Dorfläden faszinieren mich, seit ich mit drei, vier Jahren meine ersten Groschen bei Frau Kruger in »Geschnuggels« umsetzen durfte: Die Ladenglocke schepperte, die Tür quietschte, und es duftete nach Äpfeln und Papiertüten. Nix mit Selbstbedienung — alles gab’s in Armeslänge der asthmatischen Besitzerin; nur für das nicht ganz alltägliche Sortiment mußte sie auf eine Trittleiter steigen. Die mechanische Waage (Bi … zer … ba) hatte einen Haken für Bananenbündel; Damenstrumpfhosen fuhren in ihrem Ständer Karussell. Hauptattraktion: die Bonbongläser, und natürlich gab es für Kinder immer ein Zwei-Pfennig-Brausebonbon extra.
Frau Krugers Laden (»Union-Kohlen — Kolonialwaren«) ist längst Geschichte, und ich wüßte keinen echten Tante-Emma-Laden in meiner Nähe. Für sowas muß man schon aufs Land. Richensa hat ein wunderbares Exemplar in Brandenburg porträtiert; hier nun das hessische Gegenstück in Mönstadt im Taunus (430 Seelen).
Dieser winzige Supermarkt ist bestens sortiert — es gibt alles, was man zum Leben braucht: Brot, Butter, was drauf, Frisches, Haltbares, Süßes, Salziges und alles für den täglichen Bedarf. Und natürlich immer jemanden für einen Schwatz. Wir, ortsfremd und ohne Auto unterwegs, sind sicher aufgefallen, wurden aber nicht weniger freundlich bedient. Nur vielleicht etwas hochdeutscher.
Bei jeder Wanderung durch diese Gegend hoffen wir, daß wir eine kurze Rast in Mönstadt einlegen können — zu Ladenöffnungszeiten.

