Postkarte von den glücklichen Inseln

Urlaub auf den Kanaren. Weil in der letzten Minute anderes nicht mehr ging. Eine Woche hemmungslos Touristin — aber nein, das habe ich dann doch nicht hinbekommen.


Gesegnete Inseln: kein Giftgetier, nur Echsen und Kaninchen und darüber der ein oder andere Raubvogel. Ein Klima für jedes Gewächs — alles, was man essen kann, gedeiht hier, sofern man es bewässert. Trinkwasser fehlt und muß gespeichert, entsalzt oder gar importiert werden. Dann gibt es noch den Tourismus. Der bringt Wohlstand und nimmt Lebensart; dafür wird er eingesperrt in klimatisierte Systeme aus Markenläden und Souvenirkitsch.

Die Sonne ist ganz klar afrikanisch. Von jedem Tag brennt sie die Hälfte weg; die verdunstet dann zwischen Schirmen und Liegestühlen. Nur ein paar hundert Meter vom gezähmten Wasser in den Pools entfernt tobt das Meer, ungehindert bis Amerika und unverpestet, wenn man vom Sonnenöl absieht. Sand gibt es in Schwarz und Weiß; grüne und blaugraue Steine stören den Badebetrieb und werden entfernt.

Den Leuten, die hier leben, fehlt das Genervte der Bewohner anderer Tourismushochburgen. Verständigung klappt immer, irgendwie und unter Gelächter. Auch die Küche ist herrlich, Früchte, Fisch und Mandeln und dazu scharfe Soßen. Von hier soll Cristóbal Colón aufgebrochen sein übers westliche Meer. Wenn das mal stimmt. Eigentlich laden die Inseln zum Bleiben ein, zum Ausruhen, zum Schläfchen im Schatten.

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0 Gedanken zu „Postkarte von den glücklichen Inseln

  1. So schön kann Gran Canaria sein – wenn eine gute Fotografin mißratene Bilder fabriziert.
    Sehr stimmungsvolle Slideshow, schöner Text. Bin gespannt auf Mee(h)r.

  2. was hast du denn? die sind doch ganz hervorragend geworden, die fotos!

    und was hats mit dem totenkopfbücherregal auf sich? *grusel*

    1. Fotos werden nie die, die ich möchte, Jou.

      Die Totenköpfe (das ist nur ein winziger Teil) liegen im Museo Canario in Las Palmas. Das sind die Ureinwohner, deren Grabstätten man geöffnet hat. Die Sammlung stammt aus der Zeit der Rassenkunde, als man versuchte, durch Schädelvermessungen die Merkmale der (weitgehend ausgerotteten) Guanchen festzulegen.

      Das Museum ist ohnehin eine Kuriosität. In den ausschließlich spanischen Beschriftungen habe ich nicht eine Jahreszahl gefunden.

    2. Ach was! Wassily schimpft mich immer AufHohemNiveauJammererin. Die Karte schieb ich dir jetzt einfach mal rüber :-p Die Fotos sind ganz wunderbar. Zur Desensibilisierung rate ich ein paar Tage wahllose Bilder beim Gehen aus der Hüfte zu schießen. Das macht viel Schrott und ein paar Glanzlichter. Und verhilft nebstbei vielleicht zur Zufriedenheit mit den gezielten Aufnahmen.

      Und danke für die Guanchen Backgrounds. War mir völlig neu.

  3. Danke für das Teilen Deiner Eindrücke in Worten und durchaus gelungenen Bildern. Wenn es Dich tröstet: Fotos werden nie so, wie sie sollen, die Technik deckt sich nicht mit unseren wunderbar konstruierten Augen. Auch fehlen ihr die anderen Sinne.

  4. Jou, Karu, ich weiß, ich weiß … Aber frustrierend ist es doch. Ich werde mich künftig nicht mehr lautstark ärgern, sondern so tun, als habe ich meine Ergebnisse beabsichtigt. 🙂

    Danke euch allen für die netten Kritiken.

  5. Ich bin mir sicher, die Ergebnisse waren so gewünscht. Super Motive, super gesehen. Ich wünsche mir eine Fortsetzung deiner schönen Beschreibungen mit noch mehr missratenen Fotos.

  6. Die Steine werden dann zu Strassenpflaster verarbeitet?
    Klasse 😉
    Ich hab mal 15 Monate auf Fuerte gearbeitet, damals hatte ich aber groesstenteils nur Party im Hirn.
    Die Photos sind klasse (vielleicht bist Du etwas zu selbstkritisch *grins*), was ein traumhaftes Inselchen (minus Tourismus).
    Lieben Gruss aus dem Dampfbad in der Wueste 😉

  7. Schöne Fotos. Und eine außergewöhnliche Zusammenfassung einer kanarischen Insel. Vielleicht sollte ich das mal mit Kroatien versuchen…

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