gerne gucken. Danke, und Wochenendgrüße zurück!
Wir werden im Kontakt bleiben . .
Feinstgulasch&bandnudelsatte Grüsse vom Schwarzen Berg
Die Eissplitteraugen der Dohlen haben es mir angetan. Wie auch die Herbsterwartungsstimmung in Text und Bild. Herzlichen Gruß aus einer Gegend ohne Frühnebel.
Die haben sie wirklich, die Dohlen, und es ist recht seltsam, von ihnen angeschaut zu werden. Wünsche Frühnebel!
Irgendwann komme ich mit.
Es wäre mir eine Freude –!
Mach mal.
Haha, wissen Sie was? Im ersten Moment habe ich „Einhorn“ gelesen. „… mich beobachten Mäuse, ein prächtiges Einhorn und Dohlen mit Eissplitteraugen.“ Ein Einhorn im Nebel! Davon hätte ich gern ein Photo gehabt. Hätte auch ruhig kitschig sein dürfen.
Dann wäre ich jetzt mindestens berühmt, wenn nicht gar reich, und das, äh, geht doch nicht –! Mein Einhorn hat ein weiches Fell und ein weiches /ch/.
sehr schöne Bilder, ich wäre gerne dabei gewesen…
Danke. Liegt bißchen vom Schuß, ist aber eine Reise wert –!
man muss ja auch nicht immer beim Schuss sein, sonst hätte man ja einen Knall.
Ha! Wahr. Auch wenn das gute gelegentlich nahe liegt.
„Er raucht die Hänge hoch…“ Wie das so herrlich trifft!
Gestern hatte ich es ähnlich an der Hessischen Bergstraße! Der Oktober lässt uns lange „goldene“ Zeiten erleben, nicht wahr!
Ich finde, dieser ist ein Prachtexemplar. Dieses Jahr mochte ich sowieso, was das Wetter anging; aber das ist wahrscheinlich nur folgerichtig, denn ich war viel draußen.